Ver.de-Chefin im Interview

„Geld von Versicherern hat Impact auf Klima, Natur und Gesellschaft“

Nachhaltig zu investieren ist für private Anleger gar nicht so einfach bei der ganzen unübersichtlichen Regulatorik. Und Versicherern geht es ähnlich. Warum Marie-Luise Meinhold mit ihrem Team von Ver.de dennoch gerade den ersten Versicherer aufbaut, der komplett grün investiert, und warum man sich von den unterschiedlichen Vorgaben nicht abschrecken lassen sollte, hat sie uns im Interview verraten.
Marie-Luise Meinhold, Vorständin von Ver.de: „Es mag sein, dass in Einzelfällen Anlagen nicht so nachhaltig sind, wie ursprünglich behauptet. Doch deshalb die Bemühungen um nachhaltige Investitionen nicht in Betracht zu ziehen? Das erscheint uns wie eine Ausrede.“
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Marie-Luise Meinhold, Vorständin von Ver.de: „Es mag sein, dass in Einzelfällen Anlagen nicht so nachhaltig sind, wie ursprünglich behauptet. Doch deshalb die Bemühungen um nachhaltige Investitionen nicht in Betracht zu ziehen? Das erscheint uns wie eine Ausrede.“

Pfefferminzia: Inwiefern besteht auf dem deutschen Markt Bedarf für einen Versicherer, der sein Sicherungsvermögen komplett grün und mit Impact anlegt?

Marie-Luise Meinhold: Jeden Tag stehen wir vor den Herausforderungen, die unsere Welt dringend bewältigen muss: die Klimakrise, unzureichende Investitionen in Bildung und die notwendige Energie- und Mobilitätswende beispielsweise. All diese Themen verlangen eines: Investitionen – sei es in den Klimaschutz, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder in bezahlbaren Wohnraum.

Allein die deutschen Versicherer verwalten knapp 2 Billionen Euro. Genau mit diesem Kapital könnten sie all diese Projekte unterstützen. Es ist daher entscheidend, dass Versicherungsunternehmen nicht nur grüne Produktlinien anbieten, sondern umfassende, nachhaltige Konzepte entwickeln. Leider sehen wir das zurzeit noch nicht in der Versicherungswirtschaft.

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Das Geld von Versicherern wird so oder so weiter investiert. Wenn sie dabei nicht auf die Wirkung achten, kann es eben auch sein, dass sie damit klimaschädliche Unternehmen finanzieren und so sogar gegen die nachhaltige Entwicklung arbeiten. Denn so oder so hat das Geld einen Impact – die Frage ist nur, wie er für Klima, Natur und Gesellschaft aussieht. 

Was entgegnen sie Kritikern, die sagen, es ist schwer nachhaltig anzulegen? Man kann doch nie sicher sein, wie nachhaltig die Investments wirklich sind?

Meinhold: Es mag sein, dass in Einzelfällen Anlagen nicht so nachhaltig sind, wie ursprünglich behauptet. Doch deshalb die Bemühungen um nachhaltige Investitionen nicht in Betracht zu ziehen? Das erscheint uns wie eine Ausrede. Diese Argumentation erinnert an die Frage: „Warum Bio-Produkte kaufen, wenn möglicherweise entlang der Lieferkette irgendwo geschummelt wird?“ Das sollte doch keine Ausrede sein, es gar nicht zu probieren.

Nachhaltige Anleihen finanzieren grüne Projekte

Was sind Beispiele für nachhaltige Investitionen, die was bewirken, und wie überprüft man sie am besten?

Meinhold: Durch nachhaltige Anleihen werden nachweislich bereits Projekte mit starkem Impact wie der Ausbau von Straßenbahnen, Aufforstung oder die Renovierung von Schulen finanziert. Solche Vorhaben sind konkret messbar und lassen sich oft gut belegen. In der heutigen Zeit gibt es zahlreiche spannende Investmentmöglichkeiten, die ihre positiven Auswirkungen transparent darlegen, extern prüfen lassen und umfassendes Informationsmaterial zu den einzelnen Investitionen bereitstellen.

Natürlich ist es wichtig, dass wir diese Informationen sorgfältig überprüfen und in den Folgejahren Reportings zu diesen Investitionen im Auge behalten, ob die Wirkung auch tatsächlich erzielt wird. Hier können externe Bewertungen besonders hilfreich sein. Und es mag sein, dass in Einzelfällen Anlagen nicht so nachhaltig sind, wie ursprünglich behauptet.

Wie ist der aktuelle Stand der Gründung und können Sie schon abschätzen, wann die Finanzierung steht?

Meinhold: Derzeit haben wir bereits über 60 Prozent des benötigten Kapitals für unsere Zulassung erreicht. Dieses Kapital haben wir durch die Unterstützung vieler Mitglieder unserer Genossenschaft sowie durch einige Investorinnen und Investoren gewonnen, die sich glaubhaft für Nachhaltigkeit einsetzen. Um die verbleibende Summe zu sichern, starteten wir am 22. Januar 2025 erneut eine Mitgliederkampagne. Gleichzeitig führen wir Gespräche mit Investorinnen und Investoren, die aktuell die Restfinanzierung prüfen. Unser Plan ist es, noch im ersten Halbjahr 2025 die Zulassung bei der Bafin beantragen zu können.

Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Seit Juli 2024 ist sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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