Wie viel Pech man haben kann, schildert ein Makler auf Facebook. Ein Mann wollte demnach einen Baum abtransportieren und knotete ihn an seinen Traktor. Er fuhr los und spannte damit für kurze Zeit das Seil über eine Straße. Genau in diesem Augenblick bog der Kunde des Maklers auf seinem Motorrad um die Kurve.
Er überlebte den Sturz, landete aber mit verletztem Rückgrat im Krankenhaus. „Wie bescheuert muss man sein“, schimpfte der Makler. In seinen Augen muss die Haftpflicht des Traktor-Besitzers greifen, und er selbst meldete die Sache der Unfallversicherung seines Kunden. Am Sonntagmorgen.
Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass Unfälle mit dem Motorrad direkt auf die Knochen gehen. Und wie wenig Schuld man selbst daran zu haben braucht. Ein Ölfleck reicht schon aus, damit man aus der Kurve fliegt.
Doch wer Motorrad fährt, weiß das. Und wer auch nur ein einziges Mal bei Sonnenschein auf einer Landstraße durch blühende Rapsfelder geglitten ist, kennt auch diese pure Freude auf zwei Rädern. Der Grat, auf dem man dabei wandert, ist nun mal schmaler als ein Motorradreifen.
Entsprechend wichtig ist es natürlich, gut versichert zu sein. So tat der Kunde des Maklers auf Facebook gut daran, auch sich selbst unfallzuversichern. „Eine Unfallversicherung ist sehr wichtig, jeder Motorradfahrer sollte eine haben“, bestätigt Norman Timmermann. Der Makler von EFA Assekuranz interessiert sich nicht nur stark für Autos, wie Sie hier lesen können, sondern betreut auch zahlreiche Kunden mit Motorrad.
Die können bei Unfallversicherungen allerdings nur auf ein eingeschränktes Angebot zugreifen – denn Motorradfahren gilt bei manchen als gefährliches Hobby. „Andere akzeptieren es aber, wenn der Kunde gelegentlich fährt. Und das heißt: einfach nur nicht täglich“, so Timmermann.
Die hauptsächlichen Motorradversicherungen funktionieren erst einmal ähnlich wie die KFZ-Policen. Der Markt unterscheidet zwischen der vorgeschriebenen Haftpflicht und der freiwilligen Teilkasko und Vollkasko. Hinzu kommen mögliche Optionen. Die Prämien richten sich laut Timmermann hauptsächlich nach Leistung und Höchstgeschwindigkeit der Maschine.
Weiter unten auf der Leiter stehen Chopper und Cruiser, jene Maschinen mit viel Chrom, breiten Sitzen und den Fußrasten vorn. Deren Fahrer sind eher gemütlich unterwegs, und deshalb sind es die Prämien auch. Ganz oben hingegen finden sich sogenannte Sport-Tourer und Supersportler. Als Beispiel im „oberen Leistungssegment“ nennt der ADAC die Honda CBR 1000 RR-R Fireblade mit 218 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von knapp 300 Kilometern pro Stunde. Das ist dann nicht mehr ganz so gemütlich.
Bei der Tarifwahl sind die üblichen Schieberegler vorhanden. Es gibt Schadenfreiheitsklassen, und jeder zusätzliche Fahrer verteuert die Sache. Wer weniger fährt, zahlt auch weniger, und Selbstbeteiligungen drücken die Prämie auch noch. Wer nur von April bis Oktober fahren will – und an schönen Februar-Tagen problemlos zugucken kann –, der holt sich das günstigere Saisonkennzeichen.
Doch es gibt Feinheiten, die die Motorradversicherung vom Auto unterscheiden. Da wäre zunächst die Diebstahlquote. In dieser Hinsicht sind die Zahlen des Versichererverbands GDV deutlich: 2023 haben Langfinger 4 von 10.000 kaskoversicherten Autos geklaut, aber 14 von 10.000 Motorrädern. Das ist eine 3,5-mal so hohe Quote. Weshalb das Legaltech-Unternehmen Rightnow in seinem Blogbeitrag klar schreibt: „Für Motorräder empfiehlt sich wegen der Diebstahlversicherung mindestens eine Teilkasko.“
Angenehmer Nebeneffekt: Dadurch sind auch Unfälle mit Tieren abgedeckt. Standardgemäß ist es Haarwild. Doch oft weiten die Versicherer das aus. Die Rating-Agentur Franke und Bornberg hat Motorradversicherungen für den Nachrichtensender „NTV“ bewertet. Zwei Beispiele aus den Top 5 mit den höchsten Punktzahlen kommen von Verti und Hanse-Merkur. Beide sichern Unfälle mit „Tieren aller Art“ ab und stehen damit ganz sicher nicht allein da. Ein Blick in die Bedingungen hilft.
Einen speziellen Tipp hat der Bund der Versicherten (BdV) parat: Versicherte sollten darauf achten, dass der Versicherer auf den „Einwand der grob fahrlässigen Herbeiführung des Versicherungsfalls“ verzichtet. „Nur unter dieser Voraussetzung leistet die Versicherung auch, wenn man sein Motorrad zum Beispiel trotz Sturmwarnung draußen abstellt und so einen Schaden riskiert“, erklärt BdV-Vorständin Bianca Boss.
Ein weiterer Punkt ist der hinzubuchbare sogenannte Fahrerschutz. Den gibt es zwar in der KFZ auch, in der Motorradversicherung ist er aber mangels schützender Karosserie wichtiger – und teurer. Außerdem böten drei Viertel der Versicherer gar keinen an, schätzt Norman Timmermann. Der Fahrerschutz greift bei selbstverschuldeten Unfällen beziehungsweise bei fremdverschuldeten, wenn der Verursacher Fahrerflucht begeht. Er zahlt je nach Tarif Schmerzensgeld, Umbau- und Reha-Maßnahmen, Haushaltshilfen sowie Witwen- und Waisenrente und gleicht sogar Verdienstausfälle aus. Ein paar Beispiele für die wenigen Anbieter sind VHV, Hanse-Merkur und R+V.
Eher verzichtbar, wenngleich unter Autofahrern hochgeschätzt, sind Schutzbriefe. Aus folgenden Gründen: Motorradfahrer nutzen ihre Maschine nur selten für den täglichen Arbeitsweg, sind also auch nicht allzu sehr auf sie angewiesen. Wenn sie mal nicht anspringt, fällt allenfalls ein schöner Ausflug flach. Und selbst dann muss man sie im Normalfall nicht abschleppen lassen. Andererseits bekommt man so einen Schutzbrief für schmales Geld, bei der Hanse-Merkur kostet er beispielsweise 11,90 Euro im Jahr.
Wer es sich leisten kann, nimmt die Vollkasko hinzu. „Ob sich der höhere Beitrag lohnt, kommt hauptsächlich auf die Fahrweise und das Alter des Motorrades an“, heißt es von den Rightnow-Autoren. Der Hauptnutzen ist derselbe wie beim Auto: Die Vollkasko zahlt Schäden am Fahrzeug, wenn der Fahrer sie selbst verursacht hat.
Bemerkenswert sind die Preisunterschiede: Die Vollkasko ist die mit Abstand teuerste Versicherung, weil Unfallschäden am Motorrad meist Totalschäden sind. „Während ein Auto schnell stehenbleibt, rutscht die Maschine noch weiter und kracht dann irgendwo gegen“, erklärt Timmermann. Als Beispiel nennt er die Vollkasko für eine zwei Jahre alte Mittelklasse-Suzuki-Maschine, die trotz 300 Euro Selbstbeteiligung 500 Euro oder mehr kosten kann. Die Teilkasko würde bei derselben Maschine nur 55 Euro kosten.
Die reine Haftpflicht ist im Vergleich zur Vollkasko ein regelrechter Schnapper – bei einem Cruiser kann man sie schon für deutlich unter 100 Euro im Jahr bekommen. Auch hier liegt der Grund im Wesen. Während Autos bei Unfällen viele andere Dinge zerstören und Menschen verletzen oder gar töten können, passiert das beim Motorrad deutlich seltener. Sie schädigen meistens nur sich selbst und ihre Fahrer. Weshalb die eben besonders gut zu versichern sind.
Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.