Bei einem großen Stuhltest wird nicht nur die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms ermittelt. Es finden sich auch Informationen zu Verdauungsrückständen. Gemessen wird beispielsweise der Fett-, Eiweiß-, Stärke- und Zuckergehalt im Stuhl, außerdem der Wassergehalt. Die gemessenen Werte im Stuhl lassen viele Rückschlüsse über mögliche Ernährungsfehler, Nährstoffmängel und Dysbalancen der Darmbesiedlung zu.
Nahrungsfette werden üblicherweise primär durch die Gallensäure und das Enzym Pankreas-Lipase aufgespalten. Findet sich im Stuhl eine vermehrte Fettausscheidung, kann das ein Hinweis auf eine gestörte Fettverdauung sein.
So kann beispielsweise zu wenig Gallensäure ausgeschüttet werden, oder aber auch ein Enzymmangel aufgrund einer geschwächten Funktion des Pankreas, also der Bauchspeicheldrüse, vorliegen – eine sogenannte exokrine Pankreasinsuffizienz.
Mit exokrin ist gemeint, dass hier ein Organ Stoffe nicht ins Blut aussondert. Im Falle der exokrinen Funktion des Pankreas werden beispielsweise verschiedene Verdauungsenzyme in den Zwölffingerdarm ausgeschüttet.
Um eine Störung der Bauchspeicheldrüse oder der Galle möglichst ausschließen zu können, ist es deshalb sinnvoll, zusätzlich den Anteil der Pankreas-Elastase und Gallensäuren im Stuhl mitzumessen. Dabei handelt es sich um ein eiweißspaltendes Enzym, welches von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird. Es übersteht die Passage durch den Darm unbeschädigt.
Damit ist die Höhe des gemessenen Wertes im Stuhl ein recht guter Hinweis, wie effektiv die (exokrine) Bauspeicheldrüse arbeitet.
Ist die Pankreas-Elastase erniedrigt, sollte das Organ genauer diagnostisch durch einen Internisten, beispielsweise mittels einer Sonographie, untersucht werden.
Mögliche Symptome einer exokrinen Pankreasinsuffizienz können sein: Durchfälle, übermäßige Blähungen, Gewichtsabnahme, Völlegefühl, meist innerhalb von 30 bis 60 Minuten nach einer Mahlzeit und krampfartige Schmerzen im Oberbauch. Mögliche Ursachen einer exokrinen Pankreasinsuffizienz können eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse sein, im schlimmsten Fall ein Pankreaskarzinom.
Findet sich Gallensäuren im Stuhl könnte dies auf ein Gallensäuren-Verlustsyndrom hinweisen. Gallensäuren emulgieren Nahrungsfette, verbinden diese also mit Flüssigkeiten. Damit ist Gallensäure eine wichtige Voraussetzung, damit Nahrungsfette durch das Enzym Pankreaslipase gespalten werden können.
Außerdem verschieben die Gallensäuren den Darm PH-Wert im Dünndarm in einen schwach sauren Bereich. Das ist notwendig, damit die Pankreaslipase optimal arbeiten kann.
Weiterhin fördern Gallensäuren die Darmperistaltik, also die Darmbewegungen zur Fortbewegung des Stuhls. Der größte Teil der in den Darm abgegebenen Gallensäuren werden im Ileum (Krummdarm – das untere Ende des Dünndarms) resorbiert und über den „Leberkreislauf“ dem Körper wieder zur Verfügung gestellt.
Nur rund 10 Prozent der Gallensäuren gelangen in den Dickdarm und werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Ist nun die Resorption gestört, werden vermehrt Gallensäuren ausgeschieden. Kann die Leber den Gallensäurenverlust nicht mehr ausgleichen, kommt es zu Fettverdauungsstörungen. Gallensäure, die in den Dickdarm gerät, kann dort außerdem durch die dortigen Bakterien in karzinogene Stoffe umgewandelt werden. Langfristig könnte dies das Risiko für die Entstehung von Kolon-Karzinomen erhöhen.
Hinweis: Es ist jedoch zu beachten, dass der Gallensäuregehalt im Stuhl starken Schwankungen unterliegt. Im Falle eines positiven Befundes sollte also eine erneute Messung vorgenommen werden (Mehrfachbestimmung).
Ein erhöhter Eiweißanteil im Stuhl bei normalen Werten der Pankreas-Elastase weist meist auf eine fehlerhafte Nahrungsaufnahme hin. Häufig ist das der Fall, wenn eiweißhaltiges Essen nicht gut genug gekaut und zu hastig gegessen wird. So gelangen zu große eiweißhaltige Nahrungsbrocken in den Magen und können dort nicht vollständig durch die Magensäure aufgespalten werden.
Gelangen so nun unverdaute Eiweiße in den Darm, fördern diese die dortige Fäulnisflora im Übermaß. Diese vergären die Eiweiße, bei zu hohem Fettanteil im Stuhl auch Fett, und produzieren als Stoffwechselabfälle beispielsweise Histamin und Ammoniak. Diese Stoffe können durch die Darmschleimhaut ins Blut gelangen und müssen von der Leber entgiftet werden. Das kann die Leber ähnlich stark belasten, wie Endotoxine von LPS-tragenden Bakterien, die wir im vorherigen Beitrag behandelt haben.
Ein erhöhter Eiweißanteil im Stuhl findet sich jedoch auch, wenn zu viel Eiweiß auf einmal gegessen wird.
Es empfiehlt sich deshalb bis etwa 30 Minuten vor dem Essen und zum Essen nichts zu trinken und danach frühestens wieder nach ein bis zwei Stunden.
Auch bei häufiger Einnahme sogenannter Magenschutztabletten wie Omeprazol und Pantoprazol kann dieser Effekt auftreten. Schließlich ist es Ziel dieser Medikamente, die Produktion der Magensäure zu hemmen. Bei übermäßigem Gebrauch kann dies zu einer gestörten Eiweißverdauung führen und damit zum einen zu einer Fehlbesiedlung des Darms mit den oben genannten gesundheitlichen Folgen. Außerdem begünstigt dieses Umfeld die Entstehung von Kolon-Karzinomen.
Weiterhin sind Nährstoffmängel möglich. Neben einem Mangel an Aminosäuren und Kalzium, tritt auch häufig ein Vitamin-B-Mangel auf. Kommen zum erhöhten Eiweißanteil im Stuhl ein erniedrigter Wert der Pankreas-Elastase hinzu, liegt wieder der Verdacht der oben beschriebenen exokrinen Pankreasinsuffizienz vor. Denn für die Eiweißverdauung ist auch eine ausreichende Bildung des Enzyms Peptidase der Bauchspeicheldrüse wichtig.
Ein umfangreicher Stuhltest liefert also nicht nur wertvolle Hinweise zu einer möglichen Fehlbesiedlung des Darms, sondern auch mögliche Erklärungen für vorhandene Gesundheitsbeschwerden. Selbst wenn diese noch nicht vorliegen, können allein schon mit den Verdauungsrückständen wertvolle präventive Ansätze gewonnen werden und Gründe für eventuell sinnvolle, weitere Diagnostik erkannt werden. Im nächsten Teil werden wir weitere Verdauungsrückstände behandeln, die sich durch einen Stuhltest ergeben können.
Lesen Sie hier die weiteren Teile der Artikelreihe:
Teil 1 – Was ein Stuhltest über die Gesundheit verrät – unterschiedliche Diagnoseverfahren
Teil 2 – Was ein Stuhltest über die Gesundheit verrät – der PH-Wert
Teil 3 – Was ein Stuhltest über die Gesundheit verrät -LPS-tragende Bakterien
Teil 5 – Was ein Stuhltest über die Gesundheit verrät – Wasser-, Stärke- und Zuckergehalt im Stuhl
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