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Wie Bürgschaftsbanken Firmenkäufe möglich machen

Eine Maklerfirma zu übernehmen oder Firmenanteile zu kaufen, kostet Geld. Die Finanzierung solcher Vorhaben ist nicht ohne – gerade dann, wenn nicht ausreichend Sicherheiten vorhanden sind. Genau hier spielen die Bürgschaftsbanken der Bundesländer eine entscheidende Rolle. Unternehmensberater Peter Schmidt klärt auf.
Geschäftsmann im Beratungsgespräch über Firmenübernahmen.
© Drazen Zigic/Freepik
Beratung bei der Bank: Bürgschaftsbanken können bei der Finanzierung einer Bestands- oder Firmenübernahme eine entscheidende Rolle spielen.

Bürgschaftsbanken sind öffentlich unterstützte Förderinstitute, die in jedem Bundesland existieren. Ihr Hauptziel ist es, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Existenzgründer beim Zugang zu Fremdkapital zu unterstützen. Sie übernehmen Ausfallbürgschaften gegenüber Hausbanken und reduzieren so das Risiko für die finanzierende Bank.

Bei der Bürgschaftsbank Brandenburg machen die Bürgschaften im Bereich der Nachfolge bereits zirka 50 Prozent des Geschäftsvolumen aus. Es lohnt sich also, sich bei Bedarf zu den Konditionen der regionalen Bürgschaftsbanken zu informieren. Das bedeutet konkret: Wenn ein Unternehmer nicht genügend Sicherheiten für einen Kredit bei einer Bank seiner Wahl stellen kann, springt die Bürgschaftsbank ein und sichert einen Großteil des Kredits ab – häufig bis zu 80 Prozent. Grundvoraussetzung bleibt meist der Einsatz von mindestens 10 Prozent Eigenkapital.

Bedeutung der Bürgschaftsbanken bei Firmen- und Bestandskäufen

Gerade bei Unternehmensnachfolgen oder Firmenkäufen ist die Finanzierung komplex. Oft stehen bei Kreditberatern in Banken statt der wiederkehrenden Vergütungen eher immaterielle Werte wie Kundenstamm, Know-how oder Marktposition im Vordergrund, die sich dann schwer als klassische Sicherheiten darstellen lassen und von Banken nicht als solche anerkannt werden.

Banken bewerten solche immateriellen Faktoren aktuell eher vorsichtig, was die Kreditvergabe erschwert. Hier bieten Bürgschaftsbanken eine Lösung. Sie ergänzen fehlende Sicherheiten, erhöhen die Finanzierungschancen und verbessern die Kreditkonditionen.

Dadurch werden auch größere Investitionen möglich, die ohne Bürgschaft nicht realisierbar wären. Schauen wir uns das Prozedere genauer an.

Typische Finanzierungsstruktur mit Unterstützung einer Bürgschaftsbank

In der Praxis erfolgt die Finanzierung eines Firmenkaufs meist über mehrere Bausteine:

  1. Eigenkapital des Käufers
  2. Bankdarlehen (Hausbankprinzip)
  3. Bürgschaft der Bürgschaftsbank
  4. Optional: Förderdarlehen, zum Beispiel über die KfW

Die Bürgschaftsbank tritt dabei nicht selbst als Kreditgeber auf, sondern sichert den Kredit der Hausbank ab. Dafür wird am Beispiel der Bürgschaftsbank Brandenburg einmal exemplarisch dargestellt, dass bei erfolgreicher Bürgschaftszusage eine Bearbeitungsgebühr von 1,5 Prozent der Besicherungssumme einmalig sowie 1,25 Prozent laufende Vergütung bei der Maximalbesicherung von 80 Prozent fällig werden (Stand 04.2026).

Dadurch kann die Hausbank den Kredit besser besichern und die Sollzinsen entsprechend senken. Das ist bei den aktuellen Zinsbedingungen im Ergebnis nicht zu unterschätzen.

Der Antragsprozess läuft in der Regel so, dass der Weg zur Bürgschaft über die Hausbank erfolgt. Alternativ bieten viele Bürgschaftsbanken auch ein sogenanntes „Bürgschaft ohne Bank“-Verfahren an, bei dem zunächst eine Bürgschaftszusage eingeholt wird. Bei der hier als Beispiel aufgeführten Bürgschaftsbank Brandenburg kann bei Besicherungssummen bis 400.000 Euro direkt Kontakt mit der Bürgschaftsbank aufgenommen werden.

Bei höheren Summen bis in den Millionen-Bereich geht der Weg direkt über das gewählte Bankinstitut.

Dazu sind folgende Schritte notwendig:

  1. Erstellung eines fundierten Business-Plans
  2. Finanzierungsgespräch mit der Hausbank
  3. Antragstellung bei der Bürgschaftsbank
  4. Prüfung und Entscheidung (oft innerhalb weniger Wochen)

Wichtig ist eine überzeugende Darstellung des Vorhabens, insbesondere der wirtschaftlichen Tragfähigkeit und der eigenen unternehmerischen Qualifikation. Deshalb stellen wir Maklern für einen passenden Business-Plan zum Bestandskauf sowohl eine Checkliste als auch Basisvorlagen für einen Business-Plan zur Verfügung, um einen solchen selbst erstellen zu können.

Vorteile für Unternehmer mit Defiziten im Eigenkapital

Viele Bestands- und Firmenaufkäufer haben – im Gegensatz zu Konsolidierern, die mit Private-Equity-Mitteln über den Markt gehen – das Problem, dass Besicherungen über die eigene Bonität, geringes Eigenkapital und Probleme bei der Bewertung des Kaufobjektes der Bank nicht genügen.

Deshalb hat die Einbindung einer Bürgschaftsbank mehrere entscheidende Vorteile:

  • Erhöhte Finanzierungssicherheit: Banken sind eher bereit, Kredite zu vergeben.
  • Schonung des Eigenkapitals: Weniger eigene Sicherheiten notwendig.
  • Bessere Verhandlungsposition: Oft günstigere Zinssätze möglich.
  • Förderpolitische Unterstützung: Speziell auf KMU und Nachfolge zugeschnitten.

Fazit

Bürgschaftsbanken sind ein zentrales Instrument der Mittelstandsförderung in Deutschland. Sie ermöglichen es Unternehmern, Firmenkäufe und Nachfolgelösungen auch dann zu realisieren, wenn klassische Sicherheiten fehlen. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels und zahlreicher anstehender Unternehmensübergaben leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilität und Weiterentwicklung der Wirtschaft.

Wer einen Firmen- oder Bestandskauf plant, sollte die Möglichkeiten der Bürgschaftsbanken frühzeitig prüfen – sie können den entscheidenden Unterschied bei der Finanzierung machen. Eine Übersicht zu den Bürgschaftsbanken in den einzelnen Bundesländern können interessierte Maklerinnen und Makler kostenlos über diesen Link herunterladen.

Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken. Quelle: Consulting & Coaching Berlin

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Autor

Dr. Peter Schmidt ist seit 2013 Inhaber der Unternehmensberatung Consulting & Coaching in Berlin und als Experte für Strategie- und Prozessberatung für Versicherer, Maklerpools, Vertriebe und Makler tätig.

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