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Es ist schon eine Weile her, im Jahr 2003. Die Kurse an den Aktienmärkten sind fast drei Jahre gefallen. Nur unterbrochen von wenigen, zwischenzeitlichen Kursanstiegen. Ziemlich genau in der Mitte des Crashs sind zwei Flugzeuge ins World Trade Center geflogen. Der Dax ist von seinem damaligen Höchststand über 8.000 Punkten auf weit unter 3.000 Punkte gerutscht. Die Volksaktie der Deutschen Telekom hat mit einem Fall von fast 105 auf unter 10 Euro jeden Anschluss verloren. Fast alle Aktienpositionen meiner Kunden liegen weit im Minus.
Ich bin damals Wertpapierberater in einer großen deutschen Bank. Vor mir sitzen normale Menschen und fragen Dinge wie „Was soll das denn noch bringen?“, „Kommt da jemals was raus?“ und „Warum haben Sie mir das empfohlen?“ Einige verlieren die Nerven, stoppen ihre Aktienfondssparpläne und verkaufen alles. Mit hohen Verlusten. Ob sie seitdem jemals wieder einen Aktienfonds angefasst haben, weiß ich nicht.
So etwas erscheint heute kaum vorstellbar. Jeder Aktiencrash in den vergangenen Jahren dauerte nur ein paar Monate oder reichte nicht wirklich tief. Aktienmärkte wie auf Dope. Weiter, weiter, immer weiter. Der letzte echte Crash – lang und schlimm – war in der Finanzkrise 2008 und 2009.
Junge Leute, die heute über das Altersvorsorgedepot oder sonstwie vorsorgen sollen, gingen damals noch zur Schule. 2003 lagen sie vielleicht in den Windeln. Wenn überhaupt.
Wenn jetzt also alle Welt über langfristige Altersvorsorge mit Aktienfonds redet, dann kennen viele nur die eine Hälfte der Medaille. Die schönere.
Jetzt haut mit Scalable Capital der erste Neobroker seinen Pflock in den Boden. „Bei uns musst du kaum was bezahlen!“, heißt es dann und „Gebühren nehmen wir keine!“ Das ist auch in Ordnung. Auch ich kaufe gern im Aldi ein und freue mich, wenn alles günstig ist.
Doch ich frage mich, ob diese Häuser, ebenso wie der allgegenwärtige Billig-Billig-Verbraucherschutz das alles nicht auf die allzu leichte Schulter nehmen. Einfach 40 Jahre lang in einen Aktienfonds zu sparen ist eben: nicht so einfach. Die Linie verläuft nicht so gerade wie in den hübschen Vorsorgerechnern. Wenn in der Zwischenzeit nach einem saftigen Crash alles mal eben 40 Prozent weniger wert ist, ist es – pardon – völlig wurscht, wie günstig der ganze Kram war. Dann geht es um Beistand!
Zusätzlich rauscht es nämlich noch von weiteren Seiten: Auf Social Media prahlen Menschen damit, keine Verluste erlitten zu haben (egal, ob es stimmt oder nicht). Aus der Wirtschaft treffen miese Nachrichten ein (denn warum sollte der Aktienmarkt sonst zusammenbrechen?). Und am Ende stimmt sehr wahrscheinlich die „Bild“-Zeitung einen sehr lauten Blues an. Und glauben Sie mir, das kann sie wirklich gut.
Gerade als junger Mensch (der ich ja damals war) wird es sehr schwer, durch so eine Phase durchzukommen. Allerdings bemerkte ich damals auch, wie gelassen einige ältere und erfahrenere Menschen blieben. Während ich morgens kaum noch die Kaffeetasse ruhig halten konnte.
Nun sei folgende die Frage gestattet: Wie will ein Neobroker, der kaum Gebühren nimmt und alles hochautomatisch zurechtfriemelt, in solchen Zeiten tausende besorgte Kunden bei der Stange halten? Personal kann das ja wohl kaum erledigen. Bleiben also standardisierte Rundschreiben und eine fesche KI am Telefon. Na, dann mal los!
Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt wie ein Vermittlerverband klinge: Es ist wichtig, vorsorgenden Menschen Berater zur Seite zu stellen. Wer es beim Billig-Broker packt und auch schwierige Phasen cool übersteht – prima, alles richtig gemacht. Aber das wird nun mal nicht jeder hinbekommen.
Indem bestimmte Kräfte Vermittler und Berater ständig unter Generalverdacht stellen und stattdessen auf billig pochen, riskieren sie etwas ganz anderes: Dass ein großer Teil der Vorsorger irgendwo zwischen Start und Rente die Nerven verliert und abbricht.
Aber Hauptsache, es war schön billig.
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