Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen das Gebot der Stunde. Sie prüfen, wo sie CO2-Emissionen einsparen können. Bei Unternehmen mit eigenen Fuhrparks sind das etwa die Fahrzeuge. So hat im vergangenen Jahr der Handelsriese Amazon angekündigt, seine Auslieferwagen nach und nach auf E-Autos umstellen zu wollen. In den kommenden fünf Jahren plant der Konzern, in Europa rund eine Milliarde Euro für die Elektrifizierung der Wagen auszugeben. Allein für die deutsche Flotte fallen 400 Millionen Euro ab. Bisher sind laut Amazon europaweit gut 3.000 Elektro-Lieferwagen für das Ausfahren von Paketen im Einsatz. Bis 2025 sollen es schon über 10.000 sein.
Auch der Autoglas-Spezialist Carglass will ab dem 1. Januar 2024 nur noch Dienstwagen mit Elektroantrieb einsetzen und so nach und nach seinen Fuhrpark von 850 Fahrzeugen auf Elektromobilität umstellen. Derzeit beträgt der Anteil der E-Autos dort rund 32 Prozent.
Das sind nur zwei Beispiele aus der Wirtschaft, die den Trend hin in Richtung E-Autos auch in Fuhrparks verdeutlichen. Laut einer Umfrage im Auftrag des Stromproduzenten Vattenfall setzen bereits 63 Prozent der Betriebe in ihrem Fuhrpark E-Autos ein, bei jedem zweiten Unternehmen kommen Hybridfahrzeuge zum Einsatz. Zwei Drittel der Betriebe wollen ihre Fahrzeugflotte vollständig elektrifizieren, und mehr als 80 Prozent planen, bei Neuanschaffungen vermehrt PKW mit Elektroantrieb zu erwerben.
Trotzdem ist der Anteil der Unternehmen, die zehn oder mehr E-Fahrzeuge in ihrer Flotte haben, im Vergleich zu europäischen Nachbarn noch eher gering: 35 Prozent sind es in Deutschland, in Schweden sind es 54 Prozent der Unternehmen und in den Niederlanden 56 Prozent.
Woran liegt der deutlich niedrigere Anteil?
Nun, hierzulande sehen die Betriebe noch einige Hürden, was die Elektrifizierung der Flotte angeht. Vor allem wurmt die Unternehmen die eingeschränkte Reichweite der Fahrzeuge, 66 Prozent geben das als Problem an. Auch bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur hapert es. Dass es zu wenige Lademöglichkeiten gibt, sagen 60 Prozent der befragten Betriebe. Und weitere 59 Prozent stören sich an zu langen Ladezeiten. 56 Prozent finden auch einfach die Anschaffungskosten zu hoch.
„Die richtigen Partner können Unternehmen dabei helfen, die vermeintlichen Hürden bei der Verkehrswende auszuräumen – etwa durch den Zugriff auf eine immer stärker wachsende öffentliche Ladeinfrastruktur“, sagt Ferman Bustamante, Geschäftsführer von Vattenfall Smarter Living. „Unternehmen mit eigener Fahrzeugflotte sollten sich außerdem schon jetzt mit dem Umstieg auf Elektrofahrzeuge sowie möglichen Ladeinfrastrukturlösungen auseinandersetzen, da ab 2025 eine neue Ladesäulenverordnung greift: Ab 20 firmeneigenen Stellplätzen wird dann eine Mindestanzahl von Ladestationen vorgeschrieben“, betont Bustamante.
André Vieregge, Leiter Mobility Services bei der Schunk Group, sieht in der Elektromobilität einen der wesentlichen Trends der Flottenversicherung: „Im Bereich der E-Nutzfahrzeuge wird bis Ende 2023 noch ein weiterer Anstieg erwartet. Es wird prognostiziert, dass bis 2030 etwa ein Drittel aller neu zugelassenen Nutzfahrzeuge in Europa, Nordamerika und China emissionsfreie Fahrzeuge sein werden, die von Batterien, Wasserstoff oder Brennstoffzellen angetrieben werden. Namhafte Nutzfahrzeughersteller bieten bereits jetzt eine immer größere Auswahl an E-Fahrzeugen an“, sagt er. Im Rahmen dieser Entwicklung steige ebenfalls die Nachfrage nach Ladestationen auf Firmengrundstücken mit öffentlichem Zugang.
Gibt es aber auch etwas zu beachten, wenn es um die Versicherung der E-Flotte geht? Auf jeden Fall, meint der Experte. Besonders wichtig sei es etwa, „die höheren Anschaffungskosten bei der Festlegung der Versicherungssummen zu berücksichtigen. Zudem müssen auch der Austausch beschädigter Akkus sowie die erhöhten Abschlepp- und Bergungskosten aufgrund der spezifischen Risiken bei Elektrofahrzeugen angemessen abgesichert sein“, so Vieregges Rat.
Fehlbedienung bei Akkus
Bei den Akkus bietet sich zum Beispiel die Allgefahrendeckung an, die auch die Fehlbedienung einschließt. Dann sind nur Material- oder Konstruktionsfehler sowie Schäden aufgrund von Verschleiß nicht mitversichert. Auch Schäden an der Ladestation/Wallbox durch Fehlbedienung und mutwillige Beschädigung sollen abgedeckt sein, ebenso wie das Ladekabel, das während des Ladevorgangs durchaus gestohlen werden oder von einem Tier angenagt werden könnte.
Vieregge beobachtet neben dem Trend zur E-Flotte aber auch andere Entwicklungen, die Fuhrparkinhaber umtreiben. Stichwort: Kosten. „Aufgrund der Inflation sind sowohl die Schadenkosten als auch die Schadenquoten gestiegen, was wiederum eine Anpassung der Prämien in der Flottenversicherung wahrscheinlicher macht“, sagt er.
Das sieht auch Versicherungsmakler Matthias Kather so, der sich auf die Versicherung von Taxis spezialisiert hat: „Die gestiegenen Kosten und die Aufforderung der Bafin, die Reserven den aktuellen Bedingungen anzupassen, führen zu einer deutlichen Beitragsanpassung in der gesamten Sparte Kraftfahrzeug. Die Versicherungsunternehmen halten sich noch zurück und suchen den Kompromiss zwischen notwendiger Beitragsanpassung und im Markt durchsetzbarer Beitragsanpassung.“ Die notwendige liege nach Informationen der Versicherungsunternehmen über 10 Prozent. Die durchsetzbare Beitragsanpassung dürfte unter 10 Prozent rangieren, meint Kather.
KFZ-Sparte rutscht in die roten Zahlen
Tatsächlich hat der Versichererverband GDV vor Kurzem ein sehr pessimistisches Bild für die KFZ-Versicherer gemalt. Einem Beitragswachstum von 3,7 Prozent in der KFZ-Versicherung stünden gestiegene Leistungen von rund 12 Prozent gegenüber. Einfach ausgedrückt: Die KFZ-Versicherer geben in diesem Jahr deutlich mehr aus, als sie einnehmen, die Sparte rutscht tief in die roten Zahlen. Am Ende drohe ein versicherungstechnischer Verlust von mehr als 2,5 Milliarden Euro. „Unterm Strich stehen jedem eingenommenen Euro Ausgaben von 1,09 Euro gegenüber“, fasst GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen die Lage zusammen.
Der Grund für diese Entwicklung: die hohe Inflation. „Sowohl die Ersatzteile als auch die Arbeit in den KFZ-Werkstätten werden immer teurer“, sagt Asmussen. Dieser Trend zeige sich bereits seit Längerem. „Im vergangenen Jahr dürfte ein durchschnittlicher Sachschaden in der KFZ-Haftpflichtversicherung von PKW mit rund 3.700 Euro zu Buche geschlagen haben – 2013 waren es noch 2.400 Euro“, rechnet der GDV-Hauptgeschäftsführer vor. Hinzu kommt, dass die Unfallzahlen und damit auch die Schäden nach einer zwischenzeitlichen Corona-Delle, Stichwort Mobilitätseinschränkungen, wieder deutlich gestiegen sind. Letztendlich dürften die Versicherer also an der Preisschraube drehen, was auch Flottenkunden treffen wird.
Schadenkosten reduzieren helfen
Kann man da als Versicherungsmakler etwas tun? Ja, findet André Vieregge. „Wir unterstützen unsere Kunden bei der Schadenprävention. Mit unserer Schunck-eigenen Risikomanagementberatung erarbeiten wir gemeinsam mit den Kunden präventive Maßnahmen, die auf deren individuelle Bedürfnisse zugeschnitten sind. Durch individuelles Schadenmanagement und innovative Kooperationspartner helfen wir unseren Kunden dabei, Schadenkosten zu reduzieren und den administrativen Aufwand zu senken.“
Einen weiteren Weg sieht Versicherungsmakler Robert Radicke. Um hohe Schadenquoten und zusätzlich hohe Kosten im Fuhrpark von vornherein zu vermeiden, setzt er auf regelmäßige Flottenschulungen, die Experten durchführen. „Diese sollte der Versicherungsmakler vorschlagen und anschließend einen Kontakt zum Anbieter herstellen“, rät Radicke.
In diesen praxisorientierten Workshops gehe es unter anderem um die Aufarbeitung der bisherigen Fahrweise, die Wiederholung von Gefahrensituationen und die Frage, wie diese vermieden werden können. Neben der Vermeidung von Unfällen und Schäden stehe auch das effiziente Fahren auf dem Programm, um Kraftstoff zu sparen und Verschleiß zu minimieren. „Reale Berechnungen in Unternehmen haben ergeben, dass hier beispielsweise bei einem Fuhrparkbetrieb mit 25 Fahrzeugen jährlich etwa 25.000 Euro an Versicherungsprämien, Kraftstoff und Verschleiß eingespart werden können“, sagt Radicke.
Um die Nachhaltigkeit zu erhöhen und auch neue Mitarbeiter zu schulen, sollte dieser Workshop mindestens alle zwei Jahre wiederholt werden, schlägt der Makler vor. „Wenn Versicherungsmakler diese Erfahrungen nutzen, um ihre Flottenkunden in diesem Bereich zu unterstützen und zu beraten, dann ergibt sich eine echte Partnerschaft auf Augenhöhe“, sagt Radicke. Und der Unternehmer spare sich neben hohen Kosten viel Zeit und Aufwand mit der Schadenregulierung und der Reparatur verschlissener Fahrzeuge. Radicke: „Damit kann er sich voll und ganz auf das konzentrieren, was ihm Erträge bringt: sein Kerngeschäft.“ Ein klassische Win-win-Situation also.