Aushalten oder aussteigen?

So diszipliniert bleiben ETF-Anleger

Halten ETF-Sparer überhaupt durch, wenn sie langfristig Vermögen aufbauen sollen? Oder werden sie wuschig, wenn es an den Aktienmärkten wackelt? Das Indexfondshaus Vanguard hat mal nachgesehen.
US-Präsident Donald Trump und seine legendäre Tabelle mit Strafzöllen am 2. April 2026: ETF-Anleger kauften in den Turbulenzen gezielt nach
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Mark Schiefelbein
US-Präsident Donald Trump und seine legendäre Tabelle mit Strafzöllen am 2. April 2026: ETF-Anleger kauften in den Turbulenzen gezielt nach

Ist es wirklich so einfach, wie vor allem Verbraucherschützer gern annehmen? Wer vorsorgen will, spart einfach 40 Jahre oder länger in einen ETF im Wertpapierdepot? Und zwar ohne zwischendurch im Crash die Nerven zu verlieren oder nach guten Aktienjahren schwach zu werden und das Geld einfach auszugeben.

Welche Disziplin Anleger aufbringen, hat ausgerechnet einer der größten Indexfondsanbieter der Welt untersucht. In seinem „Portfolio-Check 2026“ untersuchte Vanguard rund 166.600 echte Portfolios mit einem Gesamtvolumen von 6,8 Milliarden Euro. Zwei Jahre lang wertete es Millionen Transaktionen aus führenden Portfolio-Tracking-Apps aus. Das ist kein wirklich repräsentativer Zeitraum für langfristigen Vermögensaufbau. Aber er liefert Einblicke und Anhaltspunkte.

Mit erfreulichen Nachrichten, meint zumindest Vanguard. Denn die beobachteten Anleger behielten ihre Strategie größtenteils bei. Über ein Drittel ging im gesamten Zeitraum überhaupt nicht ans Guthaben ran. Auch auf Quartalsbasis verkaufte mehr als die Hälfte der Anleger nichts aus dem Depot. Und per Saldo überwogen Käufe die Verkäufe – die Kunden bauten also Vermögen auf.

Allerdings waren nicht alle vor einer gewissen Nervosität gefeit. Als US-Präsident Donald Trump 2025 mit seinen Strafzöllen um die Ecke bog, handelte ein Teil der Anleger deutlich stärker als sonst. Immerhin stiegen sie nicht massenhaft aus, sondern kauften im Gegenteil gezielt nach.

Tägliche Käufe verglichen mit Verkäufen rund um US-Zollankündigungen. Die linke Achse zeigt das Handelsvolumen in Euro, die rechte Achse den Anteil der Verkäufe an allen Transaktionen (Quelle: Stolper, Scheld, Vanguard)
Tägliche Käufe verglichen mit Verkäufen rund um US-Zollankündigungen. Die linke Achse zeigt das Handelsvolumen in Euro, die rechte Achse den Anteil der Verkäufe an allen Transaktionen (Quelle: Stolper, Scheld, Vanguard)

 

Dazu muss man allerdings festhalten, dass Aktienturbulenzen in den vergangenen zwei Jahren nie wirklich lange dauerten. Einen richtigen Crash über ein Jahr oder mehr gab es lange nicht mehr.

Ein weiterer ausgewerteter Punkt betrifft das sogenannte Rebalancing. Darunter versteht man, die Originalstruktur des Depots regelmäßig wiederherzustellen: Verlustpositionen kauft man nach, Gewinnpositionen fährt man zurück.

Laut Studie bekommen Anleger mit größeren Depots (ab 50.000 Euro) das schon ganz gut hin. Jene mit kleineren Depots (bis 50.000 Euro) lassen das schleifen.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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