„Allianz Risk Barometer 2024“

Cyberangriff und Betriebsunterbrechung sind größte Risiken

Die Allianz hat bei globalen Unternehmen nachgefragt, wo sie im neuen Jahr die größten Risiken sehen. Herausgekommen ist eine Liste mit Gefahren, die wirklich Kopfzerbrechen bereiten können. Wobei die Deutschen vor allem in zwei Punkten abweichen.
Das Frachtschiff „Ever Given“ (hier in Hamburg) wurde nach seiner Panne im Suezkanal 2021 zum Symbol für gestörte Lieferketten: Unterbrochener Geschäftsbetrieb gehört zu den Top-Risiken für Unternehmen
© picture alliance/dpa | Bodo Marks
Das Frachtschiff „Ever Given“ (hier in Hamburg) wurde nach seiner Panne im Suezkanal 2021 zum Symbol für gestörte Lieferketten: Unterbrochener Geschäftsbetrieb gehört zu den Top-Risiken für Unternehmen

Cybervorfälle, wie Attacken mit Erpresser-Software (Ransomware), Datenpannen und IT-Ausfälle bergen für Unternehmen weltweit in diesem Jahr das größte Risiko. Die damit eng verknüpften, generellen Betriebsunterbrechungen folgen auf dem 2. Platz, während Naturkatastrophen im Jahresvergleich von Platz 6 auf 3 klettern.

Ebenfalls mit Sorge betrachtet sind Feuer und Explosionen (von 9 auf 6) und politische Risiken und Gewalt (von 10 auf 8). Das geht aus dem diesjährigen „Allianz Risk Barometer“ hervor, für den die Allianz mehr als 3.000 Risikoexperten aus 92 Ländern nach ihren Top-Unternehmensrisiken befragte.

Die 10 größten Geschäftsrisiken für Unternehmen weltweit 2024 (Quelle: Allianz)
Die 10 größten Geschäftsrisiken für Unternehmen weltweit 2024 (Quelle: Allianz)

Unter den deutschen Teilnehmern der Studie belegen Cyberattacken und Betriebsunterbrechungen ebenfalls die Plätze 1 und 2. Dabei tauschten sie ihre Plätze gegenüber dem Vorjahr. Anders als in der weltweiten Rangliste landen allerdings veränderte Gesetze und Vorschriften – etwa Zölle, Sanktionen oder Protektionismus – auf Platz 3 (2023: 4).

Die 10 größten Geschäftsrisiken für Unternehmen in Deutschland 2024 (Quelle: Allianz)
Die 10 größten Geschäftsrisiken für Unternehmen in Deutschland 2024 (Quelle: Allianz)

Auffällig ist, dass in Deutschland der Fachkräftemangel als großes Risiko wahrgenommen wird: Hierzulande liegt er auf Platz 4, das ist zwei Positionen höher als im Vorjahr. Weltweit erreicht der Fachkräftemangel als Risiko nur Platz 10.

Petros Papanikolaou, Chef von Allianz Commercial, kommentiert: „Viele dieser Risiken sind bereits in den jeweiligen Heimatmärkten angekommen. Extreme Wetterereignisse, Ransomware-Attacken oder regionale Konflikte strapazieren die Widerstandskraft von Lieferketten und Geschäftsmodellen auch in diesem Jahr. Makler und Kunden von Versicherungen sollten daher wachsam sein und ihre Deckungen entsprechend anpassen.“

Trotz ähnlicher Risikowahrnehmung vergrößert sich der Abstand zwischen großen und kleinen Unternehmen in Hinblick auf ihre Widerstandsfähigkeit. Die Corona-Pandemie hat insbesondere große Unternehmen risikobewusster werden lassen. Worauf sie Maßnahmen einleiteten, um widerstandsfähiger zu werden. Kleinere Firmen haben häufig weder Zeit noch Ressourcen, um eine größere Anzahl von Risikoszenarien zu entwickeln und sich darauf vorzubereiten. Somit dauert es bei ihnen länger, das Geschäft nach einem unerwarteten Vorfall wieder auf Kurs zu bringen.

Seite 2: Einige Details zu einzelnen Top-Risiken

Hier noch einige Gedanken zu den einzelnen Risiken:

Cyberattacken

59 Prozent der Befragten nennen Datenpannen als die besorgniserregendste Bedrohung noch vor Angriffen auf kritische Infrastruktur oder Vermögenswerte mit 53 Prozent. Ransomware-Attacken treiben ebenfalls mehr als die Hälfte der Unternehmen um, da ihre Zahl im vergangenen Jahr deutlich zugenommen hat.

„Kriminelle suchen stets Mittel und Wege um neue Technologien, wie Generative AI, zur Automatisierung und Beschleunigung von Angriffen mit effektiverer Malware und Phishing einzusetzen. Die steigende Anzahl an Vorfällen aufgrund von schwacher Cybersicherheit, hauptsächlich bei mobilen Endgeräten, wird in diesem Jahr erneut die Zahl der Cybervorfälle erhöhen. Fehlende Cyberfachkräfte und die zunehmende Abhängigkeit kleinerer Unternehmen von IT-Outsourcing befeuern diesen Trend zusätzlich“, erklärt Scott Sayce, globaler Leiter für Cyberrisiken bei Allianz Commercial.

Betriebsunterbrechungen

Gestörte Lieferketten sind nach der Corona-Pandemie zwar seltener geworden, dennoch bleiben Betriebsunterbrechungen mit 31 Prozent das zweitgrößte Risiko für Unternehmen. Dieses Ergebnis verdeutlicht die zahlreichen Verflechtungen in einer immer volatileren Welt und die hohe Abhängigkeit von Lieferketten. Für Unternehmen gilt daher, dass sie 2024 geschäftsfähig bleiben, Engpässe in der Lieferkette erkennen und alternative Zulieferer aufbauen sollten.

Naturkatastrophen

2023 war in vieler Hinsicht ein Rekordjahr: Es war zum Beispiel das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Außerdem überstiegen Versicherungsschäden zum vierten Mal in Folge die 100 Milliarden US-Dollar-Marke. Allein 60 Milliarden Dollar gehen auf das Konto heftiger Unwetter.

Naturkatastrophen sind das Top-Risiko in stark von unterschiedlichen Extremwetterlagen betroffenen Staaten wie Griechenland, Hong Kong, Kroatien, Malaysia, Marokko, Mexiko, Slowenien, Thailand und Ungarn. Ein Waldbrand in der Nähe von Alexandroupolis in Griechenland im vergangenen Jahr, war die größte jemals erfasste Naturkatastrophe in der EU. Überschwemmungen in Slowenien sorgten für stark gestörte Lieferketten. Vor allem europäische Autohersteller und Zulieferer hatten in der Folge mit Produktionsverzögerungen und Engpässen bei Bauteilen zu kämpfen.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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