Mehr als jeder dritte Besitzer eines Smartphones (35 Prozent) musste sich in den vergangenen zwölf Monaten mit Schadprogrammen auf seinem Gerät auseinandersetzen. Das ermittelte erst kürzlich eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Um das eigene Smartphone zu schützen, gibt es neben einer Sicherheitssoftware weitere Maßnahmen, die mehr oder weniger genutzt werden. Inwieweit die Befragten eine private Cyberversicherung nutzen oder zumindest wissen, dass es diesen Versicherungsschutz gibt, wurde nicht abgefragt. Dabei wäre diese Absicherung auch im Fall von gehackten Smartphones durchaus von Bedeutung. Denn ein nach einer Cyber-Attacke entstandener Schaden würde so ersetzt.
In einer früheren Bitkom-Studie stellte sich heraus, dass 19 Prozent der Befragten sich zwar vorstellen können, eine Cyberversicherung abzuschließen, aber nur 5 Prozent wollen sich wirklich absichern. In vielen neuen Hausrat- und Rechtsschutz- und in derzeit einer Privathaftpflichtversicherung finden sich Bausteine, die einen gewissen Schutz bieten. Doch über das umfassendste Leistungspaket verfügen die eigenständigen Produkte. Diese Angebote gibt es derzeit von Axa, BGV, Inter, Sparkassenversicherung, Cosmos Direkt, Ergo direkt und – ganz neu in diesem Jahr – VGH. Die R+V Versicherung dagegen hat ihr Produkt eingestellt und den Schutz in ihre Hausratversicherung eingebaut.
„Vorsichtig testen sich die Anbieter in den Markt“, konstatiert Jens Reichert, Marktbeobachter in dieser noch jungen Sparte bei der Inter Versicherung. „Die Angst vor schwer kalkulierbaren Kumulrisiken ist dabei deutlich zu spüren. Es fehlt einfach die Erfahrung mit Schäden“, führt Reichert aus. Dabei würden sich sowohl der Umfang der versicherten Leistungen als auch der Aufbau der Bedingungen und die verwendeten Begriffe stark unterscheiden. Es gibt, anders als in den etablierten Sparten, keinen einheitlichen Standard. Einig sind sich jedoch alle darüber, dass eine professionelle Sicherheitssoftware die Voraussetzung für den Abschluss eine Cyberversicherung ist. Bei Inter und Axa ist diese Software inkludiert.
„Die Preise, die relativ stabil sind, bewegen sich zwischen 9,90 Euro und 159 Euro jährlich. Allerdings ist das aufgrund der großen Leistungsunterschiede kaum miteinander vergleichbar“, sagt Jens Reichert. In der Rechtsschutzversicherung eingeschlossene Bausteine bieten fast ausnahmslos nur anwaltliche Beratungsleistungen. „Vor einem eigenen Vermögensschaden oder etwaigen Schadenersatzansprüchen kann sich der Versicherungsnehmer so nicht schützen“, sagt der Experte. In den Bausteinen, die in der Hausratversicherung integriert seien, gebe es darüber hinaus keine logische Abgrenzung zwischen der Absicherung von eigenen Vermögensschäden und Ansprüchen Dritter. Selbstständige Produkte liefern gegenüber den Bausteinen einfach den umfänglichsten Schutz.
Bei allen Tarifen sind der Versicherungsnehmer und seine Familie, die in häuslicher Gemeinschaft zusammenleben, versichert. Ausnahme die Inter. Durch die drei verschiedenen Leistungspakete Basis, Exklusiv und Premium, wird die gesamte Familie nur in der Premium Variante geschützt. Basis sichert den Versicherungsnehmer ab und in der exklusiven Version sind es zwei Personen in häuslicher Gemeinschaft.
Zu diesen Leistungen zählen unter anderem: Missbrauch von Kredit- oder Bankkarten oder der Missbrauch beim Onlinebanking und sonstigen Bezahlsystemen oder von privat genutzten Kundenkonten (wie Amazon, Ebay, Google Play, Apple iTunes), Verkäufer- und Käuferschutz im Onlinehandel. Bei diesen Konten schließen die eigenständigen Produkte der Axa, von Ergo Direkt und Cosmos direkt eine Leistungsübernahme aus. Die SV Sparkassenversicherung begrenzt eine Zahlung auf die ausschließlichen Verpflichtungen zur Lieferung einer Ware oder Rückerstattung eines Kaufpreises. Bei der Inter gibt es je nach Tarifvariante maximal 10.000 Euro oder 15.000 Euro.
Entstehen beispielsweise Kosten für den Austausch oder die Wiederbeschaffung von Zahlungskarten (zum Beispiel Kreditkarte) und Identitätsdokumenten (zum Beispiel Ausweispapiere) muss der Geschädigte bei dem Produkt der Axa, der VGH sowie bei Ergo Direkt und Cosmos Direkt alles allein übernehmen. Die SV Sparkassenversicherung leistet ebenso wie die BGV bis zu 250 Euro, die Inter bis zu 15.000 Euro.
Bei Cybermobbing gehört eine anwaltliche Erstberatung noch bei den wenigsten dazu – und eine psychologische Beratung übernehmen die meisten Versicherer nur telefonisch. Die Inter hat hier eine Kostenpauschale in Höhe von 500 Euro versichert. Auch bei Schäden, die an der Hardware entstanden sind, leistet außer der Inter kein anderer. Die anfallenden Kosten, um Daten wieder herzustellen, übernehmen auch die SV Sparkassenversicherung, VGH und BGV mit 1.000 bis maximal 2.000 Euro.
Mit der Zunahme der technologischen Möglichkeiten, wie der Vernetzung von Haushaltsgeräten, in den kommenden drei Jahren jedoch, wird die Internetkriminalität steigen, sind sich Experten sicher. „Fast zwangsläufig werden weitere spektakuläre Angriffe folgen, das Risikobewusstsein schärfen und die Nachfrage steigern“, vermutet Jens Reichert. Während sich im kommenden Jahr die Versicherungsunternehmen nach wie vor eher auf Deckungen für Industrie- und Gewerbekunden konzentrieren als darauf, Privatkunden eigenständige Lösungen anzubieten, erwartet Reichert in den nächsten drei Jahren eine andere Entwicklung: „Der private Cyberschutz wird einen wesentlich höheren Stellenwert einnehmen als heute. Kommen mehr Anbieter auf den Markt, wird der größere Wettbewerb vermehrt zu Innovationen führen. Ratings werden dann Produktqualität und -standards verbessern.“ Man darf gespannt sein, ob sich die Prognose bewahrheitet.
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