Der Produkt-Check, Teil IX

Pangaea Life – so geht Nachhaltigkeit

Im Dschungel der Versicherungstarife ist es schwierig, die Perlen zu finden. Jeden Monat stellt unser Gastautor Christian Geier, Vorstand der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl, daher in seiner Kolumne ein Produkt vor, und gibt seinen Senf dazu. Dieses Mal: Die nachhaltige fondsgebundene Rentenversicherung von Pangaea Life.
© FP Finanzpartner
Christian Geier ist Vorstand bei der FP Finanzpartner AG.

Man muss nicht unbedingt Bayern-München-Fan sein, um „die Bayerische“ nicht zu mögen. Keine Sorge, dass wird hier kein unreflektierter Verriss des Trikotsponsors von 1860 München. Aber die doch etwas turbulente Unternehmensgeschichte sei zumindest ohne tiefere Details angerissen. Und damit auch die Tatsache, dass die Bayerische im Grunde mehr ein pfiffiger Markenauftritt („Versichert nach dem Reinheitsgebot“) ist, der entstand, nachdem man 2012 den Reset-Knopf gedrückt hatte.

Denn dahinter verbirgt sich eine Konzernstruktur, in der verdächtig oft ein bei manchem vorurteilsauslösender Begriff auftaucht (Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G., Bayerische Beamten Versicherung AG, Neue Bayerische Beamten Versicherung AG), den man samt Schatten der Vergangenheit mit dem bayerischen Löwen in sattem weiß und blau marketingtechnisch brillant und fast schon ein wenig zu klischeehaft wegretuschiert hat. Darüber hat sich dann die Versicherungskammer Bayern tierisch aufgeregt. Aber das ist eine andere Geschichte (und außerdem zugunsten der Neu-„Bayerischen“ entschieden).

Mehr Schein als Sein? Nein, ganz im Gegenteil. Die Bayerische ist die Kreativbude der deutschen Versicherungswirtschaft. Wer kennt nicht die „Plusrente – Cashback für die Altersversorgung“, bei der man über Shoppen und Tanken sein Altersvorsorgekonto in Payback-Manier aufmörtelt. Es gibt schlechtere Marketing-Gags (auch wenn es am Ende mehr oder weniger genau das ist). Oder die E-Scooter-Versicherung, die praktisch schon auf dem Markt war, als es die Gefährte dazu noch gar nicht gab. Oder die hübsche Zahnfee, die den Zahnzusatztarif „Zahn Prestige“ aus dem Stand an die Spitze der Bewegung katapultiert hat.

Überhaupt muss man sagen: Was man in München-Neuperlach anpackt, das macht man g’scheit. Auch die neue Grundfähigkeitsversicherung ist bedingungs- und preisseitig von 0 auf die 1 in den gängigen Charts. Die AVBs für die Altersversorgungsprodukte sind einwandfrei. Und – ohne dass ich da der Experte bin – auch in der Kfz-Versicherung stellt man alle andere ins Abseits, wenn die Entscheider das gerade so haben möchten.

Pangaea Life startete 2017

Das Problem an der Sache ist: Manchmal ist es Zuviel des ohne Zweifel Guten. Ein innovatives Produkt jagt das andere, spartenübergreifend und immer auf die Zwölf – ein scharfes Profil entsteht so nicht. Leider. Denn so hat es auch die „Pangaea Life“ schwer bei mir. Wieder was Neues. Wieder was Gewitztes. Aber ist es auch von Dauer?

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass man es sehr ernst meint mit diesem Vorstoß, der ja schon 2017 begonnen hat. Drei Jahre später wird man dafür belohnt, dass es in Bezug auf die Nachhaltigkeits-Intensität aktuell keiner in der Branche mit diesem Produkt aufnehmen kann. Warum? Fast alle Versicherer heften sich inzwischen in Form von „ESG-Fonds“ (Environment, Social, Governance) das Nachhaltigkeits-Etikett ans Revers.

Einzelwerte in ESG-Fonds oft nicht allzu nachhaltig

Wer sich, egal in welchem dieser Fonds, die Einzelwerte anschaut, wird schnell ein Unternehmen finden, das ihn zweifeln lässt. Beispiel aus dem Fonds „Raffeisen-Nachhaltigkeit-Mix (R) (A)“: Daimler (Verbrenner…), Linde (Gas…), Procter & Gamble (Plastikwindeln…). Pangaea Life dagegen ist „Impact Investing“, das sind Investitionen mit der gezielten Absicht, neben einer positiven finanziellen Rendite messbare, positive Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesellschaft oder beides zu erzielen.

Und hey, wer sich da jetzt auf den Standpunkt stellt, dass Rotorblätter von Windkraftanlagen (noch) nicht recycelt, sondern als Sondermüll vergraben werden und der für den Bau benötigte Beton als heimlicher Klimakiller gilt…, ja, Bundesbedenkenträger… Pangaea betreibt genau diese Form der „Direkt-Ökologie“. Aktuell sind es fünf (bald sechs) Projekte:

  • Je ein Windpark in Dänemark und Norwegen
  • 21 Wasserkraftwerke in Nord-Portugal und
  • Zwei Photovoltaik-Parks in Portugal
  • Ein Photovoltaik-Park in Spanien (Inbetriebnahme voraussichtlich nächstes Jahr)

Das ist noch überschaubar, und noch darf man auch von Klumpenrisiken sprechen. Es wächst aber.

Und wer sich mit den einzelnen Projekten beschäftigt, wird feststellen, dass die Kollegen dort wirklich einen bündigen und überzeugenden Entscheidungsparcours gebaut haben, bis es eine Beteiligung wirklich in die Endauswahl schafft. Bei entsprechendem Angebot am Markt können noch Waldinvestments, Energiespeicher oder energieeffiziente Maßnahmen (Beispiel: eine Kommune rüstet auf energiesparende Straßenlampen um) dazukommen.

Dass ausgerechnet Aquila den Fonds managt, erfüllte mich zunächst mit Sorge. Bei Direktbeteiligungen mit denen lief und läuft es, gelinde gesagt, nicht immer rund. Aber die Bayerische betont die eigene Handschrift – mit eigenem Anlageausschuss, externen Experten und klugen Verträgen, so dass ich Aquila als Erfüllungsgehilfen wahrnehme und nicht als Bestimmer.

Vorteile der Fondspolicen-Lösung

Das wirklich Besondere an der Sache ist, dass wir es hier mit einer fondsgebundenen Rentenversicherung zu tun haben. Dass die Bayerische dafür die Genehmigung bekommen hat, ist alleine schon sehr beachtlich. So aber hat der Anleger eine Reihe an Möglichkeiten und Vorzügen, die er bei der Direktanlage nicht hat:

  • Insolvenzschutz durch Protektor
  • Neben Einmalanlagen auch monatliches Sparen möglich oder eine Kombi
  • Entnahmen (eine kostet 30 Euro, aber das ist ok)
  • Rückkauf (in den ersten zehn Jahren zwar mit bis zu 2 Prozent Strafzins und bei schlechter Lage des Fonds kann die Auszahlung bis zu zwölf Monate dauern, aber das ist erst recht ok)
  • Sogar einen garantierten Rentenfaktor, der nicht hoch ist, aber trotzdem
  • Das Vertragsvermögen kann während der Laufzeit in „gewöhnliche“ Fonds aus dem Portfolio der „Bayerischen“ übertragen werden
  • Auszahlung als Rente (bald vielleicht sogar als Fondsrente!?)

Als Bayern-Fan darf ich jetzt natürlich nicht ins Schwärmen geraten, aber wie man das Problem der Illliquidtät gelöst hat, ist eben schon auch anerkennenswert. Es gibt zwei Teilfonds. Einer beschreibt das Fondskapital der Pangaea Life, der im Sicherungsvermögen der Bayerischen praktisch gespiegelt wird. So sind immer flüssige Mittel da. Und um die Projekte zu stemmen, wenn sie sich anbieten, investiert auch die Mutter kräftig mit. Von den aktuell knapp 200 Millionen Euro Fondsvermögen stammen mehr als zwei Drittel direkt aus München.

Außerdem hat man nicht an Transparenz gespart. Die zahllosen Risikohinweise – natürlich auch mit dem Horrorbegriff des Totalverlusts und dem mindestens ebenso unbeliebten „Blind-Pool“ – sind Legion und wären ohnehin verpflichtend gewesen. Pangea geht sehr offen damit um, es gibt sogar ein eigenes „Promotion-Blatt“ dazu. Damit es wirklich zur bösen Null kommt, muss aber schon so viel schief gehen, dass konventionelle Versicherungsprodukte dann wahrscheinlich das gleiche Schicksal erleiden würden.

Es gibt einen Honorartarif und möglicherweise bald einen mit der Vermittlervergütung auf das Nettoanlagevermögen, was einfach schlüssig wäre. Im Normaltarif betragen die Abschlusskosten 2,5 Prozent und die Stückkosten stehen ebenfalls fix bei 30 Euro im Jahr. Bei den Verwaltungskosten ist zu unterscheiden zwischen Einmalbeitrag (3 Prozent einmalig) und bis zu 9 Prozent bei laufenden Beiträgen (pro Jahr), was nicht wenig ist.

Die Kosten aufs Vertragsvermögen sehen nicht so schlimm aus und sind gestaffelt von 0,3 Prozent per annum (bei wenig Kapital) bis 0,06 Prozent (ab 150.000 Euro). Und es gehen ja noch 1,14 Prozent aus dem Fonds weg, dazu nicht näher aufgeführte weitere laufende und Transaktions-Kosten. Dann ist es in der Summe tatsächlich kein Schnäppchen mehr. Jedoch gemessen an der Komplexität der Konstruktion definitiv ok.

Klotzen statt kleckern

Das führt auch zu der Empfehlung, nicht zu kleckern, wenn man das Produkt seinem Kunden ans Herz legt. 100 Euro monatlich (eher mehr) und mehr als 30.000 Euro als Einmalzahlung sollten es schon sein, um eine spürbare Fixkostendegression zu erreichen. Von Laufzeiten unter zehn bis zwölf Jahren ist abzuraten. Man hat mir freundlicherweise „Live-Verträge“ gezeigt, die nicht übel ausgesehen haben. Mit voller Up-Front-Vergütung nach drei Jahren im grünen Bereich, das ist gut.

Überhaupt performt der Fonds an sich mit 6,5 Prozent seit Auflegung ansprechend und hat sich – was Wunder bei der Aufstellung – gegen Corona bestens behauptet. Nach Kosten liegt man also bei sehr ordentlichen rund 4,5 Prozent.

44 Tonnen Kohlendioxid gespart

Jawoll, es kann noch das ein oder andere verbessert werden und man gibt bei der Bayerischen offen zu, dass die Lernkurve sehr steil ist. Dafür ist man aber auch Pionier. Und so, wie es jetzt ist, ist es schon richtig fein. Da muss man Vorstand Martin Gräfer nicht übermäßig dafür bewundern, dass er offen betont, eigenes Geld in das Produkt gesteckt zu haben.

Eher schon für das schöne Bild, dass er dazu zeichnet:  „[…] Mit einer Pangaea Einmalanlage in Höhe von 50.000 Euro lassen sich rund 44 Tonnen CO2 einsparen, was in etwa der Emission von 370.000 Auto-Kilometern entspricht.“ Und einen Baum pflanzen sie auch noch für jeden Vertrag. Das verzeiht jedes Trikotsponsoring.

Fazit: So wie Pangaea ein Urkontinent war, so ist Pangaea Life die „Mutter Erde“ aller nachhaltigen Versicherungsinvestments. Respekt und Anerkennung.

8,5 von 10 Punkten
Über den Autoren

Christian Geier, Jahrgang 1974, ist Vorstand bei der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl und Sicherung der Beratungsqualität. Zudem leitet er dort das umsatzstärkste Ressort „Personenversicherungen“. Der promovierte Kultur- und Betriebswirt berät dabei immer noch seine eigenen Kunden und lebt und arbeitet im niederbayerischen Straubing.

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