Vier Varianten im Überblick

ETF auf den MSCI World SRI Index: Das saubere Viertel

Wer einen ETF für nachhaltige Geldanlage oder Altersvorsorge nutzen will, sollte den MSCI World SRI Index dafür in Betracht ziehen. Allerdings gibt es gar keinen ETF auf DEN SRI-Index, sondern nur welche auf unterschiedliche Unter-Indizes. Welche das sind, und wie sie vorgehen, dröseln wir hier mal auseinander.
Nvidia-Gründer und -Chef Jen-Hsun Huang auf einer Konferenz für Künstliche Intelligenz in Tokio: Der Grafikkartenspezialist Nvidia ist die größte Position im MSCI World SRI Index
© picture alliance / Kyodo | -
Nvidia-Gründer und -Chef Jen-Hsun Huang auf einer Konferenz für Künstliche Intelligenz in Tokio: Der Grafikkartenspezialist Nvidia ist die größte Position im MSCI World SRI Index

Man hört es hier und da von Vermittlern. Egal, ob mit Lizenz nach Paragraf 34d (Versicherungen) oder 34f (Investmentfonds) der Gewerbeordnung. Wenn Kunden nachhaltig anlegen oder vorsorgen und dabei einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) nutzen wollen, ist der MSCI World SRI Index eine gute Option. „Auf ihn läuft es hinaus, es ist einfach das gängigste Konzept“, sagt etwa Henning Schmidt, der als Versicherungsmakler bei Schnitger Versicherungsmakler in Oldenburg arbeitet (mehr dazu hier).

Sehen wir also nach, über welche ETFs sich der MSCI World SRI Index überhaupt kaufen lässt. Dabei zeigt sich: Es gibt gar nicht die eine einzige Form. Stattdessen offenbart sich eine wahre Klein-Indexerei. So verzeichnet das ETF-Portal JustETF.com Indexfonds auf vier Varianten des SRI. Folgende sind es:

Amundi MSCI World SRI Climate Net Zero Ambition PAB ETF
  • ISIN: IE000Y77LGG9
  • Abgebildeter Index: MSCI World SRI Filtered PAB Index
BNP Paribas Easy MSCI World SRI S-Series PAB 5% Capped ETF
  • ISIN: LU1615092217
  • Abgebildeter Index: MSCI World SRI S-Series PAB 5% Capped Index
iShares MSCI World SRI ETF
  • ISIN: IE00BYX2JD69
  • Abgebildeter Index: MSCI World SRI Select Reduced Fossil Fuels Index
UBS MSCI World Socially Responsible ETF
  • ISIN: LU0950674332 (Luxemburg-Version)
  • ISIN: IE00BK72HJ67 (Irland-Version)
  • Abgebildeter Index: MSCI World SRI Low Carbon Select 5% Issuer Capped Index

Und kann man die so einfach kaufen? Bei Direktbanken und Brokern ist das kein Problem. Schwieriger wird es schon bei Fondspolicen, denn die schränken ihr Angebot stark ein (auch, um es thematisch nicht zu doppeln). Wir haben einige große Anbieter in Stichproben überprüft und nur vereinzelte SRI-ETFs gefunden. Zum Beispiel den iShares MSCI World SRI im Angebot der Stuttgarter. Die Alte Leipziger listet den UBS MSCI World Socially Responsible. Und die Allianz bietet für ihre Fondspolicen die ETFs von Amundi und UBS.

Das ist alles weniger als nichts, aber richtige Auswahl geht anders.

Der Trost für Anleger: Die Indizes gleichen sich stark. Sie sind allenfalls in ihren Details irgendwie auseinanderzuhalten. Und selbst das ist nicht ganz leicht. Ganz offensichtlich hatten unterschiedliche Autoren die Index-Methoden in unterschiedlichen Jahren niedergeschrieben. Ein einheitliches System ist allenfalls im Ansatz erkennbar.

Ein Viertel der Branchen und Regionen des MSCI World Index abdecken

Was aber definitiv greift, ist folgendes: Die SRI-Indizes sollen als sogenannte Auswahlindizes stets etwa ein Viertel der Branchen und Regionen aus dem klassischen MSCI World Index abdecken. Zusätzlich schraubt MSCI so am Aufbau herum, dass Branchen und Regionen im Mutterindex und den SRI-Varianten ähnlich gewichtet sind. Das soll das alte Vorurteil entkräften, dass nachhaltige Anleger auf Rendite verzichten müssen.

Um Aktien auszuwählen, schließt MSCI folgende Branchen und Geschäftsfelder grundsätzlich aus (wobei unterschiedliche Grenzen gelten, ab welchem Anteil am Gesamtumsatz das Unternehmen aus dem Index fliegt):

  • Tabak
  • Umstrittene Waffen
  • Zivile Feuerwaffen
  • Atomwaffen
  • Herkömmliche Waffen
  • Alkohol
  • Erwachsenenunterhaltung (also: Pornografie)
  • Glücksspiel
  • Genetisch veränderte Organismen
  • Atomenergie
  • Kohlebergbau (zum Verbrennen)
  • Öl- und Gasförderung
  • Stromerzeugung aus Kohle, Öl und Gas
  • Vorräte an fossilen Brennstoffen
  • Kohlevorräte zum Verbrennen

Nebenbei bemerkt, fährt MSCI damit bei den SRI-Indizes das härteste Regime. Bei JustETF.com hat man die Ausschlusskriterien nachhaltiger Indizes verglichen. Mit dem Resultat: Bei keinem Index sonst fliegt so viel raus wie dort.

Seite 2: Wichtig ist auch die anlagetechnische Seite

Anschließend orientiert sich MSCI an den hauseigenen Nachhaltigkeits-Ratings (ESG-Ratings), um in den übrigen Branchen die saubersten Vertreter zu ermitteln. Pflicht ist die Note A oder höher. Und der sogenannte Controversies Score (mindestens 4) soll all jene Firmen aussperren, die in ESG-Hinsicht gerade Stress haben oder machen (sogenannte Kontroversen).

Eine weitere Komponente kommt beim MSCI World SRI Filtered PAB Index und dem MSCI World SRI S-Series PAB 5% Capped Index hinzu: das Klimaschutzabkommen von Paris hinzu (EU Paris Aligned Benchmark, kurz PAB). Zusätzlich baut MSCI die Indizes so um, dass sie – im übertragenen Sinne – nur halb so viel Treibhausgas absondern wie der Mutterindex, also der MSCI World.

Capped-Klausel sorgt für feinere Streuung

Auch die 5%-Capped-Klausel erzeugt einen interessanten Effekt. Denn der MSCI World SRI S-Series PAB 5% Capped Index ist deutlich feiner gestreut als der MSCI World SRI Filtered PAB Index. Die zehn größten Positionen nehmen insgesamt lediglich 15,1 Prozent des Index ein. Beim nicht-gedeckelten Index geht es deutlich klumpiger zu: Dort stellen die Top 10 mit 29,1 Prozent fast ein Drittel des Index. Und das bei insgesamt ähnlich vielen Titeln, nämlich zwischen 320 und 330.

Klimaschutzabkommen aus Paris, Reduced Fossil, Low Carbon – am Ende sollen alle SRI-Indizes gleichermaßen für unterdurchschnittlich viel Kohlendioxid in der Atmosphäre verantwortlich sein und gesellschaftliche und soziale Themen beherzigen.

Womit wir am Ende zur anlagetechnischen Seite kommen. Und da müssen wir zunächst feststellen: Wer einen SRI-ETF kauft, muss auch mal loslassen können. Denn von den derzeit so dominanten US-Riesenfirmen sind nur Nvidia, Tesla und Microsoft enthalten. Und sogar von denen fehlt Microsoft in einigen Varianten. Apple, Alphabet (also Google), Meta (also Facebook) und Amazon sind nicht mit dabei.

Über 300 Titel reichen locker aus

Freilich sind die SRI-Indizes mit ihren 320 bis 330 Bestandteilen zwar bei weitem nicht so breit gestreut wie der MSCI World mit seinen derzeit 1.400 Aktien (Stand: Oktober 2024). Doch diese mehrere Tausend Aktien schweren Indizes sind ohnehin ein bisschen zu viel des Guten (wie ich hier ausführe). Über 300 Titel reichen locker aus, um Unternehmensrisiken wegzustreuen. Viel wichtiger sind Branchen und Regionen. Und in dieser Hinsicht sind die SRI-Indizes mit einem US-Anteil von fast 70 Prozent ähnlich stark verklumpt wie der MSCI World (72,7 Prozent).

Seite 3: Krieg in der Ukraine verschiebt die Kurse

Weitere Details hat der auf ETFs spezialisierte Finanzanlagenvermittler Envestor ermittelt. Dort stellte man fest, dass die SRI-Indizes stärker schwanken, eher zum Growth-Ansatz tendieren und nicht so dividendenstark sind wie der MSCI World.

Langfristig nehmen sich MSCI World und dessen SRI-Variante nicht viel. So beziffert MSCI die Wertentwicklung für den Klassiker über 15 Jahre mit plus 375 Prozent und die SRI-Variante sogar plus 390 Prozent (in Dollar, inklusive Brutto-Dividenden). Das klingt erstmal nach viel, ergibt aber heruntergerechnet nur eine Differenz von 0,2 Prozentpunkten pro Jahr. Für eine Aktienanlage müssen solche Unterschiede akzeptabel sein.

Krieg in der Ukraine verschiebt Kriterien und Kurse

Deutlich größere Differenzen zeigten sich jedoch zuletzt. So lag der MSCI World SRI im Jahr 2022 um 4,4 Prozentpunkte hinter dem MSCI World. Das ist für ein einziges Jahr nicht gerade wenig. Im Jahr davor lag der SRI-Index wiederum um 5,3 Prozentpunkte vorn.

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Es ist aber auch völlig klar, warum das so ist: 2022 überfiel Russland die Ukraine, und auch in anderen Teilen der Welt nahm die Kriegsgefahr zu. Das verschaffte vor allem Rüstungsaktien Auftrieb, und die gestiegenen Öl- und Gaspreise halfen den Energieunternehmen. Diese Branchen sind aber im SRI-Index nicht enthalten. Auch die Wiederwahl des nicht allzu umweltverbundenen Donald Trump zum US-Präsident könnte Branchen helfen, die nicht im SRI-Index vertreten sind.

Damit haben klassische Indizes zurzeit sicherlich Vorteile. Doch das kann sich wieder drehen. An der Börse gibt es den schönen Begriff „Mean Reversion“ – alles fällt also irgendwann wieder auf den Durchschnitt zurück. Und dann laufen eben wieder die SRI-Indizes besser.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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