Die 95 gesetzlichen Krankenkassen (GKV) haben in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ein Defizit in Höhe von 2,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Finanzreserven der Krankenkassen lagen zum Ende des ersten Halbjahres bei rund 6,2 Milliarden Euro. Dies entspricht 0,23 Monatsausgaben. Die gesetzliche Mindestreserve soll bei 0,2 Monatsausgaben liegen. Diese Zahlen hat das Bundesministerium für Gesundheit bekanntgegeben.
Insgesamt standen den Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen in Höhe von 159,1 Milliarden Euro Ausgaben in Höhe von 161,3 Milliarden Euro gegenüber. Und mehr Versicherte sorgten für um 7,3 Prozent höhere Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten.
Der Milliardenverlust verteilt sich auf die folgenden Versicherungsgruppen:
Die nicht am Risikostrukturausgleich teilnehmende Landwirtschaftliche Krankenkasse verbuchte ein Minus von 8 Millionen Euro.
Der Gesundheitsfonds verfügte zum Stichtag 15. Januar 2024 über eine Liquiditätsreserve von rund 9,4 Milliarden Euro. Er schrumpfte im ersten Halbjahr 2024 um 6,3 Milliarden Euro.
Ein Teil des Defizits im ersten Halbjahr ist normal. Der Grund: Die Ausgaben des Gesundheitsfonds fließen als monatliche Überweisungen in konstanter Höhe an die Krankenkassen. Die Einnahmen schwanken unterjährig aber deutlich. Insbesondere im vierten Quartal können sie wegen Jahressonderzahlungen wie dem Weihnachtsgeld höher ausfallen.
Was das Defizit allerdings noch erhöht hat: Im Jahr 2024 haben die Krankenkassen insgesamt 3,1 Milliarden Euro aus der Liquiditätsreserve erhalten, um ihre Zusatzbeitragssätze zu stabilisieren.
Die Beitragseinnahmen ohne Zusatzbeiträge stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,5 Prozent. Inflationsbedingt kräftig gestiegene Tariflöhne sorgten für höhere Einnahmen.
Die Leistungsausgaben und Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen stiegen im ersten Halbjahr 2024 allerdings um 7,3 Prozent.
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen wuchsen in den ersten sechs Monaten um 7,9 Prozent beziehungsweise 3,6 Milliarden Euro. Sie sind damit der größte Treiber bei den hohen Ausgaben. Neben einer sehr dynamischen Preiskomponente und steigenden Fallzahlen stiegen insbesondere die Pflegepersonalkosten im ersten Halbjahr mit rund 10,9 Prozent beziehungsweise 1,05 Milliarden Euro erneut stark.
Hinweis: Viele Angaben zu den Ausgaben einiger Leistungsbereiche wie Zahnarztbehandlungen sind aktuell noch geschätzt. Die Abrechnungsdaten liegen derzeit noch nicht komplett vor.
Die Finanzergebnisse für das erste bis dritte Quartal 2024 legt das Bundesministerium für Gesundheit Ende November vor.
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