Ich arbeite auf Provisionsbasis. Aus Überzeugung. Warum? Dafür möchte ich euch einen kleinen Einblick in meinen Arbeitsalltag geben.
Zunächst einmal natürlich die Wurzel allen Übels: Ich verdiene mein Geld bei Abschluss einer Versicherung. Bis dahin zu diesem Punkt sind alle meine Leistungen für den Kunden kostenfrei.
Bis dahin bin ich mit meinem potenziellen Kunden seine Ist-Situation durchgegangen, habe seine Ziele und Wünsche besprochen und ihm ein Angebot erstellt. Unter Umständen habe ich mir die Bedingungen seiner jetzigen Versicherungen durchgelesen, Unterschiede herausgearbeitet und habe zwischendurch mit dem Kunden unter Umständen mehrmals telefoniert, per WhatsApp geschrieben oder sonst irgendwie kommuniziert, um Fragen zu beantworten.
Wenn der Kunde sich für eine Versicherung entschieden hat, verdiene ich das erste Mal Geld. Je nach Versicherung deckt das nicht den Zeitaufwand, den ich vorher hatte. Das ist aber mein Problem und nicht das Problem des Kunden, denn ich habe mich dafür entschieden, mir soviel Arbeit zu machen, damit der Kunde weiß, dass er richtig abgesichert ist.
Wenn der Kunde mein Kunde ist, wechsle ich nicht meine Handynummer. Ich bin weiterhin rund um die Uhr für meine Kunden ansprechbar. Versicherungsschäden halten sich nicht an Öffnungszeiten, also ist es für mich selbstverständlich, dass ich es auch nicht tue.
Viele Kunden nutzen das auch. Abends nach Feierabend oder auch am Wochenende. Vielleicht ist es ein Schaden, den sie melden wollen, vielleicht auch einfach nur mal eine Rückfrage. All das ist für den Kunden kostenfrei – weil ich möchte, dass meine Kunden jederzeit gut schlafen können. Weil ich möchte, dass meine Kunden finanziell abgesichert sind und ihre Ziele erreichen. Ich möchte, dass keiner meiner Kunden unter einer Brücke schlafen muss, weil er nicht mehr arbeiten kann oder seine Rente nicht reicht.
Wie sich das rechnet? Meine Arbeit ist für meine Kunden und mich eine „Win-Win“-Situation. Und ich möchte betonen: Das erste „Win“ gehört meinem Kunden. Erst dann, erst wenn der Kunde aus der Beratung seinen Win zieht, freue ich mich über mein Win. Dadurch empfehlen mich meine Kunden gerne weiter. Dadurch kommen auch mal Verträge zu Stande, für die ich mehr Provision bekomme. Es ist am Ende also eine Mischkalkulation.
Verdiene ich an einer Lebensversicherung mehr als an einer Haftpflichtversicherung? Auf jeden Fall! Interessiert es mich, ob mein Kunde Lebensversicherung A oder Lebensversicherung B nimmt? Mich interessiert, dass der Kunde die für ihn beste Absicherung hat. Für mich macht das von der Provision her (so gut wie) keinen Unterschied.
>>> Hier geht es zu den Plänen der Grünen zur Zukunft der Finanzberatung
Hab‘ ich Bock, meine Kunden zu verarschen, um mehr Geld zu verdienen? Auf keinen Fall!! Also zum einen reden wir hier nicht über tausende Euros Unterschied, zum anderen esse ich keine kleinen Kinder und meine Oma hab‘ ich auch nicht für nen 5er verkauft.
Was hätte ich davon, wenn ich meine Kunden verarsche? Vermutlich keine ruhige Nacht mehr, denn auch Versicherungsvertreter haben ein Gewissen 😉 und die ruhige Nacht würde aus zweierlei Gründen ausbleiben:
Was hätte eine flächendeckende Honorarberatung also zur Folge?
Vielleicht wäre ein Gespräch mit uns Vertretern an der ein oder anderen Stelle mal angebracht. Dann würde man feststellen, dass eine flächendeckende Honorarberatung nicht für jeden was ist. Es würde vielmehr vermutlich sogar die Altersarmut steigern.
Ein paar Beispiele:
Seite 2: „Honorarberatung löst vielleicht ein Problem, schafft dafür aber fünf neue“
Heute kompensiere ich das in der Mischkalkulation – für eine Lebensversicherung erhalte ich mehr Provision. Der Stundenlohn für eine Honorarberatung wäre hier vermutlich auch höher, weil die Arbeit anspruchsvoller ist. Die Provision ist abhängig von vielen Faktoren: Laufzeit des Vertrages und Beitrag sind nur zwei Beispiele. Wenn ich bei einem Altersvorsorgevertrag beispielsweise 1.000 Euro verdiene (brutto natürlich 😉 ) ist damit erstmals die Betreuung abgedeckt, bis der Vertrag ausläuft oder ich in Rente gehe. Im Zweifel also 30 Jahre. 30 Jahre lang betreue ich meinen Kunden kostenfrei, wenn er nicht mal aufstockt und setze mich, wenn gewünscht, alle 24 Monate mit dem Kunden hin, um zu überprüfen, ob das noch passt.
Bei der Erstberatung kann ich mit Erarbeitung eines Konzeptes locker 6 Stunden Arbeit ansetzen. Schließt der Kunde die Versicherung ab, bezahlt er diese Kosten auf 5 Jahre verteilt automatisch mit seinen Beiträgen. Schließt der Kunde nicht ab, zahlt der Kunde nichts. Bei der Honorarberatung müsste ich für 6 Stunden Aufwand für eine Altersvorsorge mindestens 600 Euro ansetzen, eher mehr. Diese sind immer und sofort zu zahlen. Egal, ob der Kunde abschließt oder nicht. Zusätzlich muss der Kunde alle zwei, drei Jahre nochmal 200 bis 300 Euro zahlen, um zu überprüfen, ob die einmal gemachte Absicherung noch ausreichend ist.
Gretchenfrage(n):
Grundsätzlich ist es leider so – und das verstehe ich auch – dass die Provisionsberatung nicht sehr gut gelitten ist, weil es schwarze Schafe gibt, die das ausnutzen. Hier erledigt der Markt irgendwann das „Problem“, denn es ist kein langfristiges Geschäftsmodell. Hier begrüße ich gerne jede Maßnahme, die das Vertrauen in unsere Arbeit stärken kann.
Die Honorarberatung löst vielleicht ein Problem, schafft dafür aber fünf neue. Hier sind auch die Kunden aufgerufen, sich vorab ein wenig zu informieren und eine Bitte: Stellt Fragen! Jede meiner Entscheidungen ein Produkt betreffend, welches ich meinen Kunden anbiete, kann ich erklären. Ich werde immer argumentieren können, warum dieses Produkt besser passt, als vielleicht ein anderes. Und wer mich kennt weiß auch: Es ist nicht immer das teuerste. Denn am Ende des Tages freue ich mich über mein Win: Wenn ihr euer Win habt und mich gerne weiterempfiehlt. Da hab‘ ich viel mehr von, als wenn ihr 5 Euro mehr in eure Hausrat zahlt und ich am Ende 20 Euro mehr verdient hätte.;-) 😉
„Als Spießer von 9 bis 5“, beschreibt sich Kathrin Lohmanns selbstironisch auf ihrer Facebook-Seite. Die Inhaberin einer Allianz-Agentur in Viersen ist aber noch mehr, wie sie auf ihrer Agentur-Website berichtet: „Ich bin Kathrin, im Herzen Punkerin und mir ist eins wichtig: Das du dir deine Träume erfüllen und deine Ziele erreichen kannst. Und ja – das geht auch als Versicherungsvertreterin. Denn das bin ich! Und ich liebe meinen Job! Die Arbeit mit meinem Team und meinen Kunden, die wirklich bedürfnisorientiert beraten werden wollen. Und niemanden brauchen, der ihnen was aufschwatzt.“
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6 Antworten
Liebe Katrin Lohmann,
ich arbeite nach genau den Kriterien, die Sie aufzählen als Maklerin. Hier steht der Kunde an erster Stelle. Denn ein zufriedener Kunde ist ein langfristiger Kunde, der weiterhin meinen Rat sucht und neben Finanzprodukten auch andere Serviceleistungen nutzt und auch seine Kinder und Freunde zu mir schickt. Vertrauen, Transparenz und Ehrlichkeit sind die Pfeiler auf denen unser Geschäft sicher stehen kann.
Böse Unterstellungen von Seiten der Politik betreffen wie immer nur wenige schwarze Schafe, die auch nicht lange am Markt verbleiben können bzw. sich immer wieder eine neue Masche ausdenken. Aber für diese Fälle sollte es ja eine Aufsicht und die Anwendung des geltenden Rechtes geben und nicht wie gerade in der Corona-Pandemie demonstriert die Sippenhaft, weil die Aufsichtsmechanismen versagen bzw. genügend Schlupflöcher aufweisen.
Und ich stimme Ihnen auch zu, dass sich Honorarberatung gerade meine Kundenklientel nicht leisten kann oder möchte und sie damit in Risiken hinein laufen, die sie nicht überblicken können. Da wir jedoch weit entfernt von einem Staat sind, der sich schlußendlich umfassend allein um seine Bürger kümmert, ist unsere Arbeit auf Provisionsbasis eine sozialpolitische Aufgabe, die immer noch unverzichtbar ist.
toller Bericht :-))