
2020 fand die DKM nur digital statt, im Folgejahr reichte es immerhin für eine hybride Veranstaltung – und 2022? Da gab es endlich wieder eine normale, eine „echte“ Leitmesse für die Versicherungs- und Finanzbranche in den Dortmunder Westfalenhallen zu besichtigen. Frei nach dem Motto: Zurück zur reinen Präsenzveranstaltung.
Wobei es „weitgehend normal“ besser trifft. Denn in Sachen Aussteller- und Teilnehmerzahl konnte die DKM 2022 „nicht ganz“ an die Vor-Corona-Messe von 2019 anknüpfen, wie Messechef und BBG-Geschäftsführer Konrad Schmidt einräumte – und fraglich ist, ob das auch jemals wieder passieren wird. Gleichwohl zeigte sich Schmidt „mehr als zufrieden“ über den Verlauf der Jubiläumsmesse. Trotz der „ein oder anderen Herausforderung“ habe man eine erfolgreiche 25. Auflage der DKM erlebt. Mit „Herausforderungen“ meinte Schmidt vor allem die Probleme der Logistikbranche sowie die steigenden Preise, die den Organisatoren das Leben schwer machten.
Nach eigenen Angaben haben über 13.300 Finanz- und Versicherungsprofis die DKM vom 25. bis 27. Oktober in Dortmund besucht. Das Fachpublikum traf auf 276 Aussteller in zwei Messehallen. Hinzu kamen vier Themenparks (Bipro, Insurtech, Investment, Prozesse & IT) sowie ein vielfältiges Rahmenprogramm aus 13 Kongressen und Keynote-Speakern.
Und wie genau sah es in Dortmund nun aus und welche Themen beschäftigten die Branchenentscheider und die Fachbesucher? Das zeigen wir Ihnen in unserer Bilderstrecke auf den kommenden Seiten.

„Ich sehe in viele freudige Gesichter“: Konrad Schmidt, Geschäftsführer des DKM-Veranstalters BBG Gruppe, begrüßte am ersten Messetag die Gäste im lichtdurchfluteten Foyer. „Sie werden wieder eine perfekt organisierte Messe erleben“, versprach er – von den Anstrengungen im Vorfeld würden die Besucher nichts mitbekommen. Das Jubiläumskonzept mit dem Fokus auf Netzwerk & Kontakt wisse zu überzeugen, so Schmidt.
„Sie haben die Chance auf zahlreiche gewinnbringende Gespräche“, rief der Messechef den Fachbesuchern zu. „Gerade in diesen Zeiten sind Vermittler als Kümmerer des Kunden gefragter denn je.“ Zudem halte die Branche auch in der Krise zusammen, freute sich Schmidt.

In der Speaker’s Corner, die direkt neben dem Haupteingang platziert war, fand unter anderem die traditionelle „Elefantenrunde“ von Versicherungsvorständen statt. Marc Surminski (Mitte), Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen, moderierte die Runde zum Thema „Versicherer in der Zeitenwende: Neue Risiken und alte Herausforderungen“. Die Diskutierenden von links: Dietmar Bläsing, Sprecher der Vorstände der Volkswohl Bund Versicherungen, Christopher Lohmann, Vorstandsvorsitzender HDI Deutschland, Zeliha Hanning, Vorstandsvorsitzende der Württembergischen Versicherung und Frank Sommerfeld, Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG.
Einige interessante Zitate dieser Runde:
Dietmar Bläsing, Volkswohl Bund Versicherungen:
„Je schwieriger die Zeiten sind, desto größer ist der Beratungsbedarf. Ich glaube, es ist ganz wichtig, jetzt gerade rauszugehen. Die Kunden haben jetzt den Bedarf, mit Ihnen durchzugehen: Was ist eigentlich wichtig und was ist nicht wichtig.“
Christopher Lohmann, Vorstandsvorsitzender HDI Deutschland:
„Ich glaube nicht, dass es zu einer Kündigungswelle kommt. Ich glaube aber schon, dass sich viele Kundinnen und Kunden, die ihre Gaspreisrechnung aufmachen, einfach fragen: Wo kann ich das ein oder andere anpassen? Da unaufgeregt als Vermittler, genauso wie als Versicherer, an der Seite der Kunden zu stehen und gute Beratung zu leisten, um diese Anpassungen aktiv zu begleiten, ist ein wichtiges Thema. Das gilt in der Sachversicherung genauso wie in der Lebensversicherung.“
Zeliha Hanning, Württembergische Versicherung:
„Kann Amazon durchdringen? Zum einen ist die Versicherungsbranche in Deutschland sehr selbstbewusst, wir haben klasse Vermittlerinnen und Vermittler – und es kommt auch auf die Produkte an: Beratungsintensive Produkte, wie die Altersvorsorge, – da kann ich mir schwer vorstellen, dass das über diese Plattformen geht. Aber bestimmte Produkte, wie Annex-Produkte, können dort durchaus eine Zukunft haben. Ich glaube, da gibt es kein Schwarz und Weiß, das muss man jetzt ganz genau beobachten.“
Frank Sommerfeld, Allianz:
„Amazon müssen wir ernst nehmen. Die Anzahl der Bundesbürger, die sich vorstellen können, eine Versicherung bei Amazon zu kaufen, wächst stetig. Der Kundenanspruch verändert sich. Wenn wir denken, dass das Geschäftsmodell, das wir vor fünf Jahren gefahren haben, in fünf Jahren auch genauso funktioniert, werden wir sicherlich unter die Räder kommen. Deswegen müssen wir uns die Frage stellen: Wie kann ich mich noch anpassungsfähiger machen, sodass ich den Kunden den besten Service liefern kann?“

Der Blick in die Halle 4 zeigt emsigen Betrieb an den Ständen und in den Lounges.

„Welterklärer“ Marcel Fratzscher fesselt mit seinem Vortrag über die Weltkrisen sein Publikum: Dabei ging der Präsident des DIW Berlin am Mittwoch in der Speaker’s Corner auch darauf ein, warum die Deutschen anders sparen sollten. „Wir sparen sehr schlecht“, konstatierte der Ökonom. So verfüge weniger als die Hälfte der Deutschen über ein Eigenheim, in anderen europäischen Ländern besäßen hingegen bis zu 80 Prozent eine Immobilie. Zudem sei die Aktienquote in Deutschland sehr gering. Es gebe einen „riesigen Nachholbedarf, was die Aktienkultur angeht“, mahnte Fratzscher. Die Herausforderung sei, mehr Menschen hierzulande eine höhere Rendite für ihre Geldanlagen zu ermöglichen. Besonders außergewöhnlich im Vergleich mit anderen Ländern sei zudem, dass Deutschland eine sehr große Ungleichheit bei privaten Vermögen aufweise. „40 Prozent haben so gut wie keine Ersparnisse“, gab der DIW-Präsident zu bedenken.
Besorgniserregend sei auch, dass das volle Ausmaß der Krise viele Menschen noch nicht erreicht habe, weil die stark gestiegenen Energiepreise erst verzögert bei ihnen ankämen. Zugleich betonte Fratzscher, dass sich Deutschland für eine „geraume Zeit“ auf eine hohe Inflation einstellen müsse. „Die EZB kann nicht so viel machen“, beschrieb der Ökonom den begrenzten Einfluss der Notenbanker, weil ein Großteil der Teuerung auf einer „importierten Inflation“ beruhe. Dabei verwies Fratzscher auf die hohen Energiepreise als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.
Und trotz der begrüßenswerten Zins-Erhöhungen der EZB rechne er mit Inflationsraten von 3 bis 4 Prozent in den kommenden Jahren. Diese Raten müssten aber nicht unbedingt schädlich sein für die Wirtschaft. Die Bundesbank, die Fratzscher in höchsten Tönen lobte, habe immer wieder eine Inflation von über 3 Prozent akzeptiert und dennoch blieb die D-Mark zeitlebens eine Hartwährung.

Am Messestand von Pfefferminzia fanden sich bekannte Branchenvertreter zum Live-Interview im Rahmen des neuen Formats „Lass mal Reden“ ein – so auch Frank Kettnaker, Vertriebsvorstand der Alte Leipziger-Hallesche-Gruppe. Kettnaker erklärte, dass er vermehrt höre, dass Kunden bei den Maklern nach Lösungen suchten, wie sie ihre Verträge beitragsfrei stellen oder gar Entnahmen tätigen könnten. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann diese Entwicklung zu den Versicherern hinüber schwappe, warnte Kettnaker (in unserer aktuellen Podcast-Ausgabe können sie sich hier einen Ausschnitt aus dem Interview mit Frank Kettnaker anhören).

Bei aller Ernsthaftigkeit in den Gesprächen – Raum für Zerstreuung und Spaß durfte auch auf dieser DKM nicht fehlen. Stürmer-Legende und Ex-Bayern-/Ex-Werderprofi Claudio Pizarro steht am Mittwoch für Selfies mit Besuchern bereit, die den Stand der Allianz in Halle 4 regelrecht belagern.

Gefragter Stargast: Die Schweizer Schlagersängerin, Moderatorin und Markenbotschafterin der VPV, Beatrice Egli, im Gespräch mit Messebesuchern. Egli nahm an einer Podiumsdiskussion teil zu einem Thema, das viele Experten als „tickende Zeitbombe“ erachten. „Altersvorsorge für Frauen – ein Thema, das alle etwas angeht“, hieß es am zweiten Messetag in der Speaker’s Corner. Die ausgebildete Friseurin weiß aus eigener Erfahrung, wie unberechenbar Karriere und Leben sein können. Sie ermunterte Frauen dazu, sich frühzeitig um ihre finanzielle Absicherung zu kümmern.

Strahlende Gesichter auf der DKM-Plaza am zweiten Messetag: Zurich und Pfefferminzia haben Deutschlands nachhaltigste Maklerbüros gekürt. Die Ergebnisse verkündeten Jan Roß, Bereichsvorstand Maklervertrieb bei der Zurich Gruppe Deutschland (ganz rechts), und Pfefferminzia-Geschäftsführer Matthias Heß (ganz links).
In der Kategorie „Maklerbüro mit mehr als zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ siegte die DRB GmbH aus Kaiserslautern. Den Preis nahm Geschäftsführerin Janine Bradfisch entgegen. In der Kategorie nachhaltigstes „Maklerbüro mit bis zu zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ siegte Finanzkonzept Coburg. Inhaber Bastian Hopf nahm den Preis entgegen.
Spannende Hintergründe zum Wettbewerb erfahren Sie hier.

Hochpolitisch wurde es am Donnerstag im Streitgespräch zwischen Ex-Wirtschaftsminister Peter Altmaier (rechts) und dem Gründer und Herausgeber des Magazins „Cicero“. Motto: „Eine Welt im harten Umbruch – was heißt das für Deutschland?“. Auf dem Podium verteidigte sich der CDU-Politiker gegen den Vorwurf, dass sich Deutschland während seiner Amtszeit zu sehr abhängig von russischem Gas gemacht habe.
„Wo soll das Gas denn herkommen?“, beschrieb Altmaier die Zwickmühle, in der er sich in seiner Amtszeit von 2018 bis 2021 selbst sah: „Keine Produktion im eigenen Land, kein Fracking-Gas aus den USA, kein Gas aus Katar aufgrund der dortigen Menschenrechtssituation, kein Gas aus Saudi-Arabien wegen des Kriegs gegen Jemen. Das war meine Situation“, zählte Altmaier auf – und fügte hinzu: „Was hätte ich denn tun sollen?“ Wenn er stattdessen gesagt hätte, dass Unternehmen wie BASF und RWE nur noch 30 Prozent russisches Gas importieren dürften und nicht 54 Prozent, wäre einiges los gewesen in Deutschland, verteidigte sich der Ex-Minister. „Ich bin zwar manchmal mutig und ab und zu auch tollkühn, aber völlig neben der Kappe bin ich auch nicht.“


Traditionell lädt das Management der Dialog im Rahmen der DKM zum Pressegespräch ein (von links): Thorsten Fischer (Leiter bAV), Florian Sallmann (Vorstandsmitglied, Head of Broker), Benedikt Kalteier (Vorstandschef), Jürgen Karthaus (Leiter Vertrieb). Florian Sallmann stand Pfefferminzia-Redakteur Andreas Harms im Nachgang zu einem Live-Interview zur Verfügung. Einen Ausschnitt daraus können Sie hier nachhören.
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