88 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung in diesem oder im kommenden Jahr weiter steigen werden. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes.
1.003 Menschen befragten die Marktforscher dafür und zwar kurz nach Verabschiedung des sogenannten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes (BStabG). Zum Vergleich: Bei einer identischen Befragung im März 2025 – deutlich vor Beginn der GKV-Reform – lag der Wert bei 86 Prozent. Die Skepsis in der Bevölkerung ist demnach sogar trotz des Sparpakets leicht gestiegen.
Reform nicht wieder aufweichen
„Mit dem BStabG wurde zwar eine solide Grundlage für eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik geschaffen, das Versprechen von tatsächlich stabilen Beiträgen ist aber für eine große Mehrheit in der Bevölkerung offensichtlich nicht glaubhaft“, sagt Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands.
Sie sieht nun den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann in der Pflicht, das Sparpaket abzusichern und nicht durch Ausnahmen wieder aufzuweichen. Dafür gibt es laut Umfrage in der Bevölkerung auch kaum Rückhalt: 62 Prozent der GKV-Versicherten wären nicht bereit, höhere Beiträge zur Stärkung der heimischen Arzneimittelproduktion zu zahlen.
Weitere Finanzlücken drohen
Hintergrund ist ein Vorschlag der Bundesregierung, wonach in Deutschland produzierende Pharmaunternehmen den Kassen geringere Rabatte gewähren müssten. Auch bei möglichen Erleichterungen für Krankenhäuser ist die Ablehnung hoch: 56 Prozent der Versicherten wollen dafür nicht tiefer in die Tasche greifen.
„Das Verständnis der GKV-Versicherten für teure Zugeständnisse zur Erfüllung von Partikularinteressen auf Seite der Leistungserbringer und der Industrie ist aufgebraucht“, so Reimann. Sie verweist zudem auf bereits absehbare Finanzlücken von 3,4 Milliarden Euro für 2027/28 und 6 Milliarden Euro für 2029/30. „Diese sollen durch Strukturreformen geschlossen werden, die bislang noch nicht auf den Weg gebracht wurden. Wir hoffen, dass Carsten Linnemann hier konsequent den eingeschlagenen Reformpfad verfolgt, gerade mit Blick auf Notfallreform, Digitalgesetz und die Etablierung eines Primärversorgungssystems.“
Pflege: Höchst reformbedürftig
Reformbedarf sieht Reimann auch in der Pflegeversicherung: Der noch von Ex-Ministerin Nina Warken vorgelegte Referentenentwurf drohe mit weiteren Beitragserhöhungen und Leistungskürzungen. Etwa bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige und bei den Leistungszuschlägen nach Wohndauer im Heim.
Reimann: „Hier muss sich der neue Gesundheitsminister entschieden dafür einsetzen, dass der Bund endlich die Kosten für die gesamtgesellschaftlichen Aufgaben, die bislang von der Pflegeversicherung getragen werden, übernimmt.“