„Nicht zu vermitteln“

Arbeitgeber schimpfen über stark steigende Renten

Die Wirtschaft läuft mau, aber die Renten steigen um mehr als 4 Prozent? Für Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger ist das ein Unding. Weshalb er direkt vor dem großen Reformgipfel in Berlin ein paar Forderungen ausgibt.
Der Mann in Anzug bei einer Konferenz, professionell gekleidet, mit Brille und grauem Haar.
© picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger: „Mut zu echten Reformen aufbringen“

Am Mittwoch wollen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften mit den Spitzen von CDU und SPD zusammensetzen und über Reformen in Rente und Vorsorge sprechen. Doch die Arbeitgeber legen jetzt schon mal vor. Gegenüber der DPA erklärte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger, was er von steigenden Altersrenten hält: nicht viel. So sagte er: „Bei den Rentenerhöhungen muss dringend Tempo herausgenommen werden.“

Damit spielt er unmissverständlich auf die jüngsten Aufschläge in der gesetzlichen Rente an. In diesem Jahr gibt es zum 1. Juli 4,24 Prozent mehr. Im vergangenen Jahr waren es 3,74 Prozent und 2024 sogar plus 4,75 Prozent. Und das in einer Zeit, in der die Wirtschaft beinahe auf der Stelle tritt.

„Es ist den Beitragszahlern nicht zu vermitteln, dass die Renten in diesem und im kommenden Jahr mit jeweils über 4 Prozent deutlich stärker steigen sollen als Löhne und Preise“, so Dulger weiter.

Die Regierung selbst hatte die steigenden Renten damit begründet, dass sich die Löhne in Deutschland so gut entwickelt haben. Man könnte es drastisch so ausdrücken: Anstatt dadurch ein Polster für den Renteneintritt der Babyboomer aufzubauen, zahlt sie die Mehreinnahmen lieber gleich wieder aus.

Gestützt wird diese Maßnahme wiederum von der sogenannten Haltelinie. Demnach soll das Rentenniveau in Deutschland im Verhältnis zu den Einkommen bis 2031 nicht unter 48 Prozent sinken. Das hat Schwarz-rot im Rahmen seines Rentenpakets beschlossen. Und das kostet.

Diese Kosten schultern Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Steuerzahler. Weshalb Dulger auf die Rentenkommission hofft, die noch im Juni Reformvorschläge fürs Rentensystem vorlegen soll. „Die Rentenkommission muss den Mut zu echten Reformen aufbringen“, verlangt er. Die Kosten müssten sinken. Die Beitragssätze für die Rente dürften nicht auf 20 Prozent steigen.

Also, was verlangt er konkret? Zunächst soll der Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenformel wieder greifen. Der berücksichtigt nämlich, welches Verhältnis zwischen Rentnern und Beitragszahlern besteht. Er könnte somit allzu stark steigende Renten ausbremsen, doch zurzeit ist er ausgesetzt.

Zudem müsse das Rentenalter weiter steigen, und die „Rente mit 63“ soll weg (was die jedes Jahr kostet, lesen Sie hier). Und am Ende fordert er mehr kapitalgedeckte Vorsorge in Deutschland und eine viel weiter verbreitete betriebliche Altersversorgung (bAV).

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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Ein Kommentar

  1. Die Arbeitgeber haben die Rentenerhöhungen durch die zugestandenen Lohnerhöhungen doch selbst direkt verursacht. Nun zu fordern, dass aus den Lohnerhöhungen nicht Rentenversicherungsbeiträge, sondern Kapitalbildung zur Altersvorsorge finanziert werden sollte, schiebt dem Staat die eigene Verantwortung zu.

    Statt derart starker Lohnerhöhungen hätten die Arbeitgeber doch selbst mehr betriebliche Altersversorgung betreiben können. Dann hätten sie die Altersversorgung der Arbeitnehmer verbessert, statt die Löhne derart stark zu steigern. Und die Rentenerhöhung wäre entsprechend dann automatisch weit geringer ausgefallen. Die Möglichkeit hatten die Arbeitgeber – sie aber nicht genutzt. Statt dessen rufen sie nach dem Staat – und der denkt nun über eine verpflichtende betriebliche Altersversorgung nach.

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