Der Spezialversicherer Hiscox hat seine jährliche Untersuchung zur Lage von Selbstständigen und Freiberuflern (Freelancer) vorgelegt. Die „Freelancer-Studie 2026“ beleuchtet Risikowahrnehmung und Absicherungsverhalten und zeigt das bekannte Spannungsfeld: Während viele Risiken klar benannt werden, klafft bei der konkreten Vorsorge oft eine erhebliche Lücke. Für Vermittler liefert die Studie damit eine fundierte Grundlage, um Freelancer bedarfsgerecht zu beraten.
Dreh- und Angelpunkt ist die Frage, welche Risiken Freelancer als am größten erachten. Wenig überraschend steht die eigene Arbeitskraft im Mittelpunkt. Die größte Sorge ist ein längerer Ausfall durch Krankheit oder Unfall; 65 Prozent der Befragten nennen dies als Top-Risiko. An zweiter Stelle stehen geschäftliche Rückschläge wie der kurzfristige Wegfall von Aufträgen oder die Insolvenz eines wichtigen Kunden (55 Prozent). Auch rechtliche Auseinandersetzungen werden von 38 Prozent als substanzielle Gefahr wahrgenommen.
Die Studienergebnisse bestätigen, was Vermittler aus der Praxis kennen: Zwischen der erkannten Gefahr und der abgeschlossenen Police besteht oft eine Diskrepanz. Vor allem bei der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit (BU) zeigt sich die Lücke deutlich. Obwohl der Einkommensausfall als Hauptrisiko gilt, verfügen nur 21 Prozent der Freelancer über eine entsprechende BU-Police. Die Gründe dafür sind laut Untersuchung vielfältig und reichen von vermeintlich zu hohen Kosten über die Komplexität der Produkte bis zur Hoffnung, es werde schon nichts passieren.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Berufshaftpflichtversicherung. Zwar ist deren Verbreitung gestiegen – oft weil Auftraggeber eine Police zur Bedingung machen –, dennoch ist sie keineswegs Standard. Nur 48 Prozent der Befragten haben eine solche abgeschlossen. Gerade in beratenden und kreativen Berufen, wo ein Fehler zu hohen Vermögensschäden führen kann, arbeiten viele Selbstständige ohne diesen Schutzschirm.
Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Altersvorsorge. Sie bleibt für viele Freelancer ein Problem, das in die Zukunft verschoben wird. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit ist zwar bei über 70 Prozent vorhanden, doch die Umsetzung hinkt hinterher. Nur 59 Prozent geben an, regelmäßig oder zumindest gelegentlich für das Alter zu sparen. Viele Selbstständige erklären, dass die Sicherung des laufenden Einkommens und Investitionen in das eigene Geschäft Vorrang haben. Konkrete Sparpläne über Rürup-Verträge, private Rentenversicherungen oder Wertpapiere werden oft unregelmäßig bedient. Die Analyse macht deutlich, dass es für viele keine klare Strategie gibt, um die Rentenlücke im Alter zu schließen.
Diese Zurückhaltung bei der Absicherung korreliert auch mit der oft unsicheren Geschäftslage. Zwar scheint sich eine leichte Entspannung abzuzeichnen: Eine knappe Mehrheit von 53 Prozent der Selbstständigen blickt wieder optimistischer auf die eigene Geschäftsentwicklung. Gestützt wird diese Einschätzung durch eine positive Entwicklung der Stundensätze; immerhin 45 Prozent konnten diese im vergangenen Jahr anheben.
Allerdings trüben gesamtwirtschaftliche Sorgen wie die Inflation (von 61 Prozent als Hemmnis genannt) und die Furcht vor einer Rezession diesen Optimismus. Die Situation bleibt uneinheitlich: Während die eigene Marktposition oft positiv bewertet wird, sorgt das makroökonomische Umfeld für Verunsicherung. So berichten 29 Prozent der Freelancer von stagnierenden oder gar sinkenden Einnahmen, was die Polarisierung innerhalb der Gruppe der Selbstständigen unterstreicht.
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