Kolumne

Ist dem Staat das Auto wirklich mehr wert als unsere Gesundheit?

Die Bundesregierung reagiert auf die stark gestiegenen Kraftstoffpreise und entlastet Autofahrer beim Tanken. Gleichzeitig bringt die GKV-Reform Leistungskürzungen und höhere Zuzahlungen für Versicherte. bKV-Experte Senator h.c. Marco Scherbaum hinterfragt deshalb in seiner aktuellen Kolumne die staatlichen Prioritäten und fragt: Welchen Stellenwert hat unsere Gesundheitsversorgung?
Marco Scherbaum ist Experte und Spezialmakler für die betriebliche Krankenversicherung (bKV).
© Presse Marco Scherbaum
Marco Scherbaum ist Experte und Spezialmakler für die betriebliche Krankenversicherung (bKV).

Die Politik reagiert auf steigende Kraftstoffpreise und greift ein. 17 Cent weniger pro Liter Benzin oder Diesel. Rund 2,5 Milliarden Euro Entlastungsvolumen, getragen von Bund und Ländern. Wer täglich auf sein Auto angewiesen ist, spürt die hohen Kraftstoffpreise unmittelbar. Pendler genauso wie Unternehmen. Das steht außer Frage.

Für mich wirft die staatliche Reaktion darauf jedoch eine grundsätzliche Frage auf: Welche Prioritäten setzen wir bei der Gesundheitsversorgung?

Entlastung beim Tanken – Belastung bei der Gesundheit?

Denn während der Staat bei steigenden Spritpreisen mit Milliarden unterstützt, erleben wir bei der Gesundheitsversorgung eine andere Entwicklung. Das beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll fast 19 Milliarden Euro einsparen. Teil der Reform sind Leistungskürzungen und höhere Zuzahlungen für Versicherte.

In meiner letzten Kolumne habe ich bereits beschrieben, warum das nicht nur die Versicherten betrifft. Wenn Einsparungen den Zugang zu medizinischen Leistungen erschweren oder Wartezeiten verlängern, können verzögerte Behandlungen auch längere Ausfallzeiten in den Unternehmen bedeuten.

Milliarden gegen den Preisschock an der Zapfsäule – und gleichzeitig Rotstift bei der Gesundheitsversorgung? Diese Prioritätensetzung hinterfrage ich.

Menschen. Unternehmen. Staat.

Gesundheit schafft Leistungsfähigkeit – und wird damit zum ökonomischen Faktor für Menschen, Unternehmen und Staat.

Genau deshalb wünsche ich mir auch bei der Gesundheitsversorgung mehr staatliches Engagement.

Viele Arbeitgeber sind längst bereit, in die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu investieren – etwa über eine betriebliche Krankenversicherung (bKV), die bessere medizinische Versorgung und hochwertige Prävention ermöglicht.

Warum schafft der Staat nicht stärkere steuerliche Anreize für Unternehmen, die freiwillig in die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden investieren? Genau deshalb halte ich eine Modernisierung der Sachbezugsregelungen für Gesundheit und Pflege für überfällig.

Der Staat muss Gesundheitsversorgung nicht allein finanzieren. Er kann Arbeitgeber stärker unterstützen, die freiwillig in die Gesundheit ihrer Beschäftigten investieren.

Mir geht es nicht darum, Auto und Gesundheit gegeneinander auszuspielen. Die hohen Kraftstoffpreise belasten Menschen und Unternehmen. Aber wenn der Staat Milliarden mobilisiert, um an der Zapfsäule zu unterstützen, wünsche ich mir dieses Engagement auch für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft.

Gesundheit schafft Wohlergehen und Leistungsfähigkeit. Leistungsfähigkeit schafft Produktivität. Produktivität sichert Wohlstand.

Eine zukunftsfähige Politik sollte diese Zusammenhänge stärker in den Blick nehmen.

Über den Autor

Senator h.c. Marco Scherbaum ist bKV-Makler, Geschäftsführer der Health for All GmbH & Co. KG, Wirtschaftssenator und Aufsichtsrat des Europäischen Wirtschaftssenats, Vorsitzender der Gesundheitskommission (European Economic Senate) sowie Keynote-Speaker und Fachbuchautor.

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