Vier Angriffsvektoren

Wie kleine Unternehmen Hacker abwehren können

Sind kleine Unternehmen für Hacker uninteressant? Ganz im Gegenteil, denn sie sind oft viel einfacher zu knacken als große. Tine Simonsen, Managing Director beim Cyber-Assekuradeur Coalition, nennt in ihrem Gastbeitrag die vier Top-Techniken für Ransomware-Angriffe und gibt Tipps, wie sich Unternehmen schützen.
Tine Simonsen, Managing Director beim Cyber-Assekuradeur Coalition: „Sichern und nochmals sichern“
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Tine Simonsen, Managing Director beim Cyber-Assekuradeur Coalition: „Sichern und nochmals sichern“

Die durchschnittlichen Kosten eines Ransomware-Vorfalls betrugen im Jahr 2024 rund 292.000 US-Dollar. Diese Zahl umfasst nicht nur Lösegelder, sondern auch die Kosten für Betriebsunterbrechungen, forensische Untersuchungen, Wiederherstellung, Reputationsschäden und sogar rechtliche Folgen.

Solche Angriffe dominieren weiterhin die Bedrohungslage im Cyberbereich, wobei zahlreiche kostspielige Vorfälle in den letzten Monaten weltweit Schlagzeilen gemacht haben. Während die Vorfälle bekannter Großunternehmen regelmäßig in den Nachrichten präsent sind, sind kleinere Unternehmen häufiger und existenzieller betroffen. In vielen Fällen kann ein Ransomware-Angriff für ein kleineres Unternehmen das Aus bedeuten: Fast 60 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) schließen innerhalb von sechs Monaten nach einem schweren Cyberangriff.

Warum also sind KMU so attraktive Ziele? Ohne die finanziellen und personellen Ressourcen großer Konzerne sehen sich viele kleinere Unternehmen mit eingeschränkten IT-Möglichkeiten, unzureichender Sicherheitsspezialisten und einer wachsenden Anzahl ausnutzbarer Technologien in ihrem Umfeld konfrontiert.

Bedrohungsakteure können diese Schwächen in großem Umfang mit einem Playbook, also wiederholbaren – und oft vorhersehbaren – Handlungen gegen die gleichen Ziele, ausnutzen. Die meisten Vorfälle betreffen eine kleine Gruppe von Technologien, die sowohl allgegenwärtig als auch häufig fehlkonfiguriert sind.

Durch das Verstehen dieser Ransomware-Playbooks und das Schließen der darin befindlichen Sicherheitslücken können Unternehmen – insbesondere kleinere Unternehmen mit begrenzten Ressourcen – ihr Risiko deutlich senken.

Die vier wichtigsten Technologien bei Ransomware-Angriffen

Virtual Private Networks (VPNs) sind unverzichtbar für das Arbeiten aus der Ferne, aber auch ein beliebtes Ziel von Ransomware-Gruppen. Angreifer nutzen kompromittierte Zugangsdaten, oft durch Phishing oder Passwort-Wiederverwendung erlangt, sowie ungepatchte Software-Schwachstellen in diesen Geräten aus.

Ist ein VPN ohne Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) direkt mit dem Internet verbunden, ist es praktisch eine weit geöffnete Tür ins Netzwerk. Einmal eingedrungen, können sich Angreifer lateral bewegen, kritische Systeme finden und Ransomware platzieren.

Remote-Desktop-Lösungen wie Microsofts Remote Desktop Protocol (RDP) ermöglichen Support-Teams und Remote-Mitarbeitern den vollständigen Zugriff auf interne Systeme. Leider ist RDP für fast 80 Prozent der Ransomware-Vorfälle verantwortlich, bei denen Remote-Zugriffstools ausgenutzt werden.

Das Problem: Viele Unternehmen veröffentlichen RDP-Zugänge offen im Internet, wodurch Angreifer leicht offene Ports finden, schwache Zugangsdaten durch Brute-Force (also durch Ausprobieren) knacken und so Kontrolle erlangen können. Dieser erste Zugangspunkt ermöglicht es den Angreifern, Berechtigungen zu erhöhen und Ransomware rasend schnell zu verteilen.

E-Mails bleiben einer der häufigsten und wirksamsten Angriffsvektoren. Die meisten Ransomware-E-Mails nutzen Social Engineering, um Nutzer zu verleiten, auf schädliche Links zu klicken, infizierte Anhänge zu öffnen oder unerlaubte Remote-Access-Software zu installieren.

Seite 2: 5 Tipps, um das Ransomware-Risiko zu senken

Über Phishing hinaus sind E-Mail-Systeme auch für Softwarefehler und Fehlkonfigurationen anfällig, insbesondere bei lokalen oder veralteten E-Mail-Plattformen, die nicht regelmäßig gepatcht werden. Schwache Authentifizierungspraktiken erhöhen das Risiko weiter, da Angreifer Benutzer leichter imitieren oder sensible Kommunikation abfangen können.

Schließlich kann sogar das grundlegendste Werkzeug der Netzwerksicherheit – die Firewall – zum Angriffsvektor werden. Ungepatchte Firmware, Konfigurationsfehler oder Zero-Day-Schwachstellen können interne Systeme Bedrohungen von außen aussetzen. Ist eine Firewall erst einmal kompromittiert, können Angreifer den gesamten äußeren Schutz des Netzwerks aushebeln.

Warum KMU besonders gefährdet sind

Große Unternehmen verfügen in der Regel über spezielle Sicherheitsteams, kontinuierliches Monitoring und strenge Compliance-Protokolle. KMU dagegen meist nicht – deshalb richten sich 82 Prozent der Ransomware-Angriffe gegen KMU.

Unzureichendes Patch-Management und fehlende Security-Awareness-Trainings machen Systeme verwundbar. Angreifer wissen, dass viele KMU reaktiv statt proaktiv vorgehen – damit sind die lukrativen und leicht angreifbaren Ziele. Viele KMU haben keinen umfassenden Notfallplan für den Ernstfall entwickelt. Mangelhafte Backups zwingen kleine Unternehmen häufiger, Lösegeld zu zahlen, um ihre wichtigsten Daten wiederherzustellen.

So verringern Sie das Ransomware-Risiko

Ein Ransomware-Angriff muss nicht zwangsläufig in einer Katastrophe enden. Mit den richtigen Tools und Maßnahmen können KMU selbst den entschlossensten Angreifer abwehren.

  1. Angriffsfläche im Blick behalten: Überwachen Sie kontinuierlich Ihre Angriffsfläche – alles, was an das Internet angebunden ist. Identifizieren und schließen Sie verwundbare Ports, veraltete Systeme und unsichere Konfigurationen, um Ihre Cybersicherheit zu stärken. So verringern Sie die Einfallstore für Angreifer.
  2. Zeitnahes Patchen: Neue Schwachstellen, vor allem bei VPNs, E-Mail-Servern und Firewalls, müssen umgehend geschlossen werden. Patching sollte Routine und nicht Reaktion sein.
  3. Mitarbeiterschulungen: Der Mensch bleibt das schwächste Glied der Cybersicherheit. Investieren Sie in Security-Awareness-Trainings, damit Mitarbeitende lernen, Phishing-Versuche, verdächtige Links und Social-Engineering-Tricks zu erkennen. Simulierte Phishing-Aktionen fördern richtiges Verhalten.
  4. Sichern und nochmals sichern: Regelmäßige, offline gespeicherte Backups sind die beste Chance eines Unternehmens, rasch wieder arbeiten zu können. Unternehmen sollten ihre Backups regelmäßig testen, um deren Funktionsfähigkeit für den Ernstfall sicherzustellen.
  5. Managed Detection and Response (MDR) nutzen: Rund-um-die-Uhr-Überwachung durch Sicherheitsexperten wird immer wichtiger. MDR-Dienste bieten Echtzeit-Bedrohungserkennung, professionelle Reaktion und schnelle Eindämmung – das reduziert sowohl Schwere als auch Dauer von Angriffen.
Die Rolle der Cyberversicherung

Selbst die am besten vorbereiteten Organisationen können Opfer von Ransomware werden. Deshalb ist die Cyberversicherung heute kein Luxus, sondern ein wesentlicher Bestandteil jeder Risikomanagementstrategie. Ransomware ist nicht nur ein Technologieproblem, sondern ein existenzielles Geschäftsrisiko.

Für KMU steht viel auf dem Spiel, aber der Weg zu mehr Resilienz gegenüber Cyberangriffen ist klar: Erkennen Sie Ihre Schwächen, stärken Sie Ihre Verteidigung und holen Sie sich die richtigen Experten an Bord. Die Angreifer mögen unerbittlich sein – mit der richtigen Strategie und Unterstützung kann Ihr Unternehmen noch widerstandsfähiger werden.

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