„Zeitbombe für die Demokratie“

Allianz-Chef Bäte fordert Kapitaldeckung für Sozialsysteme

Nicht nur in der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch in der Krankenversicherung braucht es eine kapitalgedeckte Säule. Das hat Allianz-Chef Oliver Bäte in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ gefordert.
Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz, bei einem Digitalkongress: Der Versicherungsmanager fordert mehr Kapitaldeckung in den deutschen Sozialsystemen.
© picture alliance/dpa | Thomas Banneyer
Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz, bei einem Digitalkongress: Der Versicherungsmanager fordert mehr Kapitaldeckung in den deutschen Sozialsystemen.

Allianz-Chef Oliver Bäte fordert angesichts der klammen Finanzen in der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung eine kapitalgedeckte Säule in beiden Systemen. Auf Dauer hält er das Umlagesystem in der GKV für „nicht finanzierbar“, sagte er dem „Handelsblatt“ (kostenpflichtig).

Finanzieren ließe sich diese Säule durch „drastische Einsparungen, bessere Steuerung und weniger Missbrauch im Gesundheitswesen“. Die Zahl der Krankenhausbetten müsse runter. Fehlanreize bei OPs und Arzneimitteln müssten abgebaut werden.

Bürger müssen Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen

Aber das reicht dem Vorstandsvorsitzenden der Allianz noch nicht. Er fordert auch die Bürger zu mehr Eigenverantwortung auf. Man müsse selbst für seine Gesundheit sorgen, zu Vorsorgeuntersuchungen gehen und so weiter. „Ich finde es grundsätzlich falsch, dass die Gesellschaft weiter.

Grundsätzlich moniert der Manager, dass in Deutschland zu viel Geld für Menschen ausgegeben werde, denen es gut gehe. Für diejenigen, die wirklich Schutz bräuchten werde dagegen zu wenig getan. „Das ist wie eine Zeitbombe für die Demokratie“, so Bäte gegenüber dem „Handelsblatt“.

Die Regierung sei bei den Reformen auf einem guten Weg, es brauche aber noch weitere Arbeit an den Sozialsystemen. Denn die Wirtschaft sieht Bäte nicht in der besten Verfassung, und dementsprechend gehen auch die Steuereinnahmen zurück. Bäte: „Die Party ist zu Ende.“

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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Ein Kommentar

  1. Interessant daran ist u.a., dass die Regel-Altersgrenze für Allianz-Vorstände 62 ist (https://www.allianz.com/de/ueber-uns/unternehmensfuehrung/vorstand/amtszeiten.html) und Herr Bäte 2024 mit Grundgehalt, ausgezahlten Boni und Pensionszusagen 10,23 Millionen Euro verdient hat (https://www.hzinsurance.ch/allianz-chef-baete-erstmals-mit-verguetung-von-ueber-10-millionen-euro/9fezzvy). Damit soll keine Neiddebatte angestossen werden, aber das bedeutet, dass er sich als mutmaßlich privat Krankenversicherter und Steuerzahler in gewissem Sinne an einem der von ihm angeprangerten „Missbräuche“ im gesetzlichen Gesundheitssystem beteiligt: an den Untersuchungs- und Behandlungskosten der Grundsicherungsgeldempfänger. Diese Kosten haben ein Volumen von ca. 10 Mrd. €. Diese Kosten, welche wohl mit Fug und Recht als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gelten dürfen, tragen ausschließlich die GKV-Versicherten.
    Das bedeutet nicht, dass er mit allem was er dazu aussagt daneben liegt. Doch es kommt halt aus meiner Sicht nicht aus berufenem Munde: wem es derart gut geht wie Herrn Bäte, wer derart besser gestellt ist als gesetzlich Rentenversicherte und gesetzlich Krankenversicherte, sollte etwas mehr Demut an den Tag legen und nicht auch noch Missbrauch anprangern, an dem er selbst beteiligt ist (nicht seine Schuld, aber warum fordert er diesbezüglich keine Änderung?). Und etwas mehr Zurückhaltung an den Tag legen bei Forderungen an Einsparungen insbesondere an die, die die Gesellschaft als Leistungsträger tatsächlich tragen (und das sind i.d.R. nicht die in jeder Hinsicht „gut gepolsterten“ Vorstände von Aktiengesellschaften): die Schlecht- und Normalverdiener, die häufig in für die Gesellschaft existenziell wichtigen Branchen arbeiten. Aber auch jene Gutverdiener wie bspw. GKV-Versicherte Versicherungsmakler – und Berater, leitende Angestellte usw., die den Höchstbeitrag in der GKV zahlen müssen, u.a. wegen dem o.g. Missbrauch.
    Noch einmal: das macht nicht alles falsch, was er sagt. Aber für mich hat das wegen des Absenders mindestens ein „Geschmäckle“.
    Und selbst wenn man wollte, kann sich z.B. wegen Vorerkrankungen oder Behinderungen nicht jede/r in der PKV versichern.
    Interessant ist übrigens auch, dass er sich komplett dazu ausschweigt, dass die PKV die gleichen Probleme hat. Kumulierter durchschnittlicher Anstieg der PKV-Beiträge von 2015-2025: 42-48 % (Quellen: PKV-Verband Jahresberichte, Franke & Bornberg-Analysen und Auswertungen der BaFin-Jahresberichte zur Versicherungswirtschaft). Also in etwa gleich wie der Höchstbeitrag in der GKV (insg. 2015-2025: 47 %), den im Übrigen ja nur die Minderheit der GKV-Versicherten zahlen muss. Beide Angaben ohne Pflegeversicherung.
    Kapitaldeckung als Lösung?
    Warum kommen da bei mir Zweifel auf bei diesen Zahlen? Kommt uns diese Forderung nicht aus den Rentenreformen Anfang der Nuller-Jahre bekannt vor? Und was hat z.B. das kapitalgedeckte „Riestern“ gebracht: eine volkswirtschaftliche Katastrophe, die ihr Ziel weit verfehlt hat.
    Legen diese Zahlen nicht eher nahe, dass beide Systeme bisher keine nachhaltigen Lösungen für die Probleme der Kostensteigerungen und der Alterung der Gesellschaft haben?
    M.E. müssen beide KV-System dringend reformiert werden, nicht nur die GKV, wie Herr Bäte suggeriert.

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