Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) schlägt Alarm. Nach einem zwei Legislaturperioden dauernden Stillstand müsse man das gesamte Gesundheitssystem reformieren. Dinge seien zu ändern und bekannte Schwächen zu beseitigen, gibt der Verband im Rahmen seiner Jahrestagung in Bonn bekannt.
So weist Vorstandsmitglied Wiltrud Pekarek, die zugleich im Vorstand der ALH Gruppe sitzt, darauf hin, dass private und gesetzliche Krankenversicherungen, PKV und GKV, gleichermaßen speziellen Risiken ausgesetzt seien. Sie sagt:
Während die PKV mit ihren leistungsgerecht kalkulierten Prämien resistent gegenüber den demografischen Veränderungen ist, wird sie durch die anhaltende Niedrigzinssituation belastet. Das Umlageverfahren der GKV ist hingegen anfällig für konjunkturelle Schwankungen und ist insbesondere der demografischen Entwicklung weitgehend ungeschützt ausgeliefert.
Was ist also zu tun? Beginnen wir mit der …
Hier halten die Aktuare zwei Ziele für wichtig: Beiträge im Alter stabil halten und Alternativen für verschiedene Lebenslagen anbieten. Und geht es nach dem Verband, braucht man dafür gar nicht so ein riesiges Rad zu drehen. Es reiche aus, wenn man nur geringfügige Dinge am Gesetz ändert.
Ein Versicherer darf den PKV-Beitrag erst erhöhen, wenn die Leistungen einen bestimmten Grad der ursprünglich angenommenen Summen übersteigen. In der Regel liegt diese Schwelle bei 10 Prozent, weshalb Beiträge laut Aktuarvereinigung erst spät und dann entsprechend stark steigen. „Ein durchgängiger Schwellenwert von maximal 5 Prozent und die Einbeziehung des Rechnungszinses als auslösender Faktor würden die Beitragsentwicklung deutlich verstetigen“, schlägt Pekarek deshalb vor.
Bisher zahlen Versicherte von 21 bis 60 Jahren einen gesetzlichen Zuschlag von 10 Prozent auf ihren Beitrag. Er soll Guthaben bilden, die dem Versicherten später zugutekommen sollen. Wenn man ihn höher oder länger erheben würde, könnte man Versicherte im Alter anschließend noch besser entlasten – so die These des Verbands.
Über den Standardtarif können sich Kunden der PKV relativ günstig mit Leistungen auf GKV-Niveau versichern. Allerdings können ihn nur jene nutzen, die sich vor 2009 privat versichert haben. „Dies ist eine nicht nachvollziehbare Diskriminierung von großen Versicherungskollektiven“, prangert Pekarek an. Weshalb ihn alle nutzen können sollen.
Soweit zur privaten Seite. Kommen wir damit zur …
Die Gesetzlichen laufen gerade ein eine so noch nie gekannte Finanzierungslücke (wir berichteten). Weshalb sich die Aktuare auch ihnen widmen. So warnt Pekarek davor, sich allzu sehr an Zuschüsse aus dem Steuersäckel zu gewöhnen: „Diese erwecken die Illusion eines sauber finanzierten Kassensystems, obwohl sie nur eine Vorfinanzierung zu Lasten künftiger Generationen darstellen.“
Konkrete Vorschläge, wie das Problem zu lösen sei, nennt sie jedoch im Gegensatz zur PKV nicht. Aber immerhin schlägt sie vor, was man besser nicht machen sollte: Nämlich die soziale Pflegeversicherung (SPV) zu einer Vollversicherung ausbauen. Das sei angesichts des demografischen Wandels nicht bezahlbar. Stattdessen sollten Menschen mehr durch private Pflegeversicherungen vorsorgen. Denn: „Die private Pflegeversicherung hat mit ihrem Kapitaldeckungsverfahren die demografische Entwicklung in ihren Beiträgen einkalkuliert.“
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