Atomkraft und Erdgas in der Taxonomie

„Das macht einen fossilen Energieträger nicht grün“

In unserer Serie über den Taxonomie-Klopfer, dass Atom- und Erdgasenergie nachhaltig sein sollen, nimmt diesmal Markus Prestin von der Concordia Oeco LV Stellung. Der Bereichsleiter unterscheidet zwischen Atomkraft und Erdgas – das eine fliegt raus, das andere hat unter Umständen eine Chance.
© Concordia
Markus Prestin, Geschäftsbereichsleitung Personenversicherungen bei Concordia Oeco Lebensversicherung

Pfefferminzia: Sind Atom- und Gaskraftwerke wirklich nachhaltig?

Markus Prestin: Laut EU-Taxonomie gibt es drei verschiedene Klassifizierungsbereiche. Technologien können als „grün“, „ermöglichend“ und „übergangsweise“ eingestuft werden. „Ermöglichende“ Technologien tragen selbst nicht wesentlich zum Klimaschutz bei, helfen jedoch anderen Unternehmen unmittelbar, ihren CO2-Ausstoß zu senken und umweltfreundlicher zu arbeiten.

Atomkraft als Energieform ist nach dem derzeitigen Stand der Technik inklusive aller Probleme bei der Gewinnung von Uran und der nicht gelösten Endlagerfrage nicht nachhaltig.

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Die Bewertung von Gas ist etwas differenzierter zu betrachten: Auch wenn eine Notwendigkeit des begrenzten Zubaus von neuen Gas-Kraftwerken im Zuge des Kohleausstiegs und Spitzenlastsicherheit besteht, macht dies einen fossilen Energieträger nicht zu einer grünen Technologie. Biogas kann als Energieträger relativ positiv gegenüber Kohle und Öl bewertet werden, solange die Produktion nicht aus Nahrungsmitteln entsteht. Somit wären Biogas-Kraftwerke, moderne effiziente Anlagen vorausgesetzt, als ermöglichende Technologie bewertbar.

Welche Rolle spielt die Taxonomie generell in Ihren Anlagerichtlinien?

Die große Herausforderung der EU-Taxonomie ist die derzeit noch schlechte Datenverfügbarkeit. In den kommenden Jahren wird sich das sicherlich verbessern, sodass die Taxonomie-Quote als steuerungsrelevante Größe in der Anlagerichtlinie einen richtungsweisenden Indikator darstellen könnte.

Haben Sie vielleicht stattdessen vielleicht einen eigenen Katalog?

Bei der Concordia Oeco Lebensversicherung gibt es für die nachhaltige und die konventionelle Produktlinie zwei getrennte Sicherungsvermögen. Dabei werden die Kapitalanlagen des Sicherungsvermögens der grünen Produktlinie nach klar definierten Nachhaltigkeits-Leitlinien angelegt und durch einen externen Nachhaltigkeits-Beirat überwacht. Eine Liste unserer Kriterien haben wir auf unserer Homepage veröffentlicht. Anders als in der EU-Taxonomieverordnung beziehungsweise auf europäischer Ebene formuliert, ist Atomkraft und Gas aus fossilen Rohstoffen bezüglich möglicher Investments für die Concordia Oeco Lebensversicherung in der nachhaltigen Produktlinie ein Ausschlusskriterium.

Für die Concordia Versicherungen insgesamt sind Kriterien der Nachhaltigkeit für Investments in Arbeit. Als Unterzeichner der UN Principles for Responsible Investemnt (UN PRI) werden wir uns an diesen Grundsätzen orientieren.

Vor allem klassische Energieaktien und -anleihen kamen zuletzt mit enorm günstigen Bewertungen und hohen Dividendenrenditen daher. Sollte man solche Renditechancen nicht nutzen und dann die Unternehmen als Aktionär beeinflussen?

In der nachhaltigen Produktlinie der Concordia Oeco Lebensversicherung nutzen wir Renditechancen im Rahmen unserer Ausschluss- und Positivkriterien und schließen somit Öl aus.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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