Bestand in neuer Hand

Bestandskauf: So findest du noch ein Schnäppchen!

Günstige Maklerbestände gibt es noch – aber nicht dort, wo die meisten Käufer suchen. Wer wirklich zu Faktor 2,0 oder 2,5 kaufen will, muss selbst aktiv werden. Einen Überblick, was das bedeutet und wie es gelingt, liefert TSC-Gründer Tino Scraback in seinem Gastbeitrag.
Tino Scraback ist Gründer von TSC – Tino Scraback Consulting.
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Tino Scraback ist Gründer von TSC – Tino Scraback Consulting.

Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, lautet: „Tino, wie finde ich einen guten, günstigen Bestand?“ Direkt vorweg: Wer einen Versicherungsbestand über einen professionellen Vermittler kauft – sei es über uns bei TSC oder über andere Vermittler – zahlt einen fairen Marktpreis. Das ist auch gut so. Aber ein Schnäppchen ist es nicht.

Der Grund ist simpel. Wir bewerten den Bestand sachgerecht, helfen dem Verkäufer, ihn optimal vorzubereiten, und bringen ihn dann strukturiert an geeignete Käufer. Das Ergebnis: ein gut dokumentierter, sauber aufgestellter Bestand – zu einem Preis, der das auch widerspiegelt. Faktor 3,0, manchmal 3,5 oder sogar 4,0 ist möglich. Fair, verlässlich, marktüblich. Aber eben kein Sonderangebot.

Wo die echten Schnäppchen zu finden sind

Bestände zu Faktor 1,5, 2,0 oder 2,5 existieren noch. Aber sie tauchen nicht auf Plattformen auf. Sie werden nicht ausgeschrieben. Und sie werden auch nicht über einen Vermittler angeboten.

Sie stecken beim Kollegen im Nachbarort, der noch nie ernsthaft über einen Verkauf nachgedacht hat. Der keinen Nachfolger hat, aber auch noch nicht aktiv geworden ist. Der nicht weiß, was sein Bestand am Markt gerade wert wäre. Und der deshalb bereit ist, deutlich unter Marktniveau zu verkaufen – weil ihm schlicht der Vergleich fehlt.

Diese Deals gibt es. Aber sie entstehen nicht durch Warten. Sie entstehen dadurch, dass du selbst das Heft in die Hand nimmst und konsequent auf Akquise gehst.

6 Tipps, wie du an diese Bestände kommst

Wer als Käufer aktiv werden will, braucht keinen ausgefeilten Plan – aber ein paar klare Gewohnheiten. Das Folgende ist kein Geheimwissen, sondern das, was wir selbst über Jahre angewendet haben:

  • Mach dich als Käufer sichtbar: Eine professionelle Webseite, ein klarer Auftritt, erkennbare Kompetenz – das signalisiert dem Verkäufer: Hier kauft jemand ernsthaft. Vertrauen entsteht dort, wo Professionalität sichtbar ist.
  • Erzähl es jedem: Im Netzwerk, bei Gesprächen, im Alltag einfach sagen: Ich kaufe gerade Bestände. Fast wie beim Speed-Dating, einfach drauf los plaudern. Mund-zu-Mund ist noch immer der effektivste Kanal.
  • Nutze Social Media: Ein regelmäßiger Post auf Linkedin oder in Maklerforen kostet nichts und erzeugt Reichweite bei genau der richtigen Zielgruppe. Ich selbst liebe Facebook und habe darüber schon viele wertvolle Kontakte und Bestände akquiriert.
  • Geh auf Branchenveranstaltungen: DKM, regionale Maklertreffen, Verbandstage – genau dort triffst du die Leute, die über einen Verkauf nachdenken, aber noch keinen Schritt gemacht haben. Das ist deine Zielgruppe.
  • Besuche Makler direkt vor Ort: Klingt altmodisch, ist aber wirkungsvoll. Ein kurzer Besuch im Büro, ein offenes Gespräch – so entstehen Nachfolgelösungen, die nie öffentlich werden.
  • Bereite dein Unternehmen vor: Solide Bilanzen, ausreichend Liquidität, funktionierende IT-Systeme – wer kaufen will, muss auch kaufen können. Das wird in der Branche massiv unterschätzt. Ein Verkäufer, der das Gefühl hat, seinen Bestand in gute Hände zu geben, ist deutlich gesprächsbereiter und kompromissbereit beim Preis.

Und das Wichtigste: Geschwindigkeit und Geduld

Klingt widersprüchlich, ist es aber nicht.

Sobald du merkst, dass jemand verkaufen möchte: Sei schnell und verbindlich. Wer in diesem Moment zögert, erst einmal überlegt, ob er vielleicht kaufen könnte, und dann mit einem Fragenkatalog um die Ecke kommt, hat das Rennen oft schon verloren.

Verkäufer entscheiden sich für denjenigen, der Interesse zeigt und Entschlossenheit ausstrahlt. Geschwindigkeit ist hier kein Vorteil, sie ist Voraussetzung.

Geduld hingegen brauchst du dort, wo der Makler noch nicht so weit ist. Vielleicht will er noch ein Jahr arbeiten, vielleicht sind die Kinder noch nicht aus dem Haus, vielleicht fehlt ihm schlicht der Mut zur Entscheidung. Das ist für dich kein verlorener Kontakt, das ist eine Wiedervorlage. Trag dir einen Termin in sechs oder zwölf Monaten ein und melde dich dann einfach erneut. Freundlich, ohne Druck, mit echtem Interesse.

Bestandsakquise ist wie die Jagd: Du brauchst viele Chancen, musst dranbleiben und irgendwann ergibt sich der Abschluss. Nicht beim ersten Gespräch, manchmal nicht beim dritten. Aber bei dem Käufer, der präsent bleibt.

Über den Autor

Tino Scraback ist Gründer von TSC – Tino Scraback Consulting. Er und Daniel Seeger begleiten Versicherungsmakler beim Kauf und Verkauf von Beständen und Unternehmen. Gemeinsam haben sie weit mehr als 100 Bestände und Firmen selbst erworben, bewertet oder vermittelt.

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