Der Wunsch der Deutschen nach Wohneigentum ist und bleibt groß. Aber 46 Prozent der Bürger bezweifeln, dass sie sich einen Immobilienkauf in ihrer Region auch leisten können. Ein Jahr zuvor lag der Wert bei 39 Prozent. Das geht aus der Leistbarkeitsstudie des Baufinanzierers Interhyp hervor, für die rund 1.000 Menschen befragt wurden.
Besonders skeptisch sind diejenigen, die in den nächsten ein bis zwei Jahren kaufen wollen: 52 Prozent dieser Gruppe empfinden eine Immobilie für sich persönlich als schwer oder gar nicht leistbar. Zum Vergleich: Unter den tatsächlichen Käufern der vergangenen fünf Jahre bewerteten im Rückblick nur 23 Prozent den Kauf als schwierig.
39 Prozent der Befragten nehmen den Immobilienmarkt als „überdreht“ wahr. Rund 69 Prozent geben an, dass die Preise in den vergangenen zwölf Monaten weiter gestiegen sind. Eine Entlastung bei den Immobilienpreisen spüren nur noch 26 Prozent (Vorjahr: 33 Prozent).
42 Prozent sehen aktuell größere Verhandlungsspielräume für Käufer als noch vor einem Jahr. Ein Jahr zuvor schätzten das noch 47 Prozent so ein. Besonders deutlich wird die Diskrepanz bei den Preisvorstellungen: 83 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass Verkäufer an überholten, zu hohen Preisen festhalten.
Trotz allem steigen die kalkulierten Budgets deutlich: Im Schnitt planen Kaufinteressierte aktuell mit rund 384.000 Euro – nach etwa 349.000 Euro im Vorjahr. Zurückhaltung zeigen die Befragten hingegen bei unsanierten Bestandsimmobilien: Mehr als die Hälfte schließt sie als Option kategorisch aus, vor allem wegen des hohen Aufwands und der schwer kalkulierbaren Kosten. Sanierte Objekte und Neubauten genießen deutlich mehr Zuspruch.
„Natürlich bedeutet eine unsanierte Bestandsimmobilie mehr Aufwand, aber dieser Aufwand kann sich lohnen“, sagt Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe. „Wir sehen gerade bei Immobilien mit einer niedrigeren Energieeffizienz einen größeren Verhandlungsspielraum beim Kaufpreis. Es kann sich also lohnen, die anstehenden Modernisierungskosten im Vorfeld genau durchzurechnen und sie anschließend in das Angebot an den Verkäufer einfließen zu lassen.“
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Viele Kaufinteressierte unterschätzen, wie lange das Ansparen von Eigenkapital dauert. 54 Prozent glauben, ihr Ziel in weniger als fünf Jahren zu erreichen. Die Erfahrung der bereits erfolgreichen Käufer zeigt aber ein anderes Bild: Zwei von drei benötigten mehr als fünf Jahre, jeder Dritte sogar über zehn Jahre. Jüngere Kaufinteressierte setzen dabei häufiger auf Geldanlagen wie ETFs oder Aktien als die ältere Käufergeneration.
Hinzu kommt, dass viele Suchende gar nicht wissen, wo ihre monatliche Belastungsgrenze liegt. Nur rund 34 Prozent derjenigen, die in den nächsten ein bis zwei Jahren kaufen wollen (Planer), haben ihre tragbare monatliche Rate konkret im Detail ausgerechnet.
Utecht: „Dass zwei Drittel der Interessierten ohne Kenntnis ihrer konkreten finanziellen Möglichkeiten suchen, führt oft zu Enttäuschungen bei der Objektauswahl. Nur wer seine monatliche Belastungsgrenze kennt, kann im aktuellen Markt erfolgreich agieren.“
Als weiterer Hemmschuh erweist sich das politische und wirtschaftliche Umfeld: 70 Prozent der Befragten sehen die aktuelle Lage als erschwerenden Faktor beim Immobilienkauf. Jeder dritte Planer ist deshalb unsicher, ob er überhaupt aktiv werden soll.
„Die Politik muss einen Rahmen schaffen, der Wohneigentum wieder breiter ermöglicht – durch weniger Bürokratie, aber verlässliche Förderangebote und gezielte Entlastungen, etwa bei der Grunderwerbsteuer und beim Eigenkapitalaufbau“, sagt Utecht. „Gerade für junge Familien sind das entscheidende Voraussetzungen.”
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