Psychische Probleme machen den Pfefferminzia-Lesern am meisten zu schaffen, wenn es darum geht, ihre Kunden in Sachen Biometrie zu versichern. Das ergab eine Kurz-Umfrage, die wir im März unter unseren Lesern durchgeführt haben. In dieser neuen Serie will ich Ihnen zeigen, wie Sie diese Probleme möglicherweise mildern können.
Zunächst einmal möchte ich aber betonen, dass es natürlich nicht der Job des Vermittlers ist, seine Kunden zu therapieren. Ein hilfreicher Hinweis, welche Untersuchung vielleicht die Ursache für die gesundheitlichen Probleme offenbaren könnten, schadet aber nicht. Denn den hier folgenden Themen werden von der Schulmedizin häufig noch zu wenig Beachtung geschenkt.
Besteht nach einiger Zeit weiterhin die Möglichkeit, dass eventuelle Zuschläge zu Biometrieverträgen wieder entfallen können, oder die Kunden überhaupt erst versicherbar werden, wird die Sache für alle Beteiligten richtig rund. Vielleicht finden Sie auch Informationen, die Ihnen ganz persönlich weiterhelfen.
Im Bereich der psychischen Erkrankungen ist zunächst einmal zu unterscheiden zwischen Schizophrenie, Angststörungen, Panikattacken und stressbedingten Erkrankungen wie Burnout, sowie den unterschiedlichen Formen von Depressionen.
Nährstoffmangel
Oftmals kann bereits das Auffüllen von fehlenden Mikronährstoffen und Aminosäuren helfen, die Situation deutlich zu verbessern. So ist lange bekannt, dass Personen mit psychischen Herausforderungen oftmals viel zu niedrige Vitamin-D-Spiegel haben und mit bestimmten Aminosäuren unterversorgt sind. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Vitamin D einen Referenzwert von 20 ng/ml beziehungsweise 50 nmol/l.
Zum einen ist zu diesem Wert wichtig zu wissen, dass er lediglich angibt, welcher Bereich langfristig nicht unterschritten werden sollte, um schwere Mangelerkrankungen wie Rachitis und Osteoporose zu verhindern. Letzteres ist übrigens ebenfalls versicherungstechnisch relevant. Mit einer optimalen Versorgung hat dieser Referenzwert nichts zu tun. Experten wie Jörg Spitz, Raimund von Helden, Uwe Gröber, oder dem Entdecker der bioaktiven Form des Vitamin D, Michael F. Holick, geben für gesunde Menschen einen anzustrebenden Wert von mindestens 40 ng/ml, besser 60 ng/ml, also 150 nmol/l an. Beim Vorliegen von Autoimmunerkrankungen gehen erfahrene Behandler sogar über diesen Wert (80 bis100 ng/ml).
Zum anderen wird, gerade im Herbst und Winter, von vielen Menschen in Europa nicht einmal dieser Mindestwert der DGE erreicht. Hintergrund ist, dass in europäischen Breiten selbst bei Sonnenschein kein Vitamin D in der Haut mehr gebildet werden kann und damit eine Supplementierung notwendig ist. Stichwort: Winter-Blues, in der Fachsprache saisonale Depression genannt. Diese kann sich bei manchen Personen bis zu einer behandlungsbedürftigen Depression entwickeln. Ein Vitamin-D-Mangel erhöht das Risiko für Schizophrenie, Depressionen und übrigens auch für Demenz-Erkrankungen.
Damit Vitamin D3, welches bei einem UV-Index > 3 in der Haut gebildet, oder über Nahrungsergänzung zugeführt werden kann, in die hormonaktive Form Calcitrol umgewandelt werden kann, ist bei mehreren Stoffwechselschritten Magnesium als Co-Faktor unabdingbar. Ist zu wenig Magnesium vorhanden, kann es allein schon daran liegen, wenn der Vitamin-D-Spiegel selbst bei Supplementierung nicht effektiv ansteigt. Dabei ist wichtig zu wissen, dass Magnesiumverluste nicht nur durch starkes Schwitzen (Sauna, Sommer, Sport) entstehen.
Gerade Stress ist Magnesium-Killer Nummer 1. Nicht umsonst wird Magnesium auch das Salz der Ruhe genannt. Es sorgt für entspannte Muskeln und beruhigt die Psyche. Deshalb ist es sinnvoll, nicht nur den Vitamin-D-Spiegel zu messen, um anschließend individuell die notwendige Dosierung für die Supplementierung zwischen Ende September und mindestens Ende März zu berechnen. Auch die Einnahme von Magnesium ist sinnvoll. Auch dessen Spiegel kann man messen. Am besten im Vollblut, Hämatokrit-korreliert, da Magnesium primär intrazellulär vorkommt.
Erfahrungsgemäß leiden die meisten Menschen in Deutschland unter einen Magnesiummangel, sodass man hier auch ohne zu messen supplementieren kann. Zwischen 300 und 600 mg am Tag dürfen es schon mindestens sein. Neigt der Stuhl dazu zu flüssig zu werden, ist das ein Zeichen, dass die individuelle maximale Verwertungsdosis erreicht wurde. Ich selbst nehme am Tag bis zu 1,2 g Magnesium zu mir. Im Sommer, wenn ich durch Sport viel schwitze, auch einmal mehr. Allerdings kontrolliere ich meine Werte über Blutbilder auch regelmäßig.
Serotonin
Bestimmte Psychopharmaka, sogenannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zielen darauf ab, die Resorption des Glückshormons Serotonin im Synapsenspalt zu reduzieren. Damit soll erreicht werden, dass das Hormon länger wirken kann. Es ist bekannt, dass bei psychischen Erkrankungen der Serotonin-Spiegel reduziert ist. Damit etwas an der Resorption geändert werden kann, muss es im Gehirn jedoch erst einmal ausreichend zur Verfügung stehen und produziert werden. Der Stoffwechselweg lautet dabei wie folgt (vereinfachte Darstellung):
Tryptophan 5 HTP Serotonin
Aus Serotonin wird anschließend das Schlafhormon Melatonin gebildet. Das ist nicht nur wichtig für tiefen und erholsamen Schlaf, der in stressigen Zeiten ebenfalls gestört sein kann. Es ist weiterhin ein wichtiges Antioxidans. Am Ende schaut die Stoffwechselkette also wie folgt aus:
Tryptophan 5 HTP Serotonin Melatonin
Damit diese funktionieren kann, ist als Ausgangssubstanz also die Aminosäure Tryptophan notwendig. Dabei handelt es sich um eine essenzielle Aminosäure, die über die Nahrung zugeführt werden muss. Achtung: Patienten, die SSRI einnehmen, dürften Tryptophan nur zusätzlich zuführen, wenn sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt absprechen. Ansonsten kann es zum sogenannten Serotonin-Syndrom kommen – einer Überversorgung mit diesem Hormon. Der Arzt kann die Dosierung der SSRI an die Tryptophan-Zufuhr anpassen.
Ist das nicht interessant, dass der Anstieg eines Hormons, statt ausschließlich mit Medikamenten, auch durch gezielte Nahrungsergänzung möglich sein kann? Eine direkte Zufuhr von Serotonin ist diesbezüglich übrigens nicht zielführend, da es nicht durch die Blut-Hirn-Schranke kommt. Tryptophan schon. Dafür benötigt es jedoch eine Art Transporter, der auch von anderen Aminosäuren, wie beispielsweise den verzweigtkettigen (BCAA) genutzt wird. Ist der Transporter mit den konkurrierenden Aminosäuren besetzt, gelangt Tryptophan leider nicht ausreichend ins Gehirn.
Um das zu verhindern, gibt es einen kleinen Trick. Bevor Tryptophan zugeführt wird, idealerweise abends, vor dem Schlafengehen, isst man etwas Süßes, was den Blutzuckerspiegel und damit den Insulinspiegel ansteigen lässt. Ein Stück Schokolade reicht da schon, es muss keine ganze Tafel sein.
Dadurch werden die konkurrierenden Aminosäuren in die Muskelzellen umgeleitet, und das Tryptophan hat einen freien Weg ins Gehirn. Das funktioniert natürlich nur, solange die Muskelzellen auf Insulin normal ansprechen, als noch keine Insulinresistenz vorliegt, wie es bei Typ-II-Diabetes die Regel ist.
Übrigens: Vitamin D verbessert die Verfügbarkeit von Serotonin im Gehirn zusätzlich.
Darm-Hirn-Achse
Apropos Tryptophan und Serotonin. Das meiste dieses Hormons, nämlich 90 bis 95 Prozent, wird im Darm gebildet. Liegt dort eine Fehlbesiedlung vor, kann es beispielsweise zu einer Überbesiedlung mit Oscillibacter, einem Darmkeim, kommen. Dieser produziert Valeriansäure, welche an die GABA-Rezeptoren binden kann. Bei GABA (Gamma-Aminobuttersäure) handelt es sich um einen Neurotransmitter, der dabei hilft, die innere Balance halten zu können und beruhigend auf die Amygdala einwirkt. Dabei handelt es sich um eine evolutionär sehr alte Gehirnregion (Limbisches System).
Die Aufgabe der Amygdala ist es unter anderem, instinktiv Schutzhandlungen zu veranlassen, ohne, dass wir darüber nachdenken müssen. Entdecken wir etwas Gefährliches (das kann schon ein Insekt sein), erschrecken wir und zucken regelrecht zusammen. Erst unsere Ratio schätzt die Situation anschließend ein. Erkennen wir im nächsten Schritt, dass es sich nicht um eine gefährliche Giftschlange, sondern nur um eine Blindschleiche handelt, beruhigt sich das System wieder. Dafür ist unter anderem GABA notwendig.
Sind nun jedoch die Rezeptoren besetzt, oder verfügen wir, da unsere Amygdala den ganzen Tag über Monate hinweg mit schlechten Nachrichten, zum Beispiel zu Corona, getriggert wird, über zu wenig dieses Neurotransmitters, so fällt es uns immer schwerer, Risiken rational einzuschätzen. Wir befinden uns praktisch in einem Dauer-Panikmodus (Ängste, Gedankenkreisen). Das kann bis zu Angst- und Panikstörungen gehen. Es hat seine Gründe, weshalb seit der Corona-Krise psychische Erkrankungen deutlich zugenommen haben.
Auch in diesem Zusammenhang wieder ein Hinweis zu Vitamin D: Das Hormon kann die Empfindlichkeit und die Erregbarkeit von Rezeptoren gegenüber Neurotransmittern wie GABA modulieren.
Ein anderer, ebenfalls eher unbekannter Darm-Keim, Alistipes, kann bei vorliegender Überbesiedlung die Tryptophanverfügbarkeit beeinträchtigen. Eine Überbesiedlung mit Clostridien kann zu einer gesteigerten Ausschüttung von Histamin führen. Ein erhöhter Histamin-Spiegel steht unter anderem im Zusammenhang mit Erschöpfung, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schlafstörungen. Also typischen Symptomen, wie sie auch bei erhöhter psychischer Belastung vorliegen können. Weitere Informationen über Stuhl-Tests und deren Bedeutung finden Sie hier in meiner kleinen Reihe dazu:
I.) Was ein Stuhltest alles über die Gesundheit verrät
II.) Der PH-Wert
III.) LPS-tragende Bakterien
IV.) Verdauungsrückstände Fett und Eiweiß im Stuhl
V.) Verdauungsrückstände Stärke und Zucker im Stuhl
Schilddrüse
Nicht zuletzt hat die Schilddrüse einen erheblichen Anteil daran, ob wir „Vollgas“ geben können, oder eher antriebsschwach sind und dadurch mit
belastenden Herausforderungen weniger gut umgehen können. Leider werden bei Bluttests noch immer sehr häufig nur das TSH (thyreoidea-stimulierendes Hormon) gemessen. Dies alleine ist jedoch nicht aussagekräftig. Wichtig ist, dass zusätzlich das freie T4 und T3 gemessen werden. Im Idealfall noch das reverse T3. Damit die Schilddrüse optimal funktionieren kann, müssen bestimmte Aminosäuren zur Verfügung stehen, beispielsweise Phenylalanin, aus der Tyrosin hergestellt wird.
Cortisol und Dopamin
Stehen wir ständig unter Stress, steigt der Cortisol-Spiegel an. Kurzfristig ist das kein Problem. Langfristig jedoch wird dadurch unser Immunsystem unterdrückt. So wirken übrigens auch Glucocorticoide (Cortison). Das erhöht unsere Infektanfälligkeit. Wer öfters krank ist, kann weniger produktiv arbeiten, was wiederum den Druck und Stress erhöhen kann. Noradrenalin und Adrenalin sind ebenfalls Stresshormone. Bis zu einem gewissen Maß wollen wir davon unbedingt ausreichend zur Verfügung haben. Denn ohne diese, wären wir nicht handlungsfähig. Wir kämen nicht ins Handeln und könnten keine Entscheidungen treffen. Eines der möglichen Symptome, die auch bei Depressionen auftreten können.
Noradrenalin und Adrenalin werden wiederum aus Dopamin hergestellt. Je mehr Stress wir haben, desto mehr Dopamin wird verbraucht. Das wiederum führt dazu, dass wir einen höheren Eiweiß-Bedarf und eine höhere Versorgung mit B-Vitaminen benötigen. Gerade B12 ist jedoch heute oftmals zu wenig vorhanden. Sei es bedingt durch eine vegetarische oder vegane Ernährung ohne Supplementierung von B12, oder der Einnahme von Magenschutztabletten wie Pantoprazol, oder Omeprazol. Da Stress vielen sprichwörtlich auf den Magen schlägt, werden diese leider freiverkäuflichen Medikamente immer häufiger eingesetzt.
Dadurch wird nicht nur die Magensäureproduktion herabgesetzt, was unter anderen zu einer gestörten Eiweißverdauung und damit zu einer Fehlbesiedlung im Darm führen kann (siehe oben Clostridien). Auch der intrinsische Faktor wird weniger gebildet. Dieser ist jedoch unbedingt notwendig, damit im Darm B12 aufgenommen werden kann.
Fazit
Ein Stuhltest, ein Blutbild und die Erfassung von Medikamenten, die eingenommen werden, können helfen, Risiken und Ursachen psychischer Erkrankungen festzustellen und gegenzusteuern. Selbst in Fällen, in denen beispielsweise solche Erkrankungen durch Traumata ausgelöst wurden, kann die Beseitigung körperlicher Mängel und das Auffüllen bestimmter Nährstoffe auf optimale Spiegel, eine Gesprächstherapie deutlich positiv beeinflussen. Deshalb lautet die Devise: Messen, individuell Auffüllen und Darm-Regeneration betreiben, Nachmessen.
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