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Cyberrisiken lassen sich kaum allein mit einem Fragebogen erfassen. Dieser zeigt zwar, ob ein Unternehmen Mehrfaktor-Authentifizierung, Datensicherungen oder Notfallpläne vorsieht. Ob die Maßnahmen funktionieren, Sicherheitslücken schnell geschlossen werden und was sich seit Vertragsbeginn verändert hat, bleibt aber offen. Unvollständige Angaben führen zu Fehleinschätzungen.
Datengetriebenes Underwriting bei der Cyberversicherung ergänzt die Selbstauskunft um technische Prüfungen. Von außen lässt sich erkennen, was auch ein Angreifer sieht, etwa erreichbare Systeme, offene Schwachstellen, kompromittierte Zugangsdaten oder unzureichend geschützter E-Mail-Verkehr. Entscheidend ist nicht die Datenmenge, sondern welche Befunde für die Schadenwahrscheinlichkeit relevant sind.
Die Außensicht hat Grenzen. Interne Prüfungen können – nur mit Zustimmung des Kunden – zusätzlich zeigen, ob Updates zeitnah eingespielt werden, Arbeitsplätze geschützt sind, zu viele Personen Administratorrechte besitzen und Backups wiederhergestellt werden können. Möglich ist das etwa über eine begrenzte Prüfkomponente.
Solche Verfahren sind verfügbar, aber noch kein einheitlicher Standard im Antragsprozess. Plattformen verbinden Außen- und Innenscans, einen Cyberrisk-Score, Monitoring und Handlungsempfehlungen. Ob und wie ein Versicherer solche Daten berücksichtigt, hängt jedoch vom Anbieter, Risiko und gewünschten Schutz ab.
Aus den Befunden kann ein Risikoscore entstehen, der ähnliche Unternehmen vergleichbar macht. Eine objektive Wahrheit ist er nicht. Denn Daten können unvollständig, falsch zugeordnet oder überholt sein. Ein gutes Modell zeigt die maßgeblichen Faktoren und den Bedarf für eine fachliche Prüfung. Für Berater ist der Score dann hilfreich, wenn daraus konkrete Rückfragen und Maßnahmen entstehen.
Berater sollten frühzeitig beim Risikoträger oder Underwriter nachfragen, welche Angebote es gibt und wie diese berücksichtigt werden. Maßgeblich sind unter anderem die aktuellen Annahmerichtlinien, Antragsunterlagen und Maklerinformationen des Versicherers.
Zu klären ist:
Wer diese Punkte vorab dem Kunden erklärt, vermeidet zudem Überraschungen und nimmt dem Kunden die Sorge vor pauschaler „Überwachung“. Eine technische Prüfung ist nicht automatisch Voraussetzung jeder Cyberversicherung. Je nach Versicherer und Risiko kann sie jedoch Annahme, Prämie, Deckungssumme oder Sicherheitsauflagen beeinflussen. Werden Schwachstellen behoben, kann sich eine erneute Prüfung im besten Fall positiv auf die Versicherbarkeit oder die Konditionen auswirken.
Wichtiger als die Prüfung zum Antrag ist die laufende Beobachtung. Die Sicherheitslage kann sich in wenigen Wochen ändern: Neue Software öffnet Einfallstore, ein IT-Dienstleister wird angegriffen oder ein geschützter Zugang steht plötzlich offen im Netz. Früh erkannt, folgt im besten Fall kein Prämiengespräch, sondern ein konkreter Hinweis. Monitoring wird so zur Schadenprävention und zum Kundenkontakt zwischen den Verlängerungsterminen.
Künstliche Intelligenz (KI) kann technische Befunde sortieren, Widersprüche markieren und wichtige Veränderungen priorisieren. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen lassen sich knappe Kapazitäten so auf kritische Fälle konzentrieren. Nachvollziehbar bleiben muss, woher die Daten stammen, was sie bedeuten und wer entscheidet. Eine unerklärbare Ablehnung schafft kein Vertrauen.
Für Berater verändert sich vor allem das Gespräch. Statt einen Fragebogen abzuarbeiten, können sie ein konkretes Risikobild besprechen: Welche Schwachstelle ist relevant? Welche Maßnahme verbessert die Versicherbarkeit und senkt zugleich das Betriebsrisiko? Ein Punktwert hilft wenig. Die Aussage „Diesen Fernzugang absichern, danach prüfen wir erneut“ macht den Kunden handlungsfähig – und den Berater zum Ansprechpartner für mehr als die Police.
Datengetriebenes Underwriting stabilisiert Cyberversicherungen nicht durch einen einzelnen Algorithmus. Stabilität entsteht aus verlässlichen Daten, verständlichen Modellen, laufender Beobachtung und fachlichem Urteil. Versicherer können Risiken differenzierter bewerten und Prävention gezielter anstoßen. Beraterinnen und Berater erhalten eine belastbare Grundlage, um Versicherungsschutz und technische Vorsorge zu verbinden. Das Bauchgefühl verschwindet nicht – es bekommt Fakten an die Seite.
Nikolaus Stapels ist Cyberspezialist, Keynote Speaker, Trainer, Risikoberater und Unternehmer. Er ist Inhaber von NSCT – Nikolaus Stapels Consulting & Training – sowie Geschäftsführer der Vertriebssoftware24 GmbH. Mit dem Cyber-Fuchs verantwortet er eine Plattform zur Sensibilisierung und Stärkung der Cyber-Sicherheit in Unternehmen und im privaten Umfeld. Darüber hinaus ist er Gründer von SecuMetrix. Der VdS-anerkannte und TÜV-zertifizierte Fachberater vermittelt komplexe Cyberbedrohungen in Vorträgen, Awareness-Trainings und Live-Hacking-Demonstrationen verständlich und praxisnah. Zudem ist er Autor mehrerer Fachbücher zur Cybersicherheit im Mittelstand.
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