Gar keine Frage: Ob sich eine lebenslange Rente oder ein Auszahlplan aus Investmentfonds mehr lohnt, lässt sich nur schwer bis gar nicht vorhersagen. Denn je länger man lebt, desto besser fährt man mit der Rente und umgekehrt. Und ein Auszahlplan kann zu Ende gehen, weil das Geld aufgebraucht ist. Ganz einfach, schon klar.
Gleichwohl können Rechnungen und Modelle Erkenntnisse bringen, um alles ein bisschen besser einschätzen zu können. Zum Beispiel das Modell des Finanzplaners Mark Shemtob auf der Plattform „Contingencies“ der American Academy of Actuaries. Darin stellt er die beiden Auszahlformen gegenüber und rechnet sie für unterschiedliche Sterbealter durch. Er geht von 100.000 Dollar Vermögen aus. Für einen Teil kauft er eine lebenslange Rente, für den anderen Teil Aktienfonds oder Rentenfonds (also Anleihefonds). Gewünscht sind insgesamt 7.000 Dollar im Jahr.
Drei Kombinationen fährt er dabei:
Folgende Umstände nimmt Shemtob für sein Modell an:
Nebenbei bemerkt sind das auch für Deutschland realistische Größen, weshalb man nur die Dollar durch Euro zu ersetzen braucht. Prozentual bleibt es dasselbe. Einen deutlichen Unterschied zu Deutschland gibt es jedoch: Auszahlpläne sind in den USA viel populärer als lebenslange Renten. Was natürlich mit an dem anders aufgebauten Vorsorgesystem liegt (mehr dazu gibt es hier).
Allerdings muss man einschränken: Die Ergebnisse sind nicht im Detail mathematisch komplett nachvollziehbar. Shemtob hat sie aus allen Parametern, Vertragskonstellationen und Details zusammengesetzt. Auf Nachfrage hin äußert er sich halbwegs konkret: „Es ist die Summe aller erhaltenen Zahlungen aus der Rente und aus den Investments“, erklärt er. Und die 50.000 Dollar im Aktienfonds – weil nicht verbraucht – gehen im Todesfall an den Begünstigten, so Shemtob weiter. Auf jeden Fall erhöhen die Renditen der Investmentfonds die am Ende insgesamt geflossenen Summen. Einen Eindruck vermittelt das alles durchaus.
Das Ergebnis überrascht nicht allzu sehr. Die lebenslange Rente bringt höhere Vorteile, je länger man lebt. Bei niedrigerem Sterbealter spielen hingegen die Kapitalanlagen ihre Renditestärke aus.
Allerdings holt der Autor noch die Risiken mit in die Rechnung, gemessen an der Volatilität, also der Maßzahl für schwankende Kurse. Und die ist für Aktienfonds nun mal deutlich höher als für Rentenfonds. Lebenslange Renten schwanken als garantierte Zahl sozusagen: gar nicht.
Seite 2: Ab welchem Alter welche Kombination am besten ist
Der Studienautor hat nun errechnet, zu welcher prozentualen Wahrscheinlichkeit die Optionen 1 und 2 anhand der historischen Volatilität besser abschneiden als die garantierte Option 3.
Kommen wir zu Mark Shemtobs Fazit: Ab einem Alter von 84 Jahren (das hat er separat ausgerechnet) schneidet die Kombination aus lebenslanger Rente und Aktienfonds-Auszahlplan besser ab als die übrigen Varianten. Auch insgesamt hält Shemtob die genannte Kombi in den meisten Fällen für eine gute Wahl.
Der reine Investmentansatz hingegen ist dann besonders günstig, wenn der Rentner relativ früh stirbt. Doch das hält Shemtob eben nicht für ein Risiko. Das Risiko liege darin, besonders lange zu leben (auch wenn das hier gerade komisch klingt). Übrigens sieht das die Versicherungsbranche genau so.
Wer also eher risikoscheu ist und Sorgen hat, sehr alt zu werden, fährt mit der lebenslangen Rente am besten.
Die Erkenntnis passt problemlos in die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland. Auch dort will man im Rahmen der kommenden Reform die Pflicht zur garantierten lebenslangen Rente aufweichen. Die Rechnung zeigt, dass die Frage anschließend nicht „Entweder oder?“ lauten sollte, sondern „Wie verknüpfe ich beide Formen miteinander?“ So, wie es bereits einige Branchengrößen durchaus treffend angemerkt haben.
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