Pfefferminzia: Welche Rolle spielt die bisherige Riester-Rente in Ihrem Kundenstamm?
Hubert Schneider: Als investmentaffiner Berater fließen freie Mittel meiner Kunden meist in Fondsdepots. Private geförderte Vorsorge habe ich erst in zweiter oder dritter Reihe genutzt, und zwar wenn die Förderquoten hoch waren. Bei Eheleuten hat das also nur der Partner mit den geringeren Einkünften genutzt und die Kinder mit reingenommen, um die maximale Förderquote zu nutzen. Damit habe ich trotzdem eine erkleckliche Zahl an Mandanten mit Riester-Verträgen bestückt.
Welche Produkte haben Sie genutzt?
Schneider: Hauptsächlich Investmentprodukte und die vorwiegend von der DWS. Für sicherheitsorientierte Kunden konnten es auch Hybridprodukte vom Volkswohl Bund oder der Allianz sein. Aber das war der geringere Teil.
Nun soll ja die große Altersvorsorgereform kommen. Wie verhalten Sie sich aktuell?
Schneider: Im Augenblick mache ich nichts.
Und wann ändert sich das?
Schneider: In so einer Übergangsphase wie jetzt ist es besser, nichts Altes mehr anzufangen. Bei den Beständen warte ich ab, was ich damit konkret machen kann. Das ist ja noch nicht klar. Was wird zum Beispiel aus der Bruttogarantie, wenn ich das Riester-Produkt übertrage und es noch im Minus ist? Müsste ich es mit Verlust übertragen, es läuft aber nur noch … sagen wir … zwei Jahre, dann lasse ich es lieber liegen. Dann muss der Anbieter bluten und das Minus am Ende auffüllen.
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Und neue Produkte?
Schneider: Da kann ich jetzt noch das halbe Jahr warten und habe dann ausreichende Klarheit. Ich kann dann eine Marketing-Kampagne fahren oder über eine Kaskade ein paar Kontaktpunkte erzeugen. Im Grunde könnte ich das sogar jetzt schon tun, müsste dann aber erstmal um Geduld bitten.
Wenn der Vertrag aber noch lange läuft, kann man ihn auch mit Verlust übertragen, oder?
Schneider: Ja, denn dann besteht die Chance, alles wieder aufzuholen. Ich möchte trotzdem gern Klarheit haben, wie alles wirklich ausgestaltet ist. Ich bin nicht so ein First-Mover in solchen Dingen. Manche Kunden begleite ich schon seit über 30 Jahren, und sogar ihre Kinder sind schon bei mir. Sie alle kennen meine Handschrift.
Und die ist ruhig?
Schneider: Absolut. Und wenn ich jetzt was anfange und dann sage, „Kommando zurück!“, dann muss ich alles noch mal machen. Das ist schon rein organisatorisch umständlich und anstrengend.
Wann haben Sie ausreichende Klarheit?
Schneider: Startpunkt für das Gesetz ist ja Anfang 2027. Ich denke also, dass im letzten Quartal genügend geklärt ist. Dann stehen schon vernünftige Anbieter bereit, und auch mit dem staatlichen Produkt müsste schon einiges feststehen. Ich mache ja kein KFZ-Geschäft, habe also genug Zeit für so etwas (lacht).
Und dann nutzen Sie als Investmentfreund eher das Altersvorsorgedepot?
Schneider: Das muss ich mir als Ruhestandsplaner mit jedem Kunden einzeln ansehen. Im Ruhestand gibt es Basiskosten, und die müssen über garantierte, lebenslange und indexierte, also inflationsgesteuerte Zuflüsse gedeckt werden. Es könnte also sein, dass bei manchen Kunden noch mal ein Versicherungsprodukt notwendig ist, damit sie nicht nach 15 Jahren Auszahlplan unter der Brücke schlafen, weil das Geld alle ist. Oder weil die Kosten den Zuflüssen weggelaufen sind. Ansonsten werde ich wohl eher auf das Altersvorsorgedepot gehen, weil es wahrscheinlich die kostengünstigere Lösung ist.
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