Immobilien und Energie

Junge Leute kaufen günstig und modernisieren dann

Die Immobilienplattform Europace beobachtet: Junge Menschen kaufen lieber energetisch schwache Häuser – und bringen sie dann auf Vordermann. Das nötige Budget planen sie in der Finanzierung gleich mit ein.
Haus zu kaufen: Welcher Energiestandard?
© picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod
Haus zu kaufen: Welcher Energiestandard?

Junge Immobilienkäufer finanzieren häufiger ältere und energetisch schwache Immobilien. Das zeigt eine Auswertung der Immobilienplattform Europace zum deutschen Immobilienfinanzierungsmarkt. Der Kern: Wer jünger ist, wählt öfter Immobilien mit niedrigeren Energieeffizienzklassen – und plant Modernisierungen häufig gleich mit.

Die Datengrundlage bilden über Europace angelegte Finanzierungsvorgänge vom 1. Januar 2025 bis zum 31. Juli 2026. Die Ergebnisse beziehen sich auf die dokumentierte Teilmenge und bilden nicht den Gesamtmarkt ab.

Mehr F, G und H

Bei den bis 25-Jährigen entfallen 35,2 Prozent der finanzierten Immobilien auf die Effizienzklassen F, G oder H. In der Gruppe der 26- bis 30-Jährigen sind es 32,3 Prozent, unter den 31- bis 36-Jährigen noch 31,2 Prozent.

Umgekehrt wächst der Anteil der Klassen A+ und A mit dem Alter. Er liegt bei den unter 25-Jährigen noch bei 10,9 Prozent und steigt auf 18,7 Prozent bei den 31- bis 36-Jährigen. Dazu passt der finanzielle Spielraum: Unter 25-Jährige kaufen Immobilien im Median für rund 251.000 Euro, Käufer zwischen 31 und 36 Jahren für rund 333.000 Euro.

Europace schränkt ein: Die Daten belegten keine individuelle Kausalität zwischen Finanzierungssumme und Objektwahl. Sie zeigten aber, dass sich mit dem erreichbaren Preisniveau auch die Qualität der finanzierten Immobilien zugunsten energetisch besserer Objekte verschiebt.

In rund jedem dritten Kauf der bis 36-Jährigen steckt Modernisierungsbudget: 34,3 Prozent bei den unter 25-Jährigen, 35,1 Prozent bei den 26- bis 30-Jährigen und 34,8 Prozent bei den 31- bis 36-Jährigen. Die geplanten Beträge liegen im Median zwischen rund 40.000 und 48.000 Euro. Relativ zum Kaufpreis setzen Unter-25-Jährige mit 19,3 Prozent mehr an als Käufer zwischen 31 und 36 Jahren mit 17,6 Prozent.

Europace-Vorstand und Stefan Münter sagt dazu: „Gen Z und Millennials haben ihr Kaufverhalten an die schwierigen Rahmenbedingungen angepasst. Statt eigenkapitalintensiv zu bauen, kaufen sie Bestandsimmobilien und machen sie mittels Modernisierung zukunftsfähig.“

Preisgefälle sichtbar

A+-Immobilien kosten im Median rund 465.000 Euro, Objekte der Klasse D rund 257.000 Euro. Europace warnt aber vor zu einfacher Lesart: A+-Objekte seien im Median jünger und unterschieden sich zudem nach Objektart, Fläche und Lage. Je Quadratmeter sinkt der Preis über die Energieklassen hinweg von rund 3.919 Euro bei A+ auf rund 1.877 Euro bei H.

Auch Hitze taucht in den Daten auf. Eine Analyse der Value AG auf Basis von Angebotsdaten findet im Häusermarkt ein erstes schwaches Signal: In besonders der Hitze ausgesetzten Lagen lag das relative Preisniveau gegenüber 2021 je Standardabweichung der Hitzeexposition – rund neun zusätzliche Hitzetage im Jahr – um rund 1,4 Prozent niedriger.

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