Einer voll dabei, viele zögern noch

Eltif: Welche Versicherer ihn heute schon anbieten (wollen)

Zum Januar 2024 lockerte der europäische Regulator die Kriterien für Eltifs. Das sind jene Fonds, über die man auch in Dinge investieren kann, die sonst nicht so einfach verfügbar sind. Direktbeteiligungen, zum Beispiel. Versicherer halten sich auf dem Segment noch zurück. Ein paar Produkte gibt es aber schon.
Verzögerte Flüge in Brüssel: Der Flughafen in der belgischen Hauptstadt gehört zu den Objekten im Eltif Swiss Life Privado Infrastructure
© picture alliance/dpa/Belga | Hatim Kaghat
Verzögerte Flüge in Brüssel: Der Flughafen in der belgischen Hauptstadt gehört zu den Objekten im Eltif Swiss Life Privado Infrastructure

Nennen wir es lieber „Bewegung“. Der Begriff „Schwung“ wäre nämlich übertrieben. Wenngleich er auf das Anlagevehikel Eltif insgesamt durchaus zutrifft. Denn auf dem Markt für sogenannte European Long Term Investment Funds (Eltif) ist inzwischen – außerhalb der Versicherungsbranche – einiges los.

Solche Vehikel sollen es Anlegern ermöglichen, ihr Geld auch in Objekte zu stecken, die nicht an den Finanzmärkten (also Börsen) gehandelt werden: direkte Anteile an Unternehmen (Private Equity), Kredite (Private Debt) und vor allem Infrastruktur. Die Europäische Union (EU) hofft somit, dass mehr Geld in wichtige und teure Projekte fließen kann. Entsprechend lang sind die Laufzeiten solcher Fonds, und entsprechend schwierig bis gar nicht kann man während dieser Laufzeiten vorzeitig sein Geld zurückbekommen. Das ist alles nicht schlimm, man muss es nur wissen. Im Gegenzug winken je nach Anlageklasse überdurchschnittliche Renditen.

Allein in den ersten drei Quartalen 2024 zählte das Privatize Private Markets Institute 37 neue solche Produkte. Das ist relativ viel, denn 2021 und 2023 waren es nur je 20. 2022 kamen zwölf neu auf den Markt und 2020 sogar nur überschaubare zehn.

Apropos Privatize. Im Januar meldeten die Pools Fondsnet und Inno Invest, dass sie sich mit eben jenem Spezialisten zusammengetan hat, um Eltif-Plattformen aufzubauen. Nutzen können sie alle angeschlossenen Vermittler.

Europa hat Schranken gelockert oder gar abgeschafft

Möglich macht das der Umstand, dass die EU zum 10. Januar 2024 einige Schranken gelockert oder gar ganz abgeschafft hat. So sind inzwischen – zumindest regulatorisch – keine 10.000 Euro als Mindestsumme mehr nötig, um einzusteigen (mehr dazu lesen Sie hier). Im Oktober beseitigte Europa mittels der technischen Durchführungsstandards (Regulatory Technical Standards, kurz RTS) die letzten rechtlichen Unklarheiten. Und die Finanzaufsicht Bafin hatte schon vorher geklärt, dass Vermittler lediglich eine Lizenz nach Paragraf 34f der Gewerbeordnung brauchen, um Eltifs abzusetzen. Kann also losgehen, oder?

Doch wo der gesamte Eltif-Markt schon ganz gut zu fliegen beginnt, halten sich Versicherer noch weit zurück. Eine Umfrage von Pfefferminzia unter den größten Lebensversicherern zeigt, dass die meisten von ihnen zwar sehr interessiert sind und Eltifs beobachten. Produkte haben sie aber noch keine.

Einen Grund für diese Vorsicht nennt die Ergo. Sie teilt mit: „Leider sehen wir noch viele offene operative Fragen, zum Beispiel zu den Aspekten Abwicklung oder Rückgaben. Bei einem so langen Zeithorizont von 10 bis 15 Jahren bräuchte man auch eine gewisse Flexibilität beim Ausstiegszeitpunkt. Es sind unseres Erachtens also weiterhin wichtige Details zu klären, bevor wir hier aktiv werden.“

Reine Eltif-Police von Swiss Life

Eine Ausnahme und damit Vorreiter ist die Swiss Life, die mit der Swiss Life Privado Police tatsächlich eine reine Eltif-Police aufgelegt hat. Grundsätzlich funktioniert sie wie eine klassische fondsgebundene Rentenversicherung. Doch nicht für laufende Beiträge, sondern eher als Geldanlage im Policen-Mantel. Ab 10.000 Euro Einmalzahlung ist man dabei, weiteres Geld lässt sich nachträglich zuschießen. Und am Ende winken die lebenslange Rente oder das komplett ausgezahlte Guthaben.

Als Motor in der Police steckt der im ­April 2024 aufgelegte Eltif Swiss Life Privado Infrastructure (ISIN: LU2724512657). Der enthält in seinem Portfolio direkte Anteile an Infrastrukturunternehmen und andere Infrastrukturfonds in Mitgliedsländern der Wirtschaftsvereinigung OECD. Die Zielrendite liegt bei 6 bis 9 Prozent im Jahr, verantwortlich ist die hauseigene Investmentgesellschaft Swiss Life Asset Managers.

Seite 2: Das größte aus Massivholz gebaute Büroviertel Europas

Zu den Investitionsobjekten gehören der Flughafen in Brüssel und die BCP Battery Holding, die in Deutschland im großen Stil Batteriespeicheranlagen baut und betreibt. Überhaupt finden sich in Eltifs immer wieder Projekte, die die Energiewende voranbringen: Wind-, Solar- und Wasserkraftwerke, Speicher, Biogasanlagen.

Allianz und Hanse-Merkur über die Investmenttöchter

Zwar nicht mit Policen, dafür aber ebenfalls mit Produkten über ihre Investmenttöchter sind Allianz und Hanse-Merkur am Start. Bei der Allianz läuft das über die Tochter Allianz Global Investors und heißt Allianz Global Infrastructure Eltif (LU2802865670). Das Fondsvermögen soll direkt in Infrastrukturprojekte, aber auch in Kredite an Infrastrukturprojekte fließen. Eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital sozusagen. Den Schwerpunkt soll auch hier die Energiewende bilden, die Rendite nach Kosten soll analog zum Swiss-Life-Fonds 6 bis 9 Prozent betragen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron besucht das Arboretum im französischen Nanterre-La Défense – das größte aus Massivholz gebaute Büroviertel Europas (Foto: picture alliance / abaca | Blondet Eliot)
Der französische Präsident Emmanuel Macron besucht das Arboretum im französischen Nanterre-La Défense – das größte aus Massivholz gebaute Büroviertel Europas (Foto: picture alliance / abaca | Blondet Eliot)

Doch neben diesem Tochterprodukt bietet die Allianz eine Police an, die zwar nicht auf einem Eltif aufsetzt, aber absolut mit einem vergleichbar ist. Über die Private-Markets-Police können sich Kunden direkt an einem bereits bestehenden Portfolio beteiligen, das eigentlich im Bestand der Allianz Leben ist. Es besteht aus fünf Anlagestrategien zu den Themen: Private Debt, Private Equity, erneuerbare Ener­gien, Infrastruktur und eine sogenannte Zukunftsstrategie (Future-Focused-Strategy), in der es um Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel und Dekarbonisierung der Wirtschaft geht. Ein Investitionsbeispiel für Private Debt ist das Arboretum im französischen Nanterre-La Défense – das größte aus Massivholz gebaute Büroviertel Europas.

Wie bei der Swiss Life ist auch die Private-Markets-Police nur für Einmalanlagen zugelassen, ab 10.000 Euro ist man auch hier dabei. Allerdings lässt sich später kein zusätzliches Geld mehr zuschießen, und eine Rente gibt es auch nicht, sondern nur die komplette Summe am Stück. Es ist eine reine Geldanlage, um Vermögen zu übertragen.

Bei Bayerische wieder in der Warteschleife

Ganz so konkret ist es bei der Hanse-Merkur leider – noch – nicht. Der Versicherer will voraussichtlich noch in diesem Halbjahr zwei Eltifs an den Start bringen. „Einer wird sich auf Private Debt konzentrieren, der andere auf Infrastrukturinvestitionen“, teilt Sprecher Dirk Becker mit. Nähere Informationen könne er aber noch nicht zur Verfügung stellen.

Wer seine Eltifs hingegen erst einmal wieder zurück in die Wartschleife geschoben hat, das ist die Bayerische mit ihrer Nachhaltigkeitsmarke Pangaea Life. „Wir hatten einen Eltif 2.0 in Planung, haben dieses Projekt allerdings zunächst zugunsten der Einführung unserer Co-Investment-Strategie zurückgestellt“, klärt Geschäftsführer Daniel Regensburger auf. Bei der anderen Strategie handelt es sich um einen geschlossenen alternativen Investmentfonds außerhalb von Policen, über den sich Kunden an Wohnobjekten in den USA beteiligen können.

Dass das Eltif-Angebot noch nicht so richtig in Schwung gekommen ist, führt Regensburger auch auf Grundlagen zurück. „Zu vieles war aus unserer Sicht – auch regulatorisch – zu lange unklar geregelt. Eine wichtige Herausforderung bleiben der Wissensaufbau über diese Anlagemöglichkeit sowie deren Vorzüge und Limitationen für Kunden“, so Regensburger. Aber – klar – auch bei Pangaea Life beobachtet man den Markt und kann sich vorstellen, Eltifs auf die Bahn zu bringen.

Das neue Jahr ist noch jung. Ganz sicher kann aus der Bewegung noch ein echter Schwung werden.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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