Kommentar zu Katerina Jacob

Können wir endlich mal ernsthaft über die Rente reden?

Mit ihrem Interview hat die Schauspielerin Katerina Jacob – vielleicht unbewusst – ein wichtiges Thema auf den Tisch gehoben, mit dem sich nicht einmal die Möchtegern-Kanzler im Fernsehduell befassen wollten: die Rente. Das ist längst überfällig, sonst werden nicht nur Schauspieler, sondern noch viel mehr Menschen sehr enttäuscht sein.
Pfefferminzia-Redakteur Andreas Harms: „Endlich die Rente auf den Tisch heben“
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Pfefferminzia-Redakteur Andreas Harms: „Endlich die Rente auf den Tisch heben“

Entweder hat sie kräftig übertrieben. Oder sie hat sich in den Zahlen verheddert. Auf jeden Fall gilt es als geklärt, dass Schauspielerin Katerina Jacob für insgesamt 800.000 Euro Beitrag eben nicht nur 1.435 Euro Rente bekommt.

Ich finde den konkreten Antrieb dahinter ziemlich egal. Denn die ganze Sache hat etwas absolut Wichtiges und Gutes (und genau das will ich manchmal sehen): Das Thema Rente kommt endlich auf den Tisch. Und das ist längst überfällig.

Alle Menschen in diesem Land müssen endlich den Jacob-Weg mitgehen und genau wie die Schauspielerin über die Rente reden.

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Ja, genau! Eben die Rente, um die es gestern im TV-Duell zwischen Olaf Scholz (SPD) und Friedrich Merz (CDU) genau null Sekunden lang ging. Ebenso wenig wie um die Altersvorsorge.

Es ist genau jene Rente, für die die Parteien in ihren Wahlprogrammen nur vollmundig verkünden, wie hoch sie mindestens sein soll. Aber keine sagt, wer sie bezahlen soll. Und wie. Und wann. Einzig die FDP kommt mit etwas Fortschritt daher und will mehr Schweden wagen.

„Ein gespielter Witz namens Rentenpaket II“

Also, lasst uns bitte endlich über die Rente reden! Und über Mathematik. Ganz ohne das SPDsche Pfeifen im Wald. Und ganz ohne diesen gespielten Witz namens Rentenpaket II.

Denn es ist genau die schnöde, aber leider unbestechliche Mathematik, die die aktuell versandten Renteninformationen für absurd erklärt. Da kann sich Noch-Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) noch so schön hinstellen und sagen, dass sich die Menschen ihre auskömmliche Rente verdient hätten. Erstens, ist eine Rente mit 48 Prozent Rentenniveau nicht auskömmlich, Herr Heil. Und zweitens, werden die Menschen nicht mal die bekommen. Zumindest nicht die, die heute die Renten der Alten bezahlen. Die Renteninformationen sind Murks.

Und in nur wenigen Jahren werden nicht nur Schauspielerinnen dastehen und sich über die Rente wundern. Es werden auch Pflegerinnen, Friseure, Handwerker sein. Zumindest, wenn wir nicht endlich mal darüber reden.

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, die Faktoren fürs Rentensystem lauten in einem Umlagesystem wie bei uns wie folgt:

  • Beitragshöhe
  • Rentenhöhe
  • Zahl der Beitragszahler
  • Zahl der Rentner
  • Renteneintrittsalter
  • Lebensdauer (sprich: Rentenbezugsdauer)
  • Bundeszuschuss (Steuer)

Und wenn sich gleich mehrere Faktoren (Lebenserwartung, Zahl der Rentner, Zahl der Beitragszahler), kontinuierlich in die falsche Richtung verschieben, nützen die schönsten Versprechen im Wahlprogramm: nichts.

Vergangene Woche sprach der Wissenschaftler Bernd Raffelhüschen bei uns im Podcast das Unvermeidliche aus: Die jetzt Arbeitenden müssen später in Rente gehen, und das Rentenniveau muss sinken. Dann bleibt der ganze Bums zumindest im Ansatz noch bezahlbar.

Ansonsten explodieren Bundeszuschuss oder Beiträge – sprich: alle Kosten der arbeitenden Bevölkerung. Das ist Mathematik. Einfach die Augen zu verschließen, damit das Problem weggeht, funktioniert vielleicht bei Kindern. Hier leider nicht. Glauben Sie mir! Ich hab’s ausprobiert.

Heißt also: Irgendjemand muss irgendwann die unangenehme Kunde verbreiten, dass das so nicht weitergeht. Und dass die gesetzliche Rente viele Menschen enttäuschen wird. Zumindest das ist sicher.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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