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Wie sieht die neue Förderung im Altersvorsorgedepot aus, wann lohnt sich noch Riester? Diese und weitere Fragen beantworten wir im neuen eMagazin. Darin enthalten: der Link zu unserem Roundtable mit konkreten Handlungsempfehlungen für Maklerinnen und Makler.
Pfefferminzia: Was gefällt Ihnen an der Altersvorsorge-Reform der Bundesregierung?
Jens Göhner: Wir begrüßen, dass die private Altersvorsorge wieder auf der Agenda der Bundesregierung steht, denn ohne zusätzliche kapitalgedeckte Vorsorge wird die Rente nicht ausreichen. Positiv ist, dass die Reform die Kapitalmarktorientierung stärkt und unterschiedliche Produktvarianten zulässt. Kunden haben künftig eine Wahlmöglichkeit, ob und welcher Höhe sie Garantien integrieren möchten oder voll auf Renditeorientierung setzen. Gelungen ist auch die Vereinfachung der Förderung und die Integration der Selbstständigen. All dies kann dazu beitragen, dass die neuen Angebote in der Öffentlchkeit, bei Verbraucherschützern und nicht zuletzt bei den Kunden auf breite Akzeptanz stoßen.
Wo greift die Reform Ihrer Ansicht nach zu kurz?
Göhner: Der Umgang mit dem Langlebigkeitsrisiko kann uns als Versicherer nicht gefallen. Denn die Kunden können alternativ zu einer lebenslangen Rente einen Auszahlplan wählen. Hier besteht die Gefahr, dass sie ihre eigene Lebenserwartung unterschätzen und das Kapital zu früh aufgebraucht ist. Am Ende muss dann vielleicht wieder die Solidargemeinschaft mit der staatlichen Grundsicherung einspringen. Die unterschiedlichen Garantievarianten und die Wahlmöglichkeiten bei der Auszahlung ermöglichen es, das Altersvorsorgedepot stärker an die individuellen Präferenzen, Risikoneigungen und Vorsorgeziele der Kundinnen und Kunden anzupassen. Diese Flexibilität geht jedoch mit einer höheren Komplexität einher. Ohne fachliche Unterstützung dürfte es vielen Kundinnen und Kunden schwerfallen, die für sie passende Kombination aus Garantieniveau und Auszahlungsoptionen zu wählen. Daraus ergibt sich zugleich ein Vorteil für die Beratungsbranche: Beraterinnen und Berater können ihre Expertise gezielt einbringen und Kundinnen und Kunden bei der Auswahl einer bedarfsgerechten Lösung unterstützen.
Der Staat als Produktgeber für das Altersvorsorgedepot – ist das noch ein Level Playing Field für alle Anbieter?
Göhner: Nein, denn der Staat ist in einer Doppelrolle. Er legt die regulatorischen Rahmenbedingungen fest und tritt gleichzeitig über das staatlich organisierte Standardprodukt selbst als Wettbewerber auf. Wir finden, der Staat sollte die Spielregeln festlegen und deren Einhaltung überwachen und der Markt – also wir Produktgeber – sollten für das Produktangebot, die Produktentwicklung und für die Kundenbetreuung zuständig sein. Ich finde es außerdem erstaunlich, dass jahrelang auf der politischen Ebene keine Akzeptanz für die Reduzierung der Riester-Garantien vorhanden war, und nun wird es das staatlich organisierte Standardprodukt ausschließlich ohne Garantien geben.
Wie beurteilen Sie die Marktchancen des staatlichen Produkts?
Göhner: Ich glaube nicht, dass ein großer Teil der Bevölkerung dieses staatlich organisierte Standardprodukt wählen wird. Schon gar nicht ohne den Impuls einer Beratung und der Möglichkeit, Rückfragen zur Funktionsweise stellen zu können. Vor der Wettbewerbssituation ist uns nicht bange, eben wegen der vielen Komplexitäten und dem Beratungsbedarf, der hier zweifellos besteht.
Wann wird die Stuttgarter ein Altersvorsorgedepot-Produkt am Start haben?
Göhner: Wir planen zu Januar 2027 attraktive Lösungen anzubieten. Das war für uns keine Frage, denn wir hatten immer Riester-Produkte im Angebot. Für uns ist das ein logisches Anknüpfen. Wir planen die komplette Bandbreite, sowohl ein Standardprodukt als auch die weiteren Varianten von Lösungen ohne Garantie bis hin zu sicherheitsorientierten Varianten.
Wie viel höher schätzen Sie den Beratungsaufwand durch die Reform?
Göhner: Der Beratungsaufwand steigt natürlich. Beraterinnen und Berater müssen bei einem Neukunden, der keine Riester-Rente hat, klären und erklären: Will der Kunde eine Garantie oder nicht? Wie ist sein familiärer Stand? Wie funktioniert die Fördersystematik für ihn? Für Kunden mit Riester-Rente muss eruiert werden, ob sich ein Wechsel in die neue Förderung lohnt, für viele wird das vorteilhafter sein. Beraterinnen und Berater müssen nachfragen, ob die 100-Prozent-Garantie erhalten bleiben soll oder ob auch weniger Garantie ausreichent. Das alles muss abhängig vom Einkommen, finanzieller Situation, Restlaufzeit et.cetera mit dem Kunden individuell besprochen werden.
Dazu ist sicher entsprechende Weiterbildung erforderlich?
Göhner: Natürlich benötigen Beratende dazu Informationen, Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen. Diese werden unter anderem wir natürlich anbieten. Dazu gehören auch Tools, um die bisherige Riester-Förderung mit der neuen Systematik zu vergleichen. Das alles bereiten wir gerade vor. Wir werden bedarfsgerechts Handwerkszeug für die Kundenberatung liefern.
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