„Bild“ im Alarm-Modus

Der Rentenschock, der gar keiner sein dürfte

Die „Bild“-Zeitung hat sich mit der gesetzlichen Rente befasst und sendet eine Schockwelle durch die Medienlandschaft. Allerdings mit einer Nachricht, die überhaupt nicht neu ist.
Rentner mit Kuchen: Wie hoch steigt der Beitrag zur gesetzlichen Rente im Jahr 2028?
© picture alliance / SvenSimon | Malte Ossowski
Rentner mit Kuchen: Wie hoch steigt der Beitrag zur gesetzlichen Rente im Jahr 2028?

In den Medien gibt es gerade einen Rentenschock, der im Grunde überhaupt nicht neu ist. Die Zahlen sind schon lange bekannt, dürften also niemanden wirklich überraschen.

Los geht es mit der „Bild“-Zeitung, die gewohnt forsch titelt: „Nächster Renten-Knall steht schon kurz bevor!“ Der „Spiegel“ greift das auf, kommt aber schon deutlich ruhiger daher und meint: „Rentenversicherung rechnet mit leicht stärkerem Anstieg der Beiträge.“ Ja, was denn nun? Sehen wir doch mal nach.

Grundlage für beide Schlagzeilen ist die sogenannte „Frühjahrsfinanzschätzung 2026 für die allgemeine Rentenversicherung“. Verfasst hat sie die Deutsche Rentenversicherung Bund.

Darin findet sich eine Prognose, wie sich der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) in den kommenden Jahren entwickeln dürfte. 2027 bleibt es demnach bei den aktuellen 18,6 Prozent. Doch 2028 springt es auf 19,9 Prozent und gleich im Jahr darauf auf 20,0 Prozent. Bis 2035 soll es auf 20,9 Prozent hinauf gehen.

Dazu muss man sagen: Was die „Bild“ hier als große Überraschung verkauft, ist komplett kalter Kamillentee. Es ist zwar nicht falsch, dass der genannte „Megasprung“ auf 2028 passiert. Auf den dürfen wir uns tatsächlich heute schon freuen. Aber es eben auch nicht neu. Und angedeutet hatte es sich ohnehin schon, nachdem die Ampelkoalition einst das teure Rentenpaket II durchgedrückt hatte (mehr dazu lesen Sie hier).

Insofern trifft der „Spiegel“ eher den Kern. Denn er beruft sich darauf, dass die bisherigen Prognosen von 19,8 Prozent für 2028 ausgehen. Somit steigt der Beitrag nach neuer Schätzung in der Tat etwas stärker als gedacht, nämlich um 0,1 Prozentpunkte. Wobei der „Spiegel“ gleich die … na ja … gute Nachricht hinzufügt: Für 2030 wurden bisher 20,1 Prozent Beitrag erwartet. Die neue Schätzung liegt 0,1 Prozentpunkte tiefer. Aber es ist auch noch über drei Jahre hin.

Damit wäre alles geklärt. Doch da ist noch eine Präsentation der Bundesvorstandschefin der Rentenversicherung, Anja Piel. Sie stammt aus dem Juni 2025 (also vor dem Rentenpaket 2025) und enthält nochmal andere Zahlen. Für 2027 findet sich darin ein Beitragssatz von 18,8 Prozent und für 2028 sogar schon von 20,0 Prozent. Mehr als in der neuen Prognose, was wiederum eine gute Nachricht wäre.

Dafür gibt Piel das Rentenniveau allerdings für 2027 und 2029 mit jeweils 48,1 Prozent an. In der aktuellen Frühjahrsschätzung ist nur noch von 48,0 Prozent die Rede.

Wie das eben so ist, mit den Prognosen.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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