Die Krankenkasse DAK-Gesundheit freut sich über die neue Debatte über den Krankenstand in Deutschland. Vorstandschef Andreas Storm fordert gar einen Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt.
Damit stößt die Kasse in ein ähnliches Horn wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Der hatte am Wochenende festgestellt, dass der Krankenstand in Deutschland zu hoch ist. Als eine der Ursachen sieht er, dass es recht leicht ist, sich telefonisch krankschreiben zu lassen. Damit trat er eine Debatte los, ob man diese Möglichkeit wieder abschaffen sollte.
Zuspruch gab es etwa vom Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Der sagte zum „Tagesspiegel“: „Am Telefon kann doch niemand zuverlässig beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig ist oder nicht.“
Dazu passend veröffentlichte die DAK-Gesundheit jetzt ihre Krankenstands-Analyse 2025. Auch diese Zahlen bescheinigen Deutschland einen enorm hohen Krankenstand: 19,5 Fehltage pro Kopf. Im Vorjahr waren es 19,7 Tage. Wobei auffällt, dass die Fehltage durch psychische Erkrankungen um 6,9 Prozent zulegten.
Zum Vorjahresvergleich bleibt der Krankenstand mit 5,4 Prozent damit stabil, so die DAK weiter, wenngleich auf hohem Niveau. Die meisten Fehltage gingen erneut auf Atemwegserkrankungen zurück. Danach folgt die Psyche mit dem erwähnten Plus von 6,9 Prozent. Sie verdrängten Muskel-Skelett-Probleme als bisher zweitwichtigsten Grund für krankheitsbedingte Arbeitsausfälle auf Platz drei.
Weshalb die DAK darüber reden will. „Ein durch den Bundeskanzler initiierter Krankenstands-Gipfel sollte Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzteschaft und Krankenkassen an einen Tisch bringen“, so Storm. „Dabei geht es insbesondere darum, neue Lösungswege zu entwickeln. Ein wichtiger Baustein kann die Einführung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen und Diagnosen sein. Sie ist bereits ein bewährtes Instrument in skandinavischen Ländern.“
Was es mit dieser Teilkrankschreibung auf sich hat, erklärt Volker Nürnberg, BWL-Professor für Gesundheitsmanagement: „Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befinden sich nicht in einem eindeutigen Zustand von gesund oder krank, sondern dazwischen. Deshalb macht eine Teilkrankschreibung für bestimmte Tätigkeiten oder nur für einen Teil der Arbeitsstunden Sinn – das können zum Beispiel drei von acht Arbeitsstunden pro Tag sein – dort wo möglich auch im Homeoffice. Eine solche Regelung hat das Potenzial, zu einem signifikant niedrigeren Krankenstand zu führen.“
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