Sahra Wagenknecht hat es getan. Und jetzt sogar auch der ehemalige Wirtschaftsweise und Produktnamens-Pate Bert Rürup. Sie beide haben das von der Regierung geplante Generationenkapital mit einem Hedgefonds verglichen. Zieht natürlich gut, alle sind gleich hellwach. Denn Hedgefonds machen so schön Angst.
Wagenknecht zog diese Karte direkt, nachdem die Regierung das Generationenkapital am 5. März vorgestellt hatte. Und Rürup brachte es in einem Vortrag auf der Fachtagung des BVK Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute am 24. Mai.
Zur Erinnerung: Der Bund will in den kommenden Jahren ein Anlageportfolio aufbauen, dessen Erträge die gesetzliche Rente stützen sollen. Das Geld dafür will er sich am Finanzmarkt leihen. Und allein dieser einzelne Zusammenhang reicht vielen schon aus, um die Hedgefonds-Keule zu schwingen.
Aber der Vergleich ist und bleibt: schief. Genauso gut könnte man auch mich als Hedgefonds abstempeln, weil ich mir Geld geliehen und damit ein Haus gekauft habe. Das schwankt vielleicht im Wert, sag ich Ihnen! Okay, auch dieses Beispiel ist ungefähr so wasserdicht wie ein Setzriss. Also Spaß beiseite.
Es gibt in der Tat einige Hedgefonds, die ihre Strategie hebeln, indem sie Kredite aufnehmen und dieses Geld zusätzlich anlegen. Doch das sind bei weitem nicht alle. Und es ist nie der Kern des Hedgefonds, sondern nur ein Hilfsmittel. Im Vordergrund jedes Hedgefonds steht die Strategie. Und die ist eben nicht mit der des Generationenkapitals vergleichbar. Dort soll die Kenfo-Truppe das Geld umsichtig verwalten, breit streuen und vor allem: langfristig und mit ruhiger Hand anlegen.
Hedgefonds hingegen fahren komplizierte, gern mathematische Strategien und nutzen dabei Marktinstrumente, die anderen Fondsmanagern verwehrt bleiben. Das läuft oft nicht mal mit Aktien ab, sondern mit Anleihen, Index-Futures, Kreditausfallversicherungen, Rohstoffen und, und, und. Wer dagegen einen Hedgefonds kennt, der sich einfach Geld borgt, es direkt in Aktien steckt und dann ruhig liegenlässt – einfach mal bei mir melden. Das Ding würde mich mal interessieren.
Stattdessen erinnert mich das Generationenkapital an eine andere Institution: die Bank. Banken verdienen seither ihr Geld hauptsächlich dadurch, dass sie sich große Summen leihen (über Konten oder Anleihen) und mit dem Geld was anstellen. Das Eigenkapital liegt hingegen deutlich niedriger als in anderen Branchen.
Doch das soll so sein, denn Banken haben folgende klassische Funktionen (ich zitiere aus meiner Ausbildung in den 90ern):
Vor allem in den Punkten 2 und 3 finde ich das Generationenkapital wieder. Der Bund leiht sich Geld über Bundesanleihen von Anlegern und bietet ihnen dafür Zinsen und Sicherheit. Zurzeit beträgt die Rendite einer 20-Jährigen 2,76 Prozent (Stand: 27. Mai 2024).
Das Geld nimmt der Bund, legt es an und übernimmt dabei Risiken. Laut den Regeln der Kapitalmärkte wird er dafür mit dem Risikoaufschlag (auch: Risikoprämie) belohnt. Der hat übrigens auch nichts mit Spekulation zu tun, einfach nur mit langfristiger Investition. Die Faustregeln weichen ab, aber selbst, wenn wir von 6 Prozent langfristiger Aktienrendite reden, bleiben in dieser Rechnung hier 3,24 Prozent Marge übrig.
Wir haben es hier also in erster Linie mit einer Risikotransformation und zum Teil mit einer Fristentransformation zu tun. Denn die Anleihe läuft irgendwann aus, das Generationenkapital soll aber theoretisch so lange existieren wie die Bundesrepublik.
Hoffen wir’s.
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