Bafin fragte Fondsanbieter

ESG-Datenangebot offenbar zu teuer und zu schwach

Fast alle Fondsanbieter beziehen ESG-Daten und -Ratings von spezialisierten Anbietern. Sie brauchen sie, damit sie Fonds nachhaltig managen können. Eine aktuelle Bafin-Studie befasst sich mit solchen Daten und Angeboten. Nicht alles ist schlecht, aber vieles könnte definitiv besser sein. Und ein Problem sticht besonders hervor.
Henry Fernandez ist seit 1998 Chef des Index- und Datenhauses MSCI: Als Anbieter von Nachhaltigkeitsdaten ist MSCI besonders beliebt
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Yen Meng Jiin
Henry Fernandez ist seit 1998 Chef des Index- und Datenhauses MSCI: Als Anbieter von Nachhaltigkeitsdaten ist MSCI besonders beliebt

Für Fondsanbieter sind ESG-Daten lebenswichtig. Berichts- und Transparenzpflichten in Sachen Nachhaltigkeit steigen stetig und auch im Fondsmanagement spielen ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Kriterien (ESG-Kriterien) eine zunehmend wichtige Rolle. Wer Fonds nachhaltig managen will, braucht Daten und Informationen über die Investitionsobjekte.

Die Finanzaufsicht Bafin hat daher bei 30 Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) in Deutschland nachgefragt, wie sie mit ESG-Daten umgehen und wie sie die Datenlage bewerten (zur Studie geht es hier).

Knapp 30 Prozent der Fondshäuser bewerten selbst

Der Großteil der KVGen (83 Prozent) nutzt externe Anbieter und verwendet deren ESG-Daten und ESG-Ratings. Am beliebtesten ist hierbei MSCI (84 Prozent), gefolgt von ISS (44 Prozent), Bloomberg (28 Prozent) und Sustainalytics sowie Solactive (jeweils 20 Prozent). Die meisten KVGen nutzen mehr als einen Anbieter. Der Großteil verlässt sich ebenfalls weitgehend auf externe Ratings, nur knapp 30 Prozent haben ein hauseigenes Bewertungsverfahren für die Nachhaltigkeit von Unternehmen.

Zu den wichtigsten Auswahlkriterien der externen Datenanbieter zählen die Datenqualität und Datenabdeckung sowie die Transparenz der Methodik. Service und Reputation sind ebenfalls relevant, und auch die Kosten. Und diese werden von den meisten (81 Prozent) als zu hoch eingeschätzt.

Fondsgesellschaften über die Kosten für ESG-Daten (Quelle: Bafin)
Fondsgesellschaften über die Kosten für ESG-Daten (Quelle: Bafin)
Gelieferte ESG-Daten werden auf Plausibilität geprüft

Fast alle KVGen prüfen die externen ESG-Daten und Ratings mithilfe von unterschiedlichen Mechanismen auf ihre Qualität und Plausibilität. Bislang haben aber nur 20 Prozent davon bereits unplausible Daten festgestellt. Die Datenanbieter passen häufiger ihre Methodik an, wie sie Daten erheben und Ratings erstellen. 70 Prozent der KVGen haben solche potenziellen Änderungen stets im Blick.

Wichtiger Kritikpunkt: Mangelnde Vergleichbarkeit

Eine häufig erhobene Kritik an ESG-Daten, die auch die befragten KVGen teilen, ist ihre mangelnde Vergleichbarkeit. Zu unterschiedlich gehen die Datenanbieter vor und zu unterschiedlich sind ihre Schwerpunkte. Daneben monieren viele KVGen die Datenqualität. Nur rund 38 Prozent betrachten sie als „hoch“.

Als größtes Problem bei Erhebung und Umgang mit ESG-Daten und Ratings, nennen die KVGen: eine teils mangelnde Qualität, die zum Teil schlechte Datenabdeckung, die mangelnde Aktualität sowie die geringe Vergleichbarkeit und Transparenz der ESG-Daten und der zugrundeliegenden Ratingmethodik. Auch würde sich so manche KVG wünschen, dass Datenanbieter ihre Fragen schneller beantworten.

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Autorin

Sabine

Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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