Pfefferminzia: 125 Jahre Continentale Lebensversicherung – was waren die größten Meilensteine?
Helmut Hofmeier: Da gibt es seit der Gründung als Pensionsverein 1892 in München viele. Das Organisationsabkommen 1952 mit der Volkswohl Krankenunterstützungskasse – der heutigen Continentale Krankenversicherung – ist der Ursprung unseres Versicherungsverbundes mit der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit.
Mitte der 50er Jahre waren wir einer der ersten Versicherer, der mit einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) auf den Markt kam. Mitte der 70er Jahre folgte die selbstständige BU und 1994 die fondsgebundene Versicherung mit einem breiten Fondsportfolio. 2013 haben wir die Easy-Rente eingeführt, eine sehr einfache und flexible Rentenversicherung, die wir als klassische und als fondsgebundene Variante anbieten. Und nun haben wir seit 1. September 2017 die kapitalmarkteffiziente Klassik mit der Continentale Rente Classic Pro und der Rente Classic Balance.
Vor welchen Herausforderungen steht die Assekuranz in den nächsten zehn Jahren?
Hofmeier: Inmitten der anhaltenden Niedrigzinsphase die vielen Verbraucherinformationen wie IDD oder PRIIPs erfolgreich umzusetzen und dabei sowohl die Substanz zu halten als auch weiterhin zu wachsen, ist eine Herausforderung für jeden Versicherer. In den nächsten fünf bis zehn Jahren sehe ich zwei Megatrends: Einerseits die Alterung der Gesellschaft mit vielen gesellschaftspolitischen Fragen, auf die die Assekuranz Antworten finden muss. Andererseits die zunehmende Menge an Daten, die uns zur Verfügung stehen. Welche Erkenntnisse gewinnt man daraus und wie sollte man sie sinnvoll verwerten? Wir müssen uns fragen, wie setzen wir das gegenüber Kunden und Vertriebspartnern um?
Haben Sie eine Devise, einen Leitgedanken?
Hofmeier: Die Continentale setzt klar auf den Vermittler als ersten Kunden. Wir stellen alle Prozesse so auf, dass er davon profitiert und damit seinen Kunden gut beraten kann. In den nächsten zehn Jahren wird in der Assekuranz wohl mehr passieren als in den letzten 30 Jahren. Erratische Aktionen sind dabei sinnlos, denn ein Versicherer muss Sicherheit ausstrahlen, für den Vertriebspartner und für die Endkunden. Sonst ist es nicht möglich, das Thema Altersvorsorge vernünftig anzugehen.
Was war Ihre Motivation für die Lancierung der Continentale Rente Classic Pro und Continentale Rente Classic Balance?
Hofmeier: Es gab mehrere Treiber, mit einer kapitaleffizienten klassischen Produktlinie mit Beitragsgarantie unsere Produktpalette zu erweitern. Erstens geht es um Kunden, die sich nicht sonderlich um die Ansparphase kümmern und sich auf den Produktgeber verlassen möchten. Zweitens die steigende Lebenserwartung, die von vielen Menschen aus ihrer Erfahrung heraus systematisch unterschätzt wird. Dazu kommt, dass wir andere Ansprüche ans Alter haben als unsere Großeltern. Wir haben ein Auto, Hobbys, Reisen und möchten mobil sein. Ich bezweifele, dass wir das allein aus der gesetzlichen Rentenversicherung finanzieren können. Drittens: Wir benötigen eine Abgrenzung zur Investmentbranche, die nicht nur aus letztlich unzuverlässigen steuerlichen Vorteilen bestehen darf. Wir bevorzugen daher den garantierten Rentenfaktor. Denn dort steckt ein zuverlässiges Versprechen darin. Der Kunde sollte wissen, wie viel Mindestrente er sein Leben lang aus seinem angesparten Kapital erhalten wird. Ohne Rentenfaktor müsste man weiterhin primär über Rendite beraten. Und das ist angesichts der Niedrigzinsphase eine Dummheit.
Ersetzt die kapitalmarkteffiziente Klassik die „alte“ Klassik?
Hofmeier: Sie wird wohl Teile der klassischen Rente kompensieren, weil sie bedarfsgerechter ist. Unsere klassischen Renten bleiben aber im Angebot, denn wir wollen die Vermittler nicht verunsichern und sie werden von sehr sicherheitsorientierten Kunden gewünscht. Sie werden vor allem in der betrieblichen Altersversorgung nach wie vor verkauft, der Produktionsanteil liegt bei etwa 20 Prozent. Wir bieten diese Produkte auch unter Solvency II an – und wir können uns dies angesichts einer SCR-Quote von knapp 290 Prozent ohne Übergangsmaßnahmen auch erlauben. Das Thema Nachhaltigkeit und Vertrauen gegenüber Kunden und Vermittlern ist uns, als Versicherungsverbund auf Gegenseitigkeit, sehr wichtig.
Inwieweit kann in der Altersvorsorge auf Garantien verzichtet werden?
Hofmeier: Im Rentenbezug braucht der Kunde Garantien. Ich kann mir schwerlich eine Altersrente vorstellen, bei der das Rentenniveau absenkbar ist. Das ist einfach nicht bedarfsgerecht. Fondsgebundene Renten sind auch sehr sinnvolle Produkte, nur müssen sich Vermittler und Kunde eben auch darum kümmern. Ich verstehe nicht, warum unsere Branche die Kunden nicht viel besser über die Depotstände informiert, gerade die Beratung während der Ansparphase sollte eine größere Rolle spielen. Ein Investmentfonds hat einen kürzeren Zyklus als eine Lebensversicherung. Ihr Bankberater spricht Sie ja auch regelmäßig auf Ihr Depot an. Das würde ich mir bei einem Altersvorsorge-Berater auch so vorstellen. Natürlich brauchen Sie dazu die entsprechenden Informationen tagesaktuell. Das ist eine komplexe Aufgabe, sollte aber über Schnittstellen zu Morningstar etc. branchenweit möglich sein.
Kommendes Jahr wird das LVRG evaluiert. Erwarten Sie hier weitere die Lebensversicherer entlastenden Maßnahmen?
Hofmeier: Es gibt Tendenzen für ein LVRG II. Dahinter steckt der Wunsch, Erleichterungen in Bezug auf die Bildung der Zinszusatzreserve zu bekommen. Das ist bei der Continentale nicht so ausgeprägt, weil wir einen anderen Bestandsmix mit einem niedrigeren Anteil an konventionellen klassischen Produkten als der Branchendurchschnitt aufweisen. Im Gegenzug wird diskutiert, Provisionen nochmals zu regulieren und zu begrenzen. Wenn nun jedoch die Einnahmen weiter stark reduziert werden, kann es dazu kommen, dass die Existenz vieler Vermittler auf dem Spiel steht. Sicher sollte man Provisionsexzesse verhindern. Auf der anderen Seite gilt es, die Beratungsqualität im Kundeninteresse zu sichern. Und das geht nur mit einer auskömmlichen Vergütung der beratenden Vertriebswege.
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