Die eigene Pflegebedürftigkeit im Alter ist ein Thema, das Menschen gern verdrängen. Beschäftigen sie sich doch einmal damit, denken die meisten nicht als erstes ans Geld, vielmehr fürchten sie den Verlust der Selbstständigkeit. In einer Umfrage im Auftrag von Swiss Life Deutschland unter Erwachsenen in Deutschland geben 69 Prozent die Abhängigkeit von anderen als ihre größte Sorge an.
Die persönliche finanzielle Belastung fürchten 47 Prozent. Dabei ist ihnen bewusst, dass diese Last erdrückend sein kann. Immerhin 41 Prozent schätzen den monatlichen Eigenanteil in einem Pflegeheim realistisch auf 3.000 Euro oder mehr.
Für viele ist das deutlich zu viel: Zwei von drei Befragten fühlen sich für den Fall von Pflegebedürftigkeit finanziell schlecht oder sehr schlecht abgesichert. Die private Pflegezusatzversicherung müsste daher eigentlich boomen. Tut sie aber nicht: Nur 9 Prozent der Befragten haben eine solche Versicherung abgeschlossen.
57 Prozent sehen dafür aktuell „keine Notwendigkeit“ und verlassen sich stattdessen mehrheitlich auf die gesetzliche Pflegeversicherung und Sozialleistungen (56 Prozent). Fraglich, ob das der richtige Weg ist. Angesichts der alternden Bevölkerung gerät die gesetzliche Pflegeversicherung immer stärker unter finanziellen Druck. Hier dürfte künftig, ähnlich wie im Krankenversicherungssystem, mit Einschnitten für die Versicherten zu rechnen sein. Das Gesetz zur Neuordnung der Pflegeversicherung (PNOG), dessen Entwurf Ende September im Kabinett verabschiedet wurde, ist nur ein kleiner Vorgeschmack. Die große Pflegereform steht noch aus. Wie für die Rentenreform soll auch hier eine Kommission einberufen werden, die Vorschläge unterbreitet.
Von denjenigen, die bereits eine Zusatzversicherung abgeschlossen haben und Pflege im eigenen Umfeld erlebt haben, geben 45 Prozent an, dass genau diese Erfahrung ihre Entscheidung beeinflusst hat. „Persönliche Erfahrung kann also ein Auslöser sein – aber sie darf nicht die Voraussetzung für Vorsorge sein. Denn viele andere Befragte haben Pflegebedürftigkeit in ihrem Umfeld erlebt und handeln trotzdem nicht. Genau dort müssen wir früher ansetzen“, betont Stefan Holzer, Mitglied des Vorstands von Swiss Life Deutschland. Für ihn ist die private Vorsorge für eine spätere Pflegebedürftigkeit kein Luxus, sondern die notwendige Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben bis zuletzt.
Das Beratungspotenzial ist also groß und wird bisher anscheinend kaum genutzt. 61 Prozent der Menschen ohne Pflegezusatzversicherung wurden noch nie – weder von ihrer Bank noch von einem Versicherungsvermittler – auf das Thema Pflegevorsorge angesprochen. Weitere 23 Prozent der Umfrageteilnehmer haben gar keinen festen Ansprechpartner für Finanzfragen. „Millionen Menschen in Deutschland sind beim Thema Pflegevorsorge noch ohne professionelle Beratung – obwohl der Bedarf längst da ist“, so Holzer.
Wenn es um die Wahl eines Anbieters geht, zählt für die Befragten vor allem eines: Vertrauen. 73 Prozent halten faire Behandlung im Leistungsfall für „sehr wichtig“. Genauso viele fordern Verlässlichkeit und Sicherheit. Schnelle Leistungsabwicklung folgt dicht dahinter (70 Prozent). Der Preis ist für 64 Prozent ausschlaggebend.
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