Wer von Michael H. Heinz deutliche Worte erwartete, wurde auch dieses Mal nicht enttäuscht. Dabei war es die Pressekonferenz zum 125. Geburtstag des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), und der Verbandspräsident betonte mehrfach, dass man feiern und nicht so viel Schlechtes berichten wolle.
(Nebenbei bemerkt, tat man das anschließend tatsächlich mit großem Festprogramm und Party im Berlinger Admiralspalast.)
Gleichwohl gab es eben doch zwei Themen, die Heinz sichtlich anfassten. Eines war der Umstand, dass man Standardprodukte im Rahmen der neuen staatlich geförderten Altersvorsorge auch ohne Beratung und Dokumentation verkaufen können soll (dem Gesetz hat der Bundesrat am Freitag zugestimmt).
Der BVK war den Versichererverband GDV schon im Vorfeld scharf angegangen, weil der die Idee mitgetragen hatte. Ein Clinch, der immer noch da ist. „Beratung und Dokumentation sind ein für uns unverzichtbares Asset im Sinne des Verbraucherschutzes. Und deshalb gab es diesen Dissens“, sagte Heinz und berichtete dann, dass er seitdem rund 20 Versicherungsvorstände getroffen habe. Nicht einer von ihnen habe die geplante Beratungs- und Doku-Freiheit gut gefunden. Sollte das stimmen, stünde der GDV mit seinem Vorstoß tatsächlich ziemlich allein da. Wobei Heinz andeutete, dass es sogar innerhalb des Branchenverbands Konflikte in dieser Hinsicht gebe.
Alle rechtlichen Rahmenbedingungen – Beratung, Doku, Weiterbildung – habe man über die Jahre hinweg akzeptiert, nicht zuletzt durch gesetzlichen Druck. „Und jetzt kommt der GDV her und sagt: Setzen wir das Versicherungsvertragsgesetz, das ja die Beratung und Dokumentationspflicht fordert, einfach mal aus, damit unsere Versicherer schnelleren Zugang zu geschäftlichen Erfolgen haben“, redete er sich in Rage und zementierte die Position des BVK. „Wo kommen wir denn jetzt hin, wenn wir unter Verweis auf andere Marktteilnehmer sagen: Was die können, können wir auch, und verzichten. Nein, wir verzichten nicht. Und diesen Dissens lösen wir auch nicht auf.“ Und aus.
Weiter ging es in Richtung Neobroker. Schließlich werden die mit ihren ETF-Sparplänen und darauf aufbauenden Altersvorsorgedepots als die neue Konkurrenz in der Altersvorsorge wahrgenommen.
„Es ist doch ein alter Grundsatz: gleiches Spiel, gleiches Spielfeld, gleiche Regeln“, forderte er. Seiner Meinung nach hätten Neobroker und andere ETF-Anbieter die gleichen Voraussetzungen erfüllen müssen wie die „denen wir uns unterworfen haben“. Und dann äußerte er die düstere Ahnung, dass es später einigen auf die Füße fallen könne. „Irgendwann wird es heißen: Hättet ihr das damals nicht für alle einführen können im Sinne des Verbraucherschutzes?“
Der zweite Reizpunkt in dieser Pressekonferenz war der Umstand, dass der Staat höchstselbst ein Standarddepot anbieten will. Heinz: „Wenn mir einer auch nur einen Tag vorher eine Wette angeboten hätte, dass der Staat als Produktteilnehmer, Kontrolleur, Regulierer, Innovator und Aufpasser auftritt, dann wäre ich jede Wette eingegangen, dass so etwas unter einer CDU-geführten Regierung nicht möglich ist.“ Ist es aber doch, weshalb er so eine Wette verloren hätte, wie er freimütig zugab.
Er blieb noch ein bisschen sarkastisch, wurde dann aber deutlich. „Das ist für mich ein absolutes No-go!“
Heinz betonte, dass BVK-Mitglieder ihre Kunden ein Leben lang begleiten, „auch über Generationen hinweg“. Das könne der Staat aber nicht. Weshalb er sicher sei, dass folgendes passiert: „Irgendwann kommen diese Kunden zu uns und fragen: Ich habe da was gemacht, kannst du da mal gucken? Und dann werden wir sagen: Klar, guck dir mal unsere Honorartabelle an. Wir sind ehrbare Kaufleute, und dann kostet das eben Geld.“
Doch ein paar gute Punkte im neuen Gesetz hat auch der BVK gefunden. Nämlich dass auch Selbstständige in die geförderte Altersvorsorge einsteigen können. Das sei eine Kernforderung gewesen, sagte Heinz‘ Präsidiumskollege Gerald Archangeli, „die erst in letzter Minute aufgenommen wurde“. Außerdem freut man sich beim BVK, dass die in der Riester-Rente noch vorgeschriebenen Beitragsgarantien nun wegfallen. Das ist dann ja auch schon was.
Und noch etwas Gutes berichteten die BVK-Leute. Denn der Verband hat mit „Frauen.Vertrieb.Zukunft“ eine Initiative gestartet, die Frauen im Versicherungsvertrieb nach vorn bringen soll. Man wolle damit „ein klares Zeichen für mehr Unterstützung, Sichtbarkeit und bessere Rahmenbedingungen für Vermittlerinnen“ setzen.
Startpunkt der Aktion ist eine Umfrage, die zeigte: Das Thema Mutterschutz für Selbstständige brennt Frauen ganz besonders unter den Nägeln. 44 Prozent der Befragten waren davon schon persönlich betroffen. Weitere Themen sollen sein:
Von konkreten Maßnahmen berichtet der BVK zwar noch nicht. Doch das soll noch kommen.
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