Wenn du mir, dann ich dir

Wie Maklerpools und -verbünde um ihre Zukunft kämpfen

Sie geben Maklern ein Zuhause und greifen ihnen unter die Arme, so gut es geht. Doch seit einigen Monaten ist der Markt für Maklerpools und Maklerverbünde enorm in Bewegung geraten. Allianzen werden geschmiedet, Wissen, Technik und Anschlüsse ausgetauscht. So entstehen neue Möglichkeiten für die Makler.
Die IT sollte im Beratungsgespräch einfwandfrei funktionieren, weshalb Maklerpools und -verbünde dort viel investieren
© bertholdbrodersen / Pixabay
Die IT sollte im Beratungsgespräch einfwandfrei funktionieren, weshalb Maklerpools und -verbünde dort viel investieren

Es kann manchmal so flott gehen. Noch am 9. Mai kommt in der Pressekonferenz der Maklervereinigung Vema in Fulda die Frage nach dem Wertpapiergeschäft auf den Tisch. Die Antwort ist noch übersichtlich. Es spiele derzeit keine Rolle, heißt es. Zur Frage nach Plänen, das zu ändern, will man sich nicht äußern.

Dann am 17. August der Knaller: Die Vema arbeitet ab sofort mit dem Maklerpool BCA zusammen. „Die BCA mit der Bank für Vermögen öffnet künftig ihre Investmentwelt für die Vema“, lassen die Beteiligten verlauten. An die Vema angeschlossene Makler können somit auf das Investmentuniversum der BCA zugreifen – immerhin mehr als 8.000 Fonds – und die Anlagesoftware Diva nebst Nachhaltigkeitsstrecke und Depotberichtswesen nutzen.

Außerdem steht die fondsgebundene Vermögensverwaltung Private Investing zu Diensten. Maklerherz, was willst du mehr? Mit dieser Kooperation hat die Vema sehr elegant eine große Lücke im Angebot gefüllt.

Wofür die BCA natürlich eine Gegenleistung erhält. Ihre Makler, sofern sie bestimmte von der Vema vorgegebene unternehmerische und wirtschaftliche Eigenschaften erfüllen, bekommen Zugang zu speziellen Vema-Angeboten. Von Deckungskonzepten über Tools und hauseigene Rechner für gängige Gewerbetarife bis hin zur eigenen Ausschreibungsplattform. Das dürfte wiederum die Palette an Versicherungsprodukten bei vielen BCA-Maklern ordentlich aufwerten.

Alle prüfen Position und suchen nach Schwachstellen

Der Deal ist ein Beispiel dafür, welche Bewegung in Pools und Maklerverbünde geraten ist. Es scheint, als würden alle ihre Position im Markt genau überprüfen und die Dienstleistungspalette auf Schwachstellen abklopfen.

Dabei kann auch etwas herauskommen wie bei Maxpool aus Hamburg. Der gab im Juli bekannt, mit dem Lübecker Konkurrenten Blau Direkt zusammenzuarbeiten. Denn man war sich etwas bewusst geworden, als man den Markt für Maklerpools betrachtete: „Das ist ein Rennen, in dem wir nüchtern betrachtet mit unseren hauseigenen Mitteln perspektivisch keine Chance haben“, sagte Oliver Drewes, Vorstandschef der Phönix Maxpool Gruppe in einem Interview mit „Poolworld“. Wobei er sich in erster Linie auf Technologie bezog.

Also suchte sich Maxpool jemanden, der in Technik und Fortschritt ganz vorn mitmischt, dem man aber auch eine Gegenleistung bieten kann. Und fand Blau Direkt und mit ihm sogar gleich ein ganzes Unternehmenskollektiv. Denn die Lübecker hatten vorher bereits unter anderem mit dem Maklerverbund Charta, dem Softwarehaus Zeitsprung und dem Maklerpool Wifo angebandelt. Somit können Maxpool und seine Makler nun Blau Direkts akkurat ausgebaute Infrastruktur nutzen.

Zugleich bilden die Unternehmen eine Einkaufsgemeinschaft, die Maxpool konditionell vorwärtsbringen kann. „Wir als mittelständischer Maklerpool haben es da nicht immer einfach, da bei einigen Produktgebern die jeweiligen Erwartungen kaum einzuhalten sind“, erklärt Drewes.

Seite 2: Fonds Finanz fehlte ein Maklerverwaltungsprogramm

Somit kann sich Maxpool aus dem Rennen um die beste Technik rausnehmen und auf das konzentrieren, was man bei sich als Schwerpunkt sieht: Service und Beratungsqualität. Diese fachlichen Erfahrungen und Kenntnisse erschließt sich Blau Direkt im Gegenzug. Und obendrein die Deckungskonzepte von deren hauseigenem Assekuradeur Phönix Schutzgemeinschaft. Übrigens wollen die Beteiligten nicht ausschließen, dass Blau Direkt irgendwann bei Maxpool einsteigt und Anteile übernimmt. Eine entsprechende Anfrage ans Kartellamt hat man vorsichtshalber schon gestellt.

Fonds Finanz suchte Maklerverwaltungsprogramm

Ein technisches Motiv trieb auch die Fonds Finanz aus München um, als sie sich im Herbst 2022 mit dem Deutschen Maklerverbund (DEMV) einließ. Heute stecken beide zusammen mit fast einem Dutzend weiterer Unternehmen unter dem Dach der Holding Infitech, wo man alles gebündelt hat.

So groß und dominant der Tabellenführer aus München auch wirkt – auch er hatte einen schwachen Punkt: „Ein umfassendes Maklerverwaltungsprogramm ist das letzte Technikprodukt, das wir noch nicht im Angebot haben“, räumte Fonds-Finanz-Geschäftsführer Norbert Porazik im vergangenen Jahr im Gespräch mit dem hauseigenen „FF Magazin“ ein. Der DEMV hatte eins, und zwar eins, „das als eines der besten auf dem Markt angesehen wird“, so Porazik.

Heute nutzt auch Fonds Finanz das DEMV-Programm „Professional Works“. Es soll alle Kunden- und Verwaltungsdaten in einer Datenbasis zusammenführen. Und ganz nebenbei bemerkt ergänzen sich die Beteiligten noch in zweiter Hinsicht: Denn DEMV hat sich auf Makler mit Direktanbindungen spezialisiert und Fonds Finanz ist eher – ja, logisch – mit Poolanbindungen unterwegs. Das hat man nun alles in einem Haus.

Auch kleinere Firmen sind begehrt

Doch Pools oder Verbünde fangen nicht immer nur miteinander etwas an. Immer wieder holen sie sich auch kleinere Firmen als Kooperationspartner heran oder verleiben sie sich gleich ein. Das Geben und Neben äußert sich dann darin, dass sich der Pool eine bestimmte Technologie sichert und dem Spezialisten im Gegenzug neue Kunden und Umsatz verschafft.

So bot Fonds Finanz Ende 2022 seinen Maklern an, dass sie Tarife für KFZ-Flotten auch über die Digitalplattform Thinksurance berechnen können. Und im kommenden Jahr will die Mutter-Holding Infitech über Schnittstellen eine Plattform für Immobilienkredite namens Europace anbinden.

Überhaupt, Immobilien – der Verbund VFM schloss im August eine Lücke in seinem Angebot, indem er sich mit Immoheld einließ. VFM sieht sich als Spezialist in der „ganzheitlichen Finanz- und Altersvorsorgeberatung“. Und in eine solche passen Immobilien ziemlich gut mit rein. Immoheld wiederum betreibt eine Plattform für Immobilien als Kapitalanlage. Es bereitet Informationen zu Objekten auf, bietet Marktdaten in Echtzeit und analysiert Investitionen und Renditeaussichten. Das verbreitert die Möglichkeiten der VFM-Makler enorm.

Der Verbund Charta erschloss sich wiederum ein neues Feld, indem er ebenfalls im August die Policen Direkt Versicherungsvermittlung als Partner ins geschäftliche Netzwerk holte. Das Frankfurter Unternehmen ist Maklergruppe und Technologiedienstleister zugleich und stark im Zweitmarkt für Lebensversicherungen unterwegs. Und es weiß, wie man Maklerbestände ordentlich verrenten kann – ein Wissen, das somit auch die Charta-Partner und deren Kunden nutzen können.

Seite 3: Die umtriebige JDC Group

Gegen wen das alles aber noch reichlich überschaubar wirkt, das ist die JDC Group. Die Mutter des Pools Jung, DMS & Cie. kann inzwischen eine Aktivitätenliste vorweisen, die ihresgleichen sucht.

Hier nur ein paar Auszüge: Sie hat sich 2021 mit Morgen & Morgen nicht nur eines der anerkanntesten Analysehäuser im Versicherungsmarkt gegönnt. Sie hat es auch geschafft, sich in etwas über drei Jahren von den rund 350 Sparkassen in Deutschland fast 300 als Kunden und Multiplikatoren heranzuholen. Die nutzen für ihr Versicherungsgeschäft den S-Versicherungsmanager – und damit die Systeme von JDC.

Für diesen Erfolg hat JDC Verträge mit drei Sparkassenversicherern geschlossen: Provinzial, Versicherungskammer Bayern und Sparkassenversicherung. „Damit sind wir für die nächsten Jahre der Drittversicherungspartner für die drei größten öffentlichen Versicherer, die zusammen knapp 20 Milliarden Beitragseinnahmen auf sich vereinen“, sagt JDC-Vorstand Ralph Konrad. In diesem Zusammenhang stieg die Versicherungskammer mit 6 Prozent und die Provinzial mit 5 Prozent bei JDC ein.

Spezielle Übernahmeplattform gegründet

Mit dem US-Finanzinvestor Bain Capital und der zu Great-West Lifeco gehörenden Canada Life Irish Holding hat JDC das Unternehmen Summitas gegründet. Wobei Great-West Lifeco zugleich mit knapp 27 Prozent JDCs Großaktionär ist.

Summitas hat seinen Sitz in München und ist eine „Konsolidierungsplattform für den deutschen und österreichischen Versicherungsmaklermarkt“, wie es die Beteiligten ausdrücken. Das heißt: Es soll etablierte Versicherungsmakler in Deutschland und Österreich kaufen und ihnen anschließend Zugang bieten zu Geld, zu Branchen-Know-how und zur Maklerplattform von JDC. Zweimal griff Summitas bisher zu.

Und am Ende wollte auch JDC sein Investmentgeschäft ausbauen. Zum Jahresanfang kaufte man deshalb die Top Ten Financial Network Gruppe. Die nutzt eigene Technik und betreut für etwa 1.000 Vermittler mehr als 2 Milliarden Euro an Investments. Diese Technologie nimmt JDC ins eigene Portfolio auf und stellt es angeschlossenen Beratern zur Verfügung.

Interessanterweise ist die Geschichte von Top Ten mit Jung, DMS & Cie. verbunden. Denn vor mehr als 25 Jahren verließen zehn Finanzberater den damaligen Maklerpool Dr. Jung & Partner – und machten ihm anschließend mit Top Ten direkt Konkurrenz. Na, dann: Willkommen zurück!

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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