Mehr Staat, mehr Effizienz, mehr Beitragszahler

Wie Hermann-Josef Tenhagen die GKV entlasten würde

Die GKV steckt in Deutschland tief in den roten Zahlen. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip, hat drei Tipps parat, um die Kassen finanziell zu entlasten.
Hermann-Josef Tenhagen, Geschäftsführer und Chefredakteur von Finanztip: Tenhagen hat drei Vorschläge, um die finanzielle Situation der GKV in Deutschland zu verbessern.
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Hermann-Josef Tenhagen, Geschäftsführer und Chefredakteur von Finanztip: Tenhagen hat drei Vorschläge, um die finanzielle Situation der GKV in Deutschland zu verbessern.

Gesetzliche Krankenkassen (GKV) haben in den vergangenen Monaten ihre Beiträge stark erhöht (Pfefferminzia berichtete). Der Grund: Finanzielle Engpässe. Dass es so nicht weitergehen kann, ist klar, und viele machen sich aktuell Gedanken um mögliche Lösungen. So auch Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von „Finanztip“.

Das sind Tenhagens drei Vorschläge, um die GKV finanziell zu entlasten:

1. „Mehr Staat statt steigender Beiträge“

„Wenn politische Entscheidungen getroffen werden, die im Gesundheitsbereich mehr Geld kosten, sollten diese aus dem Steuersäckel bezahlt werden“, so Tenhagen, „egal, ob der Staat das dann über höhere Schulden, höhere Steuern oder Umschichtungen im Staatshaushalt finanziert.“

Das gelte sowohl für die Krankenhausreform als auch dafür, dass Steuerzahler die Versicherungskosten für Bürgergeld-Beziehende komplett übernehmen. Das ist allerdings wieder ein ganz anderes Thema.

2. „Krankenkassen müssen effizienter werden“

Das Team von „Finanztip“ vergleicht die Leistungen und Beitragssätze von Krankenkassen jedes Jahr. „Wenn zwischen teuren und preiswerten Krankenkassen ein Beitragsunterschied von 2,5 Prozentpunkten liegt, dann reden wir schnell über einen zweistelligen Milliardenbetrag, der sich sparen ließe, wenn alle Krankenkassen mit Effizienz arbeiten würden“, kritisiert Tenhagen.

3. „Mehr Geld in die Kasse durch weitere Beitragszahler“

Seit Jahrzehnten tobt laut Tenhagen die Debatte, ob Beamte nicht auch in der Krankenkasse pflichtversichert sein könnten. Das würde für Beamte zwar für weniger Privilegien beim Arztbesuch sorgen, aber auch mehr Geld in den Kassen der GKV spülen.

Auch aktuelle Beitragszahler könnten Krankenkassen aus der Sicht von Tenhagen noch anders heranziehen: Denn sie erheben Beiträge prinzipiell nach Leistungsfähigkeit. Freiwillig gesetzlich Versicherte müssten daher schon heute auch Beiträge auf ausgezahlte Gewinne bei Geldanlagen oder Betriebsenten zahlen. Das könnte künftig auch für gesetzlich Pflichtversicherte gelten, so Tenhagen (Damit liegt er auf einer Linie mit Wirtschaftsminister Robert Habeck, der ähnliches vorschlug).

„Wieso sollten Angestellte mit 5.000 Euro Kapitaleinkünften im Jahr dafür keine Krankenkassenbeiträge zahlen, Angestellte mit 5.000 Euro Jahresbonus aber schon?“, fragt sich Tenhagen.

 

86 Prozent der Befragten befürworten laut einer aktuellen Finanztip-Umfrage eine Reform des Krankenversicherungssystems unabhängig davon, ob sie gesetzlich krankenversichert (85 Prozent) oder privat krankenversichert (81 Prozent) sind. Die Umfragedaten beruhen auf einer repräsentativen Online-Befragung von Innofact im Auftrag von „Finanztip“. An der Umfrage haben im Dezember 2024 1.019 Personen teilgenommen.

Unzufrieden sind die Befragten vor allem mit der Ungleichheit zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung (48 Prozent), den langen Wartezeiten bei Arztterminen (45 Prozent) sowie den zu hohen Beiträgen (42 Prozent).

Tenhagens drei Vorschläge passen übrigens zu einigen GKV-Plänen, die die Parteien in ihren Wahlprogrammen schildern. Welche das sind, lesen Sie hier.

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Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Von Juli 2024 bis Dezember 2025 war sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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