Pfefferminzia: Herr Professor Korn, 2015 wurden Sie von staatlicher Seite ausgewählt, um Ihre Expertise in die Produktinformationsstelle Altersvorsorge (PIA) einzubringen. In deren Auftrag haben Sie die Produktinformationsblätter (PIB) maßgeblich mitentwickelt. Wie steht es um die Transparenz für Verbraucher heute?
Ralf Korn: Verbrauchern und Vermittlern werden mit den Produktinformationsblättern meines Erachtens gute Hilfsmittel an die Hand gegeben. Waren früher die von den Anbietern bereitgestellten Informationen recht heterogen, sehr lang und auch nur schwer verständlich, so ist das PIB kurz, einheitlich, auf das Wesentliche fokussiert und enthält keinerlei Werbung. So kann der Kunde anhand der Chancen-Risiko-Klasse (CRK) direkt ein Produkt auswählen, das seinen Vorlieben im Hinblick auf Risiken entspricht.
Wie funktioniert das?
Will der Verbraucher nur geringe Risiken eingehen, so wählt er ein CRK-1-Produkt. Er muss sich dann aber auch im Klaren sein, dass das Produkt nur wenig Renditepotenzial besitzt. Beim CRK-5-Produkt ist es genau anders: Für das hohe Renditepotenzial kauft sich der Kunde ein hohes Risiko ein. In der Regel ist dann beim Nicht-Riester-Produkt auch keine Bruttobeitragsgarantie mehr gegeben. Die restlichen CRK liegen dazwischen und sind auch durch kurze Texte auf dem PIB beschrieben.
Inwieweit kann sich der Verbraucher hier auch über anfallende Kosten informieren?
Hat sich der Kunde für eine CRK entschieden, so kann er sich bei unterschiedlichen Produkten der gewünschten CRK noch anhand der ebenfalls angegebenen Effektivkosten direkt einen Eindruck über die Kosten der jeweiligen Produkte machen.
Stichwort Effektivkosten: Diese werden oft in der aktuellen Diskussion über die Kosten der privaten Altersvorsorge (Link) angeführt und auch kritisch gesehen, gern auch durch Eurobeträge bei manchen Studien ersetzt.
Zunächst sollte man sagen, dass der Begriff Effektivkosten eine recht unglückliche Übersetzung des englischen Originals „Reduction in Yield“, also Schmälerung des Ertrags, ist. Um es konkret zu machen:Nehmen Sie ein Riester-Produkt. Durch die Bruttobeitragsgarantie ist es gesichert, dass sich am Ende der Ansparphase mindestens die vollständigen eingezahlten Prämien und erhaltenen Riester-Zulagen auf dem Konto des Verbrauchers befinden. Alle angefallenen Kosten müssen aus dem vom Anbieter erwirtschafteten Ertrag bestritten werden. Genau diese Reduktion des Ertrags zur Kostendeckung wird durch die Effektivkosten beschrieben – nichts anderes.
Das klingt jetzt noch recht theoretisch. Können Sie das an einem Zahlenbeispiel erläutern?
Nehmen Sie ein Riester-Produkt der CRK 3. Laut gesetzlicher Vorgabe ist bei diesem eine Rendite von 4 Prozent vor Berücksichtigung der Kosten vorzusehen. Der Anbieter bestimmt dann unter der Annahme maximaler, also nicht aktueller Kostensätze das Vertragsvermögen am Ende der Ansparphase – und dieser Betrag wird in eine zugehörige Rendite umgerechnet. Liegt die Rendite unter Berücksichtigung der Kosten bei 1,8 Prozent, so ergibt sich eine Renditeminderung von 2,2 Prozent, die dann als Effektivkosten bezeichnet wird.
Oft wird in Studien gefordert, diese Kosten in Eurobeträgen auszuweisen. Wie sehen Sie das?
Ich finde das zumindest ungewöhnlich, denn auch am Finanzmarkt ist die Angabe von Kosten in Eurobeträgen – abgesehen von Fixkosten – unüblich. Darüber hinaus werden in Studien die in den PIB ausgewiesenen Maximalkostensätze verwendet, die oftmals deutlich über der aktuellen Kostenbelastung liegen. Und werden diese Kosten, die in der Regel mit zunehmender CRK steigen, ins Verhältnis zu einer festen Größe wie zum Beispiel dem Beitrag gesetzt, geht es ganz durcheinander. Eine solche Betrachtungsweise erscheint mir oft auch aus einer bestimmten Zielsetzung heraus zu erfolgen.
Welche Betrachtungsweise wäre dann aus Ihrer Sicht sinnvoll?
Bleiben wir bei meinem bisherigen Beispiel: Ich habe bewusst einen recht hohen Effektivkostensatz gewählt. Betrachten wir einen Musterkunden, der 30 Jahre lang monatlich 100 Euro einzahlt. In die monatliche Prämie habe ich auch die nicht von ihm zu zahlende Riester-Zulage eingerechnet. Bei dem Musterkunden ergibt sich vor Kosten ein Vermögen von ungefähr 68.750 Euro am Ende der Ansparphase. Unter der Annahme von 2,2 Prozent Effektivkosten hat er am Ende der Ansparphase ungefähr 47.645 Euro, hat also dann 11.645 Euro mehr auf seinem Konto, als er eingezahlt hat. Typischerweise wird dies in solchen Studien nicht erwähnt.
Seite 2: „Mit dem ausschließlichen Blick auf Kosten entsteht leider ein Zerrbild“
Was stört Sie daran genau?
Für den Verbraucher ist doch entscheidend, was er am Ende der Ansparphase zur Verfügung hat, also das, was für ihn am Schluss herauskommt. Hingegen entsteht mit dem ausschließlichen Blick auf Kosten leider ein Zerrbild. Das ist in etwa so, als wenn Sie bei einer Reise mit dem Auto nur auf die Fahrtkosten schauen, aber nicht auf die zurückgelegte Strecke. Bei dieser verkürzten Sichtweise würde man sein Auto nur noch schieben, weil dadurch überhaupt keine Fahrtkosten mehr anfallen.
Muss das den Autoren dieser Studien auffallen?
Ich denke schon, ohne die Autoren zu kennen. Aber wenn man etwas prinzipiell ablehnen möchte, wird man kaum dessen positive Aspekte herausstellen wollen. Ob das im Sinne des Verbrauchers seriös ist, will ich dann aber auch bezweifeln.
Kommen wir zum Schluss nochmal auf die Produktinformationsblätter zurück: Wie stellen Sie sich einen soliden Umgang mit den Informationen vor, die vom PIB geliefert werden?
Um das klar zu stellen: Es geht mir nicht darum, jegliche Art von Kosten schön zu reden. Jeder Anbieter von Finanzprodukten hat sich auch einer Diskussion der von ihm für seine Dienstleistungen erhaltenen Entgelte zu stellen. Ich finde aber auch, dass es – so wie übrigens bei jedem Produkt – nicht nur um die Kosten, sondern auch um die Leistungen und die Alternativen gehen muss. Ein Altersvorsorgeprodukt sichert das Langlebigkeitsrisiko ab und entlastet den Kunden davon, fortlaufende Entscheidungen treffen zu müssen, wieviel er von seinem Bankkonto gerade ausgeben darf, um auch in Zukunft hinreichende Mittel zu haben. Gleichzeitig erhält der Kunde mit einem Riester-Produkt den Vorteil, dass das Verlustrisiko vom Anbieter getragen wird – von dem Gewinn durch erhaltene Riester-Zulagen ganz zu schweigen.
Zur Person:
Professor Ralf Korn hat einen Lehrstuhl für Finanzmathematik an der TU Kaiserslautern inne, er arbeitet am Fraunhofer Institut Techno- und Wirtschaftsmathematik und ist stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik. 2015 wurde Korn von staatlicher Seite ausgewählt, um seine Expertise in die Produktinformationsstelle Altersvorsorge (PIA) einzubringen. In deren Auftrag hat er die Produktinformationsblätter (PIB) maßgeblich mitentwickelt.
Eine Antwort
its very simple
Die Rendite für die Garantie-von Finanztestern und Politikern, die null Ahnung haben was sie damit anrichten, bedeutet eine Renditeminderung von 70% bis 90%. Die Wahnsinnsbürokratie von Beamten ausgeheckt, deren Pensionen mit 3 Billionen EURO unterfinanziert ist-sprich der Staat bildet Rückstellung im einstelligen Prozentbereich, erfordert sicher einige Sttunden mehr Beratungszeit. Beamte und viele Parteien, verstehen sowas natürlich nicht, wegen Ihrer KOSTENFREIEN Pension-zahlt ja die Jugend. Versicherungsmakler müssten allein für eine Pension eines Beamten im mittleren Dienst ca. 2 Millionen Euro ansparen. Sind aber auch die EINZIGEN die für das BESTE Produkt des gesamten Marktes unbegrenzt haften. Auch völlig unvorstellbar für die ENTSCHEIDER und MEDIEN. Ja wer nichts versteht, macht wie bei den Impfdosenbestellungen und im Digitalbereich etc. Fehler. Haftung-NEE NIEMAND ZUSTÄNDIG….