Altersvorsorgedepot und Beratung

Die Bayerische kabbelt sich mit Scalable Capital

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion nahm sich die Bayerische eine öffentliche Werbung des Neobrokers Scalable Capital vor und … äh … ergänzte sie. Ein Angriff soll es jedoch definitiv nicht sein.
Ergänzte Werbung von Scalable Capital am Münchner Stachus
© Die Bayerische
Ergänzte Werbung von Scalable Capital am Münchner Stachus

Da ist jemand auf sanften Krawall gebürstet: Über Nacht setzte der Versicherer die Bayerische einer Werbung des Neobrokers Scalable Capital am Münchner Stachus eine spitze Bemerkung hinzu.

Fragte Scalable Capital auf seinem Plakat noch forsch: „Bist du besteuert?“, konterte die Bayerische mit einem draufprojizierten „Bist du beraten?“ Es folgten ein „Altersvorsorge braucht mehr als eine App“ und ein fröhliches „GaLiGrü die Bayerische“. Man grüßt sich also trotzdem lieb.

Das ist zweifellos ein charmanter Konter auf die Scalable-Werbung. Als Angriff will der Versicherer das Ganze auch gar nicht verstanden wissen. So schreibt Vorstandschef Martin Gräfer auf Linkedin: „Das ist kein Feldzug gegen ETFs oder Neobroker. Im Gegenteil, ich bin großer Fan davon, dass Kapitalmarktanlage einfacher, günstiger und digitaler wird.“

Was also dann? Es ist einfach ein weiterer Beitrag zur großen Frage, wie die Deutschen das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot nutzen werden. Bedienen sie sich selbst bei Neobrokern und zahlen somit kaum Gebühren? Oder gehen sie zum Berater, lassen sich dort finanziell durchchecken und fügen es in ein Gesamtkonzept ein? Dafür benötigt der Berater aber Provision, was die Sache verteuert. Ein entsprechendes Grundsatzpapier veröffentlichte heute auch der Maklerpool BCA.

Andererseits werfen Neobroker kraftstrotzend ihre Nahe-Null-Gebühren-Modelle des Altersvorsorgedepots auf den Markt und locken mit zusätzlichen Köderkonditionen. Das Rennen um Kunden läuft.

Die Bayerische stellt sich – nicht ganz überraschend – auf die Seite des Gesamtkonzepts. „Wir sind große Fans des Kapitalmarkts, aber Altersvorsorge ist kein reines Klickprodukt“, sagt Gräfer. „Wer 30 oder 40 Jahre für seinen Ruhestand spart, trifft Entscheidungen mit enormer finanzieller Tragweite. Gute Beratung hilft dabei, Kosten, Renditechancen, Steuern, Förderung, Risiken und die spätere Auszahlung zusammenzudenken.“

Weshalb sein Unternehmen nun einfach mal diese Aktion fuhr.

Auf Linkedin sammelte Gräfer dafür übrigens einiges an Lob. Ein Kommentator freut sich, dass die Bayerische „dagegenhält“, denn Scalables Sprüche findet er „schwierig“. Ein weiterer würde noch die Frage hinzusetzen: „Bist du ein Lockvogelangebot?“ Denn in der Tat ist völlig unklar, ob und wie Scalable Capital die Kampfkonditionen dauerhaft halten will. Ein Kommentator allerdings sieht in der Aktion offenbar Probleme und findet, dass die Sache ein juristisches Nachspiel haben könnte/sollte.

Vielleicht nimmt es Scalable aber auch einfach nur: locker.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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