Mini-Serie, Teil 2

Altersvorsorgedepot-Musterfall: Menschen mit 40 Jahren

Sven Ebert, Key Account Manager bei Flossbach von Storch, rechnet im Rahmen einer Studie drei Musterfälle für das Altersvorsorgedepot detailliert mit echten Rendite-Szenarien durch. Im zweiten Teil geht es um Menschen im mittleren Alter und die geeignete Aktienquote. Und die Frage, ob Ablaufmanagement wirklich was bringt.
Sven Ebert, Key Account Manager bei Flossbach von Storch: Lohnt es sich, die Aktienquote vor Ablauf der Sparphase zu senken?
© Flossbach von Storch
Sven Ebert, Key Account Manager bei Flossbach von Storch: Lohnt es sich, die Aktienquote vor Ablauf der Sparphase zu senken?

Die Vorteile für junge Menschen, begründet durch Zinseszinseffekt und einen langen Anlagehorizont, haben wir im ersten Teil der Serie zum Altersvorsorgedepot bereits beleuchtet. Heute sehen wir uns den Arbeitnehmer mittleren Alters genauer an.

Der 40-jährige Arbeitnehmer

Auch im mittleren Lebensalter können sich einige Chancen eröffnen. Ein 40-jähriger Arbeitnehmer hat zwar 20 Jahre weniger Zeit zum Vermögensaufbau als ein 20-Jähriger. Eventuell hat er aber bereits Ersparnisse gebildet, etwa in Form einer betrieblichen Altersversorgung oder einer (vorgezogenen) Erbschaft. Was kann er in den verbleibenden 30 Jahren bis zum Ruhestand im Alter von 70 Jahren mit dem Altersvorsorgedepot noch an Ersparnissen aufbauen?

Wir gehen wieder von der maximal geförderten Beitragssumme von 1.800 Euro aus. Über 30 Jahre ergeben sich bei Einzahlungen von 2.340 Euro pro Jahr insgesamt 70.200 Euro. Tabelle 1 zeigt das im Median erreichbare Kapital und das Kapital bei schlechtem und gutem Verlauf des Kapitalmarktes in Abhängigkeit von der Aktienquote.

Tabelle 1: Ersparnisse im Alter 70 bei Sparbeginn im Alter 40 mit verschiedenen Aktienquoten in verschiedenen Pfaden bei einer Einzahlung von 2.340 Euro pro Jahr (gerundet). In Klammern: Real erzieltes Vermögen nach Kosten und Inflation (Quelle: Eigene Berechnungen, Flossbach von Storch Research Institute. Erwartete Rendite vor Kosten und Inflation. In Klammern: Endwerte nominal, nach 1% Kosten und 2% Inflation)
Tabelle 1: Ersparnisse im Alter 70 bei Sparbeginn im Alter 40 mit verschiedenen Aktienquoten in verschiedenen Pfaden bei einer Einzahlung von 2.340 Euro pro Jahr (gerundet). In Klammern: Real erzieltes Vermögen nach Kosten und Inflation (Quelle: Eigene Berechnungen, Flossbach von Storch Research Institute. Erwartete Rendite vor Kosten und Inflation. In Klammern: Endwerte nominal, nach 1% Kosten und 2% Inflation)

 

Besonders bemerkenswert erscheint aus unserer Sicht das Portfolio mit einem Aktienanteil von 80 Prozent. Erwartungsgemäß bietet es im Median weniger Rendite als das reine Aktienportfolio, dafür aber etwas mehr Sicherheit bei einer schlechteren Aktienmarktentwicklung (5-Prozent-Perzentil). Aber in beiden Szenarien schneidet es besser ab als die Portfolios mit geringeren Aktienquoten.

Bleibt die Frage, wie man das Vermögen im Alter am besten aufstellt. Lohnt es sich, wie vom Gesetzgeber im Standarddepot vorgesehen, zumindest fünf Jahre vor Renteneintritt die Ersparnisse durch Reduktion der Aktienquote „abzusichern“?

Wir haben das einmal für drei 40-jährige Sparer mit verschiedenen Anlagestrategien verglichen. Alle investieren bis zum Alter von 65 Jahren zu 80 Prozent in Aktien (20 Prozent Anleihen). Der erste schichtet im Alter von 65 auf 70 Prozent Aktien um. Der zweite Sparer hält in den letzten fünf Jahren vor Beginn der Auszahlungen noch 50 Prozent Aktien. Beim dritten sind es noch 30 Prozent. In Tabelle 2 zeigen sich die Effekte dieses sogenannten „Life-Cyclings“ sehr deutlich.

Tabelle 2: Ersparnisse im Alter von 70 Jahren bei einem Sparbeginn im Alter von 40 Jahren und einem „Life-Cycling“ im Alter von 65 Jahren (gerundet) (Quelle: FvS Research Institute, eigene Berechnungen. Erwartete Rendite vor Kosten und Inflation; Endwerte nominal nach 1% Kosten)
Tabelle 2: Ersparnisse im Alter von 70 Jahren bei einem Sparbeginn im Alter von 40 Jahren und einem „Life-Cycling“ im Alter von 65 Jahren (gerundet) (Quelle: FvS Research Institute, eigene Berechnungen. Erwartete Rendite vor Kosten und Inflation; Endwerte nominal nach 1% Kosten)

 

Das Ergebnis:  Jedes „Life-Cycling“ führt zu geringeren Auszahlungen als das nicht umgeschichtete Portfolio. Gleichfalls erhöht die Risikojustierung die Kalkulierbarkeit der eigenen Rente bereits fünf Jahre vor Rentenbeginn.

Das Beispiel zeigt: Geldanlage ist immer individuell. Wie viel Planbarkeit jeder Sparer möchte, muss jeder letztlich selbst entscheiden – ganz nach den persönlichen Bedürfnissen und der Gesamtschau auf das Vermögen im Alter. Eine allzu starke Absenkung der Aktienquoten, wie im Standarddepot vorgesehen, erscheint aus unserer Sicht jedoch eher wenig ratsam. Auf die Ansparphase folgt eine Auszahlphase von 20 Jahren oder länger. Wer Aktienanlagen zu früh meidet, verschenkt die Renditechancen über lange Zeiträume.

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