Bilanzrating PKV

Map-Report: Nur drei PKV-Anbieter erreichen die Bestnote

Trotz kräftigen Beitragswachstums und steigender Vollversichertenzahlen schaffen es im neuen Map-Report von Franke und Bornberg nur 3 von 30 privaten Krankenversicherern an die Spitze. Das Analysehaus hat die Bewertungskriterien für das Bilanz-Rating neu justiert.
Chirurg bereitet sich auf eine OP vor: Die PKV zeigt sich aktuell recht robust.
© stefamerpik/Magnific
Chirurg bereitet sich auf eine OP vor: Die PKV zeigt sich aktuell recht robust.

Im aktuellen Bilanz-Rating Private Krankenversicherung (Map-Report 945) erreichen folgende drei Krankenversicherer als einzige Anbieter die Höchstnote „mmm+“ (hervorragend):

  • Inter Krankenversicherung (259,5 von 300 Punkten, 86,5 Prozent),
  • Signal Iduna Krankenversicherung (258,0 Punkte, 86,0 Prozent) und
  • Allianz Private Krankenversicherung (255,5 Punkte, 85,2 Prozent).

 

Die Analysten haben die Methodik des Ratings in diesem Jahr verändert: Sie haben mehrere Bilanzkennzahlen ausgetauscht oder neu gewichtet. Zu den wichtigsten Änderungen zählen der Wegfall der Zuführungsquote zur RfB zugunsten einer neuen Überschussleistungsquote, die Einführung einer RfB-Einsatzquote sowie eine stärkere Gewichtung des Vollversichertenwachstums – erstmals fließt zudem das Wachstum der Zusatzversicherten mit ein. Die Nettorendite erhält mehr Gewicht, Überschussverwendungs- und Abschlusskostenquote etwas weniger.

„Ein Rating ist kein starres Gebilde. Märkte verändern sich, Geschäftsmodelle entwickeln sich weiter, und auch die Aussagekraft einzelner Kennzahlen muss regelmäßig hinterfragt werden“, sagt Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg und Herausgeber des Map-Report.

13 der 30 Versicherer nur befriedigend

Knapp am Sprung ins Spitzenfeld vorbei schrammt die Universa Krankenversicherung mit 254,0 Punkten – nur einen Punkt unter der „mmm+“-Schwelle. Zusammen mit LVM (240,5 Punkte) und Alte Oldenburger (238,0 Punkte) bildet sie die „mmm“-Gruppe (sehr gut). 13 der 30 Versicherer kommen nicht über die Note „m“ (befriedigend) hinaus.

Wirtschaftlich zeigt sich die PKV robust: Die verdienten Bruttobeiträge stiegen 2025 um 8,4 Prozent auf 54,6 Milliarden Euro. Die Zahl der Vollversicherten wuchs zum dritten Mal in Folge auf 8.788.880 Personen, das sind 46.860 Personen mehr als im Jahr zuvor. Allerdings ist ein Teil davon reines Wechselgeschäft zwischen den Versicherern.

Belastung bei den Bewertungsreserven

Auch die Kapitalerträge legten zu. Die Nettorendite stieg im Marktdurchschnitt von 2,70 auf 2,76 Prozent, die laufende Durchschnittsverzinsung von 2,78 auf 3,04 Prozent. Die höchste Nettorendite des Jahres 2025 erzielte die Allianz mit 3,91 Prozent.

Gegenläufig entwickeln sich dagegen die Bewertungsreserven. Die marktweite Bewertungsreservequote sank von minus 1,96 auf minus 3,62 Prozent. Im für das Rating relevanten Fünf-Jahres-Durchschnitt liegt sie inzwischen bei minus 0,23 Prozent. 20 der 30 gerateten Versicherer erhalten in dieser mit bis zu 30 Punkten gewichteten Kennzahl keine Punkte mehr, in früheren Jahrgängen war das noch ein bedeutender Beitrag zur Gesamtbewertung.

Auf der Kostenseite geht es etwas entspannter zu: Die Verwaltungskostenquote sank im Marktdurchschnitt von 2,23 auf 2,11 Prozent, die Abschlusskostenquote von 7,21 auf 7,03 Prozent, obwohl die absoluten Aufwendungen in beiden Positionen weiter stiegen. Die Schadenquote sank leicht von 83,40 auf 82,90 Prozent, allerdings nur, weil die Beiträge kräftiger wuchsen als die Leistungsausgaben. Der Druck auf der Leistungsseite bleibt damit hoch. Die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote verbesserte sich von 7,10 auf 7,80 Prozent.

Zinsumfeld wirkt auf die Bilanzen

Der RfB-Puffer schmilzt. Die RfB-Quote, die den Bestand an Rückstellung für Beitragsrückerstattung in Prozent der verdienten Bruttobeiträge misst, sank von 30,67 auf 27,53 Prozent, obwohl der erfolgsabhängigen RfB 2025 mit rund 3,77 Milliarden Euro gut 2 Prozent mehr zugeführt wurde als im Vorjahr. Die Überschussverwendungsquote blieb mit 88,23 Prozent nahezu unverändert.

„Gerade die Bewertungsreserven zeigen, wie stark das Zinsumfeld auf die Bilanzen wirkt. Die jüngste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 25 Basispunkte kann den Druck zusätzlich erhöhen“, sagt Reinhard Klages, Leitung Ratings Unternehmenskennzahlen bei Franke und Bornberg. „Steigende Marktzinsen drücken die Kurse älterer Anleihen und erschweren damit eine Erholung der Reserven.“

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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