Die Solvenzquote der deutschen Lebensversicherer ist 2023 gesunken. Zum Jahresende lag sie im Durchschnitt bei trotzdem sehr ansehnlichen 663,6 Prozent. Es sind aber 48 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor. Das geht aus dem aktuellen Map-Report vom Analysehaus Franke und Bornberg hervor. Grundlage sind die Berichte über Solvabilität und Finanzlage (SFCR-Berichte), die die Unternehmen regelmäßig vorlegen müssen.
Die Solvenzquote gibt an, ob ein Versicherer auch in möglichen Extremszenarien genügend Eigenmittel hat, um seinen Verpflichtungen gegenüber Versicherten und anderen Leistungsempfängern nachzukommen. Die Aufsicht verlangt mindestens 100 Prozent.
Als Hauptgrund für den nun gesunkenen Wert machen die Analysten das im vergangenen Jahr wieder gesunkene Rendite- und Zinsniveau an den Anleihemärkten aus. Wobei der Leitzins als Maßstab für das sehr kurzfristige Zinsniveau ja sogar gestiegen war. Für länger laufende Zinsen und Renditen galt das nämlich nicht. Und weil Verpflichtungen in der Zukunft mit marktüblichen Zinsen auf heute abgezinst werden, steigt deren heutiger Zeitwert, wenn der Zins sinkt (mehr dazu lesen Sie hier).
Zusätzlich – so der Bericht weiter – nimmt der Einfluss der derzeit geltenden Übergangsnahmen jedes Jahr ein Stück ab. In dem genannten Durchschnittswert sind Lebensversicherer, die auf solche Übergangsmaßnahmen verzichten, nicht enthalten.
Die Spannweite zwischen den einzelnen Anbietern ist nach wie vor breit. Den höchsten Wert verzeichnet die Signal Iduna mit einer Quote von 1.317,1 Prozent. Auch die R+V (1.266,8 Prozent), SV Sparkassenversicherung (1.164,3 Prozent), Münchener Verein (1.113,3 Prozent), Provinzial Rheinland (1.102,7 Prozent), und Süddeutsche (1.059,6 Prozent) liegen über dem Zehnfachen des geforderten Werts. Die niedrigsten Quoten inklusive sämtlicher Übergangsmaßnahmen veröffentlichten BL die Bayerische (192,8 Prozent), Gothaer (278,5 Prozent) und Öffentliche Oldenburg (305,1 Prozent).
Wie in den Vorjahren haben die Übergangshilfen kräftig gestützt, maßgeblich beeinflusst durch die Maßnahme bei den versicherungstechnischen Rückstellungen. Häufig beträgt der Unterschied zwischen der Basisquote (ohne Hilfsmaßnahmen) und dem aufsichtsrechtlichen Nachweis mehr als 300 Prozentpunkte, nicht selten sogar weit über 500 bis hin zu 1.100 Prozentpunkten.

Im Marktschnitt liegt der Unterschied bei 342,9 Prozentpunkten. Am stärksten wirkten sich die Übergangshilfen bei der Signal Iduna aus. Dort unterscheidet sich die Solvenzquote mit 1.317,2 Prozent um 1.106,9 Prozentpunkte von der Basisquote (210,3 Prozent).
Also weiter mit den Basis-Quoten – die stiegen laut Report zwar, aber nur gering. Nämlich von 317,4 Prozent im Vorjahr auf 320,8 Prozent. Auch bei dieser Kennzahl streuen die Ergebnisse enorm. Die höchste Quote hatte die Europa mit 893,2 Prozent (2022: 820,5 Prozent), gefolgt von der LVM mit 767,5 Prozent (Vorjahr 745,9 Prozent). Die geringsten Werte verzeichneten die LPV mit 11,7 Prozent, Öffentliche Oldenburg mit 87,0 Prozent und Cosmos mit 91,7 Prozent.
Diese drei Lebensversicherer verfehlten somit Ende 2023 die Bedeckungsquote von 100 Prozent ohne Hilfs- und Übergangsmaßnahmen. Im ersten Bericht nach Solvency II zum Jahresende 2016 waren es noch 21. Aber genau für diese Situation wurden die Hilfsmaßnahmen erarbeitet, legen die Analysten dar. Sie sollen den Gesellschaften den Übergang vom alten ins neue Aufsichtsregime erleichtern.
Die privaten Krankenversicherer zeigten sich bei ähnlich breit gestreuten Ergebnissen durchweg solvent. Insgesamt stieg die Quote von 521,7 auf 527,4 Prozent. Die Ergebnisse schwanken zwischen 1.047,3 Prozent (UKV) und 192,5 Prozent (Ergo).
Wobei die Franke-und-Bornberg-Analysten auf einen großen Vorteil der PKV gegenüber der Lebensversicherung aufmerksam machen: Sie kann die Beiträge erhöhen und damit Risiken auf Kunden übertragen. Ein sehr hoher Wert könne in der Krankenversicherung aber auch bedeuten, dass ein Anbieter eine schlechte Risikosituation innerhalb und zwischen den Tarifwerken ausgleichen muss.
Doch den Analysten gibt ein besonderer Umstand schwer zu denken: Für den Umbau des Geschäfts gemäß der Solvency-II-Vorgaben dürfen die Versicherer zwar Übergangsmaßnahmen nutzen. Doch die laufen 2032 aus, was die Branche unter Zeitdruck setzt. Sie muss Milliardenbestände umschichten und das dauert.
„Ob die anstehenden Herausforderungen, sei es auf demografischer, regulatorischer oder zinstechnischer Ebene, von allen Anbietern bewältigt werden können, ist zweifelhaft. Insofern dürfte sich die Konsolidierung vor allem unter den Lebensversicherern weiter beschleunigen“, folgert Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg.
Der Wirtschaftsbegriff „Konsolidierung“ bedeutet nichts anderes als: Versicherer schlucken andere Versicherer, oder es schließen sich welche zusammen. Da könnte also noch einige Bewegung in die Branche kommen.
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