Analyse zu Prämien und Reserven

KFZ-Haftpflicht: Vor allem diese zehn Versicherer bekommen mehr

Auf dem Markt für KFZ-Haftpflichtpolicen herrscht seit Jahren ein reger Wettbewerb. Welche zehn Versicherer in den vergangenen zehn Jahren besonders gewachsen sind und wie es aktuell bei den Schadenreserven aussieht.
Autos auf nächtlicher Autobahn: KFZ-Haftpflichtversicherungen sind weiterhin sehr beliebt
© picture alliance / imageBROKER | Pius Koller
Autos auf nächtlicher Straße: Die Schadenreserven deutscher KFZ-Versicherer sind sehr unterschiedlich hoch

Die Beiträge von Versicherten in ihre KFZ-Haftpflichtversicherungen bewegten sich in zehn Jahren bis Ende 2022 zwischen minus 5,9 und plus 13,8 Prozent. Im branchenweiten Durchschnitt sind sie in der Zeit um 2,8 Prozent gewachsen. Im Gesamtmarkt gibt es ebenfalls große Unterschiede, sogar zwischen den Unternehmen derselben Versicherungsgruppe. Zu diesem Ergebnis kommt Adrian Hamm, Analyst bei der Assekurata Rating-Agentur. In einem aktuellen Blogbeitrag hat er sich alle KFZ-Versicherer, die auf dem deutschen Markt tätig sind, genauer angeschaut.

Dabei geht es nicht nur darum, wie stark die eingenommenen Beiträge der KFZ-Versicherer gewachsen sind. Die Schadenreservequote als Kennzahl ist ein weiterer Schwerpunkt in Hamms Analyse. Sie gibt an, welchen Anteil der Bruttobeiträge in Prozent der jeweilige Versicherer in die Schadenrückstellung steckt. Und am Ende geht es um die Frage, wie hoch die Schadenrückstellungen selbst derzeit bezogen auf die Verträge liegen.

Ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich es selbst innerhalb von Konzernen und Gruppen zugehen kann, liefert die Allianz: Die Beitragseinnahmen der Allianz AG (plus 1,7 Prozent) und der Allianz Direct (plus 5,54 Prozent) sind über zehn Jahre eher moderat gewachsen; die der Allianz GCS aber um 13,68 Prozent. Hinzu kommt noch, dass die Allianz und die Allianz Direct mit jeweils 217 Prozent beziehungsweise 234 Prozent eine deutlich höhere Schadenreservequote fahren als die Allianz GCS mit 113,9 Prozent.

Ähnlich zerfahren sieht es übrigens bei der Huk-Coburg aus. Die Beiträgseinnahmen der Huk24 sind über zehn Jahre um 8,5 Prozent pro Jahr gewachsen, die der Huk-Coburg Allgemeinen mit 5,9 Prozent und die Versichertenbeiträge der Huk-Coburg VVaG um 1,7 Prozent.

Diese zehn Versicherer haben in der KFZ-Haftpflicht in den Jahren 2013 bis 2022 bei den Beitragseinnahmen am stärksten zugelegt (Angabe pro Jahr)
  1. Condor Allgemeine um 19,3 Prozent
  2. Allianz GCS um 13,7 Prozent
  3. Nürnberger Allgemeine um 11,0 Prozent
  4. BGV-Versicherung um 10,3 Prozent
  5. Sparkasse Direkt um 9,9 Prozent
  6. Generali Deutschland Versicherung um 8,8 Prozent
  7. Huk24 um 8,5 Prozent
  8. Verti um 8,2 Prozent
  9. Cosmos um 8,1 Prozent
  10. WGV um 7,6 Prozent
KFZ-Haftpflicht: Schadenreservequoten zwischen 77,6 und 356,1 Prozent

Auch die Schadensreservequoten der KFZ-Versicherer fallen sehr unterschiedlich aus. Im Durchschnitt lagen sie 2022 branchenweit bei 221,5 Prozent. Die Spanne der einzelnen Versicherer und deren Schadenreservequote reicht dabei von 77,6 (Rhion) bis 483,8 Prozent (Ergo Direkt). Das heißt also, dass Rhion lediglich drei Viertel der Bruttobeiträge ihrer Versicherten in die Reserve gelegt hat, während andere sogar auf das 4,8-Fache gesetzt haben.

Speziell in der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung dauert es lange, bis Schäden abgewickelt werden, vor allem wenn es um Personenschäden geht. Ein großer Teil der Schadenreserven in der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung stammt nicht aus dem aktuellen Geschäftsjahr, sondern aus vorherigen Jahren. Das führt dazu, dass Unternehmen mit überdurchschnittlichem Wachstum der Beiträge tendenziell geringere Schadenreservequoten vorhalten:

  • Je geringer das durchschnittliche Vertragsalter ist, desto weniger Rückstellungen aus der Vergangenheit sind vorhanden.
  • Umgekehrt führen schrumpfende Neubeiträge zu hohen Reserven, da ältere Verträge mit höheren Rückstellungen und mehr Schadenfällen relativ stärker ins Gewicht fallen.
KFZ-Haftpflichtversicherungen fahren auseinander

Das Geschäft der Versicherer mit KFZ-Haftpflichtversicherungen verläuft bei den Anbietern höchst unterschiedlich. Während manche Gesellschaften ein Wachstum im höheren einstelligen oder sogar im niedrigen zweistelligen Prozentbereich verzeichnen, sind einige Unternehmen in diesem Zweig stark geschrumpft und haben dadurch Marktanteile verloren.

Seite 2: Zwei extreme Ausreißer bei den Schadenreserven

Das alles hat Einfluss auf die Schadenrückstellungen. Die betragen im Durchschnitt 549 Euro je Vertrag. Eine Gesellschaft, die trotz ihrer Größe hohe Wachstumsraten (plus 8,8 Prozent) und eine überdurchschnittliche Reserveausstattung zeigt (643 Euro je Vertrag), ist die Generali Deutschland Versicherung. Doch das geht auf einen Sondereffekt zurück: Im Jahr 2019 wurde die Aachen-Münchener Sachversicherung in die Generali Deutschland umbenannt und erhielt Teilbestände der Generali Versicherung. Die hohe Schadenreserve pro Vertrag und die Schadenreservequote resultieren aus den übertragenen Reserven.

KFZ-Schadenreserve richtet sich auch nach Geschäftsmodell

Die Schadenreserve pro Vertrag richtet sich laut Hamm auch maßgeblich nach dem Geschäftsmodell. Beispielsweise benötigt die Kravag-Logistic wegen ihrer Spezialisierung auf Logistik, Transport und Spedition eine höhere Reserve pro Vertrag, da die Durchschnittsrisiken (LKW) und folglich die Durchschnittsschäden in der Regel höher ausfallen. Weshalb Kravag-Logistic für jeden Vertrag eine Schadenreserve von 1.302 Euro führt. Wohlgemerkt: Mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt.

Ein weiteres interessantes Extrembeispiel ist die Ergo Direkt. Sowohl die Schadenreserve pro Vertrag (1.261 Euro) als auch die Schadenreservequote (484 Prozent) liegen weit über dem Marktdurchschnitt. Der Grund: In den 2010er Jahren verlor die Gesellschaft einen Großteil ihrer Beitragseinnahmen, sodass die Schadenreserven größtenteils für Verträge gebildet wurden, die 2022 gar nicht mehr im Bestand sind. So erklärt Hamm die hohen Reserven.

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Mehr Kapital fließt in KFZ-Schadenrückstellungen

Für das Geschäftsjahr 2023 zeichnet es sich ab, dass die Versicherer im Durchschnitt ihre Schadenrückstellungen in der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung verstärkt haben und die Schadenreserven pro Vertrag per Saldo leicht steigen. Durch erhöhte Beiträge geht die Schadenreservequote geringfügig zurück.

Bei Assekurata spielen die Schadenrückstellungen und die Schadenreservequote eine wichtige Rolle dabei, die finanzielle Stabilität von Versicherungsunternehmen zu bewerten. Nicht nur die reine Höhe der Schadenreserven ist relevant. Vielmehr analysiert die Rating-Agentur auch, in welchen Jahren die Schäden abgewickelt wurden, um zu überprüfen, ob die Schadenreserven angemessen hoch sind.

Auch der finanzielle Erfolg, das Wachstum, das Management der Schadenregulierung und andere Rahmenbedingungen sowie das Kundenfeedback aus der Schadensregulierung fließen in das Bonitätsrating ein.

Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Von Juli 2024 bis Dezember 2025 war sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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