Rente, Altersvorsorge, Freibeträge

Wahlprogramme 2025: Was die Parteien für die Rente planen

Der Wahlkampf für die kommende Bundestagswahl im Februar 2025 hat begonnen. Und nun liegen auch die ersten Wahlprogramme beziehungsweise die Entwürfe dazu vor. Wir haben nachgesehen und für CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen, SPD, FDP, AFD und Die Linke herausgesucht, wie sie sich die Zukunft der Rente und der Altersvorsorge vorstellen. Um Riester geht es dabei kaum.
Bundeskanzler Olaf Scholz (rechts, SPD) gibt am 16. Dezember Vizekanzler Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) die Hand, nachdem er die Vertrauensfrage verloren hat: Der Wahlkampf beginnt, Pläne zur Rente liegen vor
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber
Bundeskanzler Olaf Scholz (rechts, SPD) gibt am 16. Dezember Vizekanzler Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) die Hand, nachdem er die Vertrauensfrage verloren hat: Der Wahlkampf beginnt

Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025 sind die Wahlprogramme oder zumindest die Entwürfe dazu eingetrudelt. Wir haben sie für CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen, SPD, FDP AFD und Die Linke in Hinsicht auf die Pläne für gesetzliche Rente und Altersvorsorge durchsucht.

Dabei fällt auf: Die meisten Parteien bekennen sich zur gesetzlichen Rente und wollen das Niveau (gemessen am Durchschnittsverdiener mit 45 Versicherungsjahren) nach unten sichern. Manche wollen es sogar kräftig erhöhen.

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Grundsätzlich führt der Weg laut Wahlprogramm über mehr Versicherte – zum Beispiel über längere Lebensarbeitszeit, Hinzuverdienste, Frauen im Job, Beamte, Politiker und Selbstständige.

Nachträgliche Anmerkung vom 8. Januar 2025: Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hatte zum Zeitpunkt dieses Artikels noch kein Material vorliegen. Jetzt hat es für die Bundestagswahl ein „Kurzwahlprogramm“ veröffentlicht. Was darin zur Rente und Vorsorge steht, lesen Sie hier.

Aber lesen Sie selbst:

CDU/CSU

Bei den Christlichen liegt das fertige Wahlprogramm vor. Darin heißt es wörtlich: „Wir setzen auf Sicherheit und Verlässlichkeit bei der Rente, Generationengerechtigkeit, Anreize für freiwilliges Arbeiten und eine Stärkung von ergänzender betrieblicher und privater Vorsorge.“

Rentenkürzungen lehnen die Parteien ab. Stattdessen wollen sie durch wirtschaftliches Wachstum ein „garantiertes stabiles Rentenniveau und weiterhin steigende Renten“ erreichen. Auch wer vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden muss, soll sich auf „eine auskömmliche Alterssicherung verlassen können“. Allerdings sollen auch die Beitragssätze stabil bleiben.

Was den Renteneintritt angeht, wollen CDU/CSU die bestehenden gesetzlichen Regeln nicht ändern. Etwas flexibler soll alles aber werden. So wollen sie es attraktiver machen, im Alter zu arbeiten, indem sie eine Aktivrente einführen: Wer im Rentenalter freiwillig arbeitet, bekommt das Gehalt bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei. Außerdem sollen bei Witwenrenten die Grenzen für zusätzliche Verdienste steigen.

Altersvorsorgedepot schon für Kinder

Klares Ja zu den drei Säulen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Rente. Kleine und mittlere Arbeitgeber sollen Hilfe beim Abschluss von Betriebsrenten bekommen.

Außerdem soll die Vorsorge schon bei den Kindern losgehen. Der Staat soll für jedes Kind vom 6. bis zum 18. Lebensjahr pro Monat 10 Euro in ein privates Altersvorsorgedepot einzahlen. Jedes Kind, also vielmehr die Eltern, sollen es individuell zusammenstellen können.

Ab dem 18. Lebensjahr soll sich das Depot bis zur Rente weiter aufstocken lassen. Alle Erträge sollen bis zur Rente steuerfrei sein, Garantien soll es keine geben, und der Staat soll auch nicht drauf zugreifen können. Doch das Geld gibt es auch erst zur Rente.

Selbstständige wollen CDU/CSU dazu verpflichten, fürs Alter vorzusorgen, sofern sie nicht anderweitig ausreichend abgesichert sind.

Zur Zukunft der Riester-Rente und des mal geplanten Altersvorsorgedepots findet sich nichts.

Seite 2: Die Pläne der SPD für Rente und Altersvorsorge

SPD

Hier liegt der Entwurf zum Wahlprogramm vor. Darin finden wir zunächst Altbekanntes: Die Sozialdemokraten wollen das Rentenniveau (wie schon im Rentenpaket II) auf 48 Prozent festschreiben. Der reguläre Renteneintritt soll unverändert bei 67 Jahren liegen. Wer 45 Jahre Beiträge gezahlt hat, soll auch künftig zwei Jahre vorzeitig ohne Abschläge in Rente gehen können.

Grundsätzlich will die SPD die gesetzliche Rente stabilisieren und die zweite und dritte Säule (betriebliche und private Altersvorsorge) stärker fördern.

Rentenpflicht für Selbstständige? Vielleicht …

Die Partei will mehr Erwerbstätige in die gesetzliche Rente einbeziehen. Wörtlich heißt es: „Wir wollen alle Selbstständigen absichern, die oft ein hohes Schutzbedürfnis haben.“ Ist das die Rentenpflicht für Selbstständige? Ganz klar wird das daraus nicht.

In der zweiten Säule (bAV) will die SPD Angebote ohne Beitragsgarantie, aber mit höheren Renditeaussichten „stärker verbreitern“. Und sie will die steuerliche Förderung für Geringverdiener ausbauen.

Dritte Säule: Staatliche Förderung soll es nur noch für neue Altersvorsorgeprodukte geben, wenn die Kosten „transparent und gedeckelt“ sind. Die Förderung soll differenziert ausgestaltet sein und sich auf Gering- und Mittelverdiener konzentrieren.

Seite 3: Die Pläne von Bündnis 90/Die Grünen für Rente und Altersvorsorge

Bündnis 90/Die Grünen

Von Bündnis 90/Die Grünen gibt es bislang einen Entwurf fürs Wahlprogramm.

Grundsätzlich wollen sie die Kosten des demografischen Wandels gerecht über die Generationen verteilen. Langjährig gesetzlich Versicherte sollen eine „auskömmliche Rente erwarten“ können. Deshalb soll das gesetzliche Rentenniveau bei mindestens 48 Prozent bleiben.

Um das bezahlbar zu halten, setzen auch die Grünen auf einen stabilen Arbeitsmarkt. Zusätzlich wollen sie dafür sorgen, dass mehr Frauen mehr arbeiten können. Das gehe insbesondere durch „gleiche Löhne, gute Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle, das Rückkehrrecht in Vollzeit und eine faire Verteilung von Sorgearbeit“.

Anreize sollen ältere Menschen gesünder und länger im Arbeitsleben halten: durch Präventions- und Rehamaßnahmen und flexible Übergänge in die Altersrente. Am Rentenalter von 67 Jahren halten die Grünen aber fest.

Bürgerversicherung und Bürgerfonds geplant

Damit sich Arbeit im Rentenalter besser lohnt, wollen die Grünen „den Arbeitgeberbeitrag zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung an die Arbeitnehmer*innen auszahlen, falls sie sich gegen freiwillige Beiträge in die Rentenversicherung entscheiden.“

Die Grünen planen eine Bürgerversicherung. Auch Abgeordnete, Beamte und (nicht anderweitig abgesicherte) Selbstständige sollen so – im Rahmen der rechtlichen Prinzipien – irgendwann in die gesetzliche Rente einzahlen.

Das Generationenkapital, also ein großes staatliches Aktienportfolio, soll übrigens auch mit den Grünen kommen. Nur als „öffentlich verwalteter Bürger*innenfonds“. Das Geld soll der Bund aus seinem Haushalt und über Darlehen bereitstellen. Ein Betrag ist nicht genannt. Der Fonds soll Nachhaltigkeitskriterien gemäß dem Pariser Klimaabkommen beherzigen und ausdrücklich auch in europäische neu gegründete Unternehmen (Start-ups) investieren. Die Erträge aus dem Fonds sollen allerdings nicht direkt die Beiträge entlasten, sondern geringe und mittlere Renten aufwerten. Die Grundrente wollen die Grünen zu einer Garantierente nach 30 Versicherungsjahren weiterentwickeln, die „mehr Menschen als bisher einbezieht“.

Der „Bürger*innenfonds“ soll auch bei der privaten Altersvorsorge helfen. Allzu klar ist diese Passage nicht ausgedrückt, aber sie klingt stark nach einer zentralen privaten Altersvorsorge für alle. Wer das nicht will, soll widersprechen können (Opt-out-Modell). Staatliche Zulagen sollen sich auf niedrige und mittlere Einkommen konzentrieren.

Seite 4: Die Pläne der FDP für Rente und Altersvorsorge

FDP

In ihrem Entwurf zum Wahlprogramm geht die FDP auf einen Nebenaspekt der privaten Altersvorsorge ein. Allerdings auf einen nicht ganz unwichtigen. Denn sie will die Spekulationsfrist wieder einführen. Damit wären (zumindest nach alter Regelung) Kursgewinne ab einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Steuerpflichtig wären nur noch die jährlichen Zinsen und Dividenden. Und für die will die FDP den Sparerfreibetrag von aktuell 1.000 Euro pro Nase erhöhen. Wie hoch, das steht nicht im Programm.

Selbstständige sollen ihre Altersvorsorge frei wählen können. Auch generell fordert die FDP: „Der Zugang zur gesamten geförderten privaten Altersvorsorge muss dabei künftig für alle Erwerbstätigen offen sein.“

Teile des Rentenbeitrags sollen in Aktien fließen

In der gesetzlichen Rente wollen die Liberalen einen „wirklich flexiblen“ Renteneintritt. Die Menschen sollen selbst entscheiden, wann sie in Rente gehen, aber: Je später sie gehen, desto höher die Rente. Auch Teilrenten sollen möglich sein.

Von den Beiträgen soll – wie in Schweden – ein Teil in einen unabhängig verwalteten Fonds fließen. Außerdem soll das Altersvorsorgedepot kommen. Es soll steuerlich gefördert der privaten Altersvorsorge dienen (wie hier ausgeführt). Auch für Selbstständige. Höhere Aktienanteile sollen auch in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) möglich werden. Doppelbesteuerungen will die FDP vermeiden.

Zu Beträgen und staatlicher Förderung äußert sich die Partei nicht.

Seite 5: Die Pläne der AFD für Rente und Altersvorsorge

AFD

Von der AFD liegt bislang der Leitantrag der Bundesprogrammkommission für das Wahlprogramm vor. Darin will sie die Renten „signifikant“ erhöhen. Außerdem will sie in mehreren Schritten das Rentenniveau auf das durchschnittliche Niveau der westeuropäischen Länder steigern. Und das beziffert die Partei mit „gut 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens und damit deutlich höher … als das deutsche“. Eltern sollen ihre Elternschaft in der Rente vergütet bekommen.

Um das alles bezahlen zu können, will die AFD vor allem mehr Beitragszahler erreichen, die Rente „flexibler und gerechter“ gestalten und die Menschen dazu bringen, freiwillig länger zu arbeiten. Zum Beispiel sollen Rentner bei Weiterarbeit einen zusätzlichen Steuergrundfreibetrag von 12.000 Euro erhalten. Und die Zuwanderung will die Partei auf „qualifizierte Arbeitskräfte“ begrenzen.

Zusätzlich sollen Politiker und die meisten Staatsbediensteten in die Rente einzahlen. Verbeamtet würden dann nur noch diejenigen mit Hoheitsaufgaben. Nach 45 beitragspflichtigen Arbeitsjahren soll man abschlagsfrei in Rente gehen können. Alle nicht durch Beiträge gedeckten Ausgaben soll der Bund aus dem Haushalt zahlen.

Willkommensprämie für Neugeborene

Steigende Rentenbeiträge will die AFD über sinkende Steuern für Menschen und Unternehmen ausgleichen. Zuverdienste von Verwitweten sollen sich nicht mehr auf die Hinterbliebenenrente auswirken.

Außerdem soll der Arbeitsmarkt stabiler werden, um die Beiträge zu sichern. Dafür schlägt die Partei zahlreiche Punkte vor, zum Beispiel sinkende Steuern, ein „unattraktiveres“ Bürgergeld, früherer Berufseintritt und weniger Teilzeit. Direkt mit der Rente hängt jedoch dieser Punkt zusammen: Willkommensprämie von 20.000 Euro für Neugeborene (sofern schon Rentenbeiträge in derselben Höhe eingezahlt wurden, andernfalls eine Gutschrift auf zukünftige Rentenbeiträge in dieser Höhe).

Zur privaten Altersvorsorge äußert sich die Partei lediglich im Rahmen des Sparerfreibetrags. Der soll von den aktuell 1.000 auf 2.400 Euro steigen. Das soll unter anderem die Altersvorsorge stärken.

Seite 6: Die Pläne der Partei Die Linke für Rente und Altersvorsorge

Die Linke

Von der Partei Die Linke liegt bislang nur der Leitantrag aufs Wahlprogramm vor. Darin will sie das Rentenniveau (von aktuell knapp über 48 Prozent) auf 53 Prozent heben. Die Beitragsbemessungsgrenze will sie verdoppeln, was vor allem die Beiträge bei Topverdienern kräftig steigen lässt. Niedrige Rentenansprüche will sie aufwerten.

Der Mindestlohn soll 2025 auf 15 Euro in der Stunde steigen. Anschließend soll er jedes Jahr automatisch mit der Inflationsrate mitziehen.

Ab 60 Jahren ohne Abschläge in Rente

Das Renteneintrittsalter soll auf 65 Jahre sinken. Und wer 40 Jahre lang gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, soll schon ab 60 ohne Abschläge in Rente gehen können.

Altersarmut will Die Linke mit einer „Solidarischen Mindestrente“ bekämpfen. Wer wegen – wörtlich – „schlechter Jobs, erzwungener Teilzeit oder Erwerbslosigkeit keine auskömmliche Rente“ bekommt, wird bis zur Höhe der Armutsrisikogrenze von derzeit rund 1.400 Euro aufgestockt. Dazu kommen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und in Regionen mit sehr hohen Wohnkosten eventuell ein Mietzuschuss.

Vorschläge zu anderen Formen der Altersvorsorge finden sich nicht in dem Leitantrag.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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