Wechselsaison

KFZ-Versicherung in der Preisfalle

In der KFZ-Versicherung droht in diesem Jahr ein Milliardenverlust. Denn die Reparaturen werden immer teurer. Was KFZ-Versicherungskunden zu erwarten haben und wie sich Kosten sparen lassen.
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Mechaniker bei der Autoreparatur: Die Kosten für Ersatzteile sind rasant gestiegen.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schlägt Alarm. Schon wieder. Denn nachdem der Verband bereits Ende Juli vor einem beträchtlichen Minus in der Autoversicherung warnte, zeigen aktualisierte GDV-Zahlen, dass die Verluste noch größer werden könnten.

„Die Autofahrer zahlen in diesem Jahr für die Absicherung ihrer Fahrzeuge rund 30,2 Milliarden Euro – aber die Versicherer müssen rund 33,1 Milliarden Euro für Schäden und Verwaltung ausgeben“, teilt der Verband mit. Macht unterm Strich ein Minus von 2,9 Milliarden Euro.

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Ende Juli hieß es noch, dass besagten Einnahmen von rund 30,2 Milliarden Euro Kosten in Höhe von „nur“ 32,8 Milliarden Euro gegenüberstünden, sprich: Zu den bislang angenommen 2,6 Milliarden Euro Miese dürften noch einmal 300 Millionen Euro obendrauf kommen. „Nach unserer neuesten Hochrechnung wird die Sparte in diesem Jahr voraussichtlich einen Verlust von fast 3 Milliarden Euro machen“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Für ihn ist klar, wem die Misere anzulasten ist – den Autoherstellern: „Die Kosten für PKW-Ersatzteile steigen rasant und deutlich schneller als die Inflationsrate: Während der Verbraucherpreisindex seit Januar 2013 um knapp 28 Prozent stieg, erhöhten Autohersteller ihre Ersatzteilpreise um mehr als 70 Prozent.“

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Ein paar Beispiele gefällig? Bitte schön: Eine Kofferraumklappe kostet heute 923 Euro und damit 93 Prozent mehr als noch 2013. Eine Rückleuchte schlägt heutzutage mit 283 Euro zu Buche, ist also um 97 Prozent teurer als vor zehn Jahren.

Bei den Versicherern führen die höheren Ersatzteilpreise zu steigenden Reparaturkosten nach Unfällen. „Im vergangenen Jahr kostete ein PKW-Sachschaden die KFZ-Haftpflichtversicherer im Schnitt rund 3.700 Euro, das waren 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr“, so Asmussen. 2013 lag dieser Wert noch bei 2.400 Euro. Im Vergleich dazu hätten sich die Beiträge einer KFZ-Haftpflichtversicherung mit einer Steigerung von knapp über 7 Prozent seit 2013 kaum erhöht, so der GDV.

20 Prozent Prämienplus bräuchte es

Dass sich die Prämien für die KFZ-Versicherung auch in Zukunft „kaum erhöhen“ werden, ist nicht sehr wahrscheinlich. „Preiserhöhungen von 20 Prozent wären nötig, um eine Rückkehr zur Profitabilität zu gewährleisten“, sagte Michael Pickel, Chef des zur Hannover Rück gehörenden Rückversicherers E+S, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ auf dem Treffen der Rückversicherer in Monte Carlo. Weil der Wettbewerbsdruck in der Sparte aber so hoch ist, werden die Versicherer die Beiträge aller Voraussicht nach nur in behutsamen Schritten anheben.

Trotzdem wird es für viele Menschen teurer. Was kann man also tun, um die Preise möglichst niedrig zu halten? Ein gerne mal übersehener Weg ist es, den Beitrag zur KFZ-Versicherung auf einen Schlag zu bezahlen. Denn dann winkt zum Teil ordentlich Ersparnis. Das zeigt eine Auswertung des Geldratgebers „Finanztip“. Kostet eine Versicherung bei jährlicher Zahlweise 500 Euro, muss man bei monatlichen Raten durchschnittlich 543 Euro zahlen. Kleinvieh macht auch Mist.

Was ebenfalls etwas bringen kann: Wer nach einem Autounfall für den Schaden selbst aufkommt, vermeidet eine Herabstufung der Schadenfreiheitsklasse und damit höhere Prämien für die KFZ-Versicherung. Das Vergleichsportal Verivox hat ausgerechnet, wo hier der „Sweet Spot“ liegt, bis zu welchem Betrag sich das also lohnen kann. Ergebnis: Für ein Ehepaar mit erwachsenen Kindern in der Schadenfreiheitsklasse 18 lohnt es sich, Vollkasko-Schäden an ihrem Skoda Octavia bis zu 3.408 Euro selbst zu zahlen und nicht über die Versicherung regulieren zu lassen. Haftpflichtschäden am Fahrzeug des Unfallgegners begleichen die Versicherten bis zu einer Schadenssumme von 2.555 Euro besser aus eigener Tasche.

„Die Beiträge zur KFZ-Versicherung werden erheblich durch die Schadenfreiheitsklasse beeinflusst“, sagt Wolfgang Schütz, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. Um wie viele Klassen Autofahrer nach einem Schaden zurückgestuft werden, variiert dabei von Versicherer zu Versicherer. In den Modellrechnungen werden die Skoda-Fahrer im Jahr nach dem Unfall in der Haftpflichtversicherung im Mittel um zehn Klassen, in der Vollkasko um acht Klassen herabgestuft. Die Haftpflicht-Prämie steigt so im Jahr nach dem Schaden um durchschnittlich 41 Prozent, die Beiträge für die Vollkaskoversicherung um 25 Prozent. „Nach einem Unfall sollten Autofahrer deshalb bei ihrer Versicherung nachhaken, ob es sich lohnt, einen Schaden selbst zu zahlen.“

46 Prozent ziehen Wechsel in Betracht

Und schließlich kann man den hohen Konkurrenzdruck natürlich auch nutzen und versuchen, in der Wechselsaison bei einem günstigeren Versicherer unterzukommen. Verivox-Mann Schütz erwartet für diese Saison daher „viel Bewegung auf dem Markt“. Die Versicherer wollten ihren Kundenstamm weiter ausbauen. „Deshalb wird es auch in der kommenden Wechselsaison wieder signifikante Sparpotenziale und Preisunterschiede geben“, glaubt Schütz.

Wie eine Umfrage der ADAC Versicherung zeigt, überlegt aktuell fast jeder zweite Deutsche, ob er in diesem Jahr nicht die KFZ-Versicherung wechseln sollte. 38 Prozent denken noch über einen Wechsel nach, 8 Prozent haben sich schon zu diesem Schritt entschieden. Besonders ausgeprägt ist die Wechselbereitschaft danach bei Autofahrern zwischen 30 und 39 Jahren. Fast zwei von drei Befragten in dieser Altersgruppe zeigen sich offen für einen Versicherungswechsel. Dabei scheint der Preis aber nicht die alles entscheidende Rolle zu spielen. Auf die Frage, was Autofahrern bei ihrer KFZ-Versicherung wichtiger ist – Preis oder Leistungen und Service –, antworteten 50 Prozent mit Leistungen und Service und 27 Prozent mit dem Preis. Nun denn.

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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