Es sind vor allem zwei Megatrends, die Finanzberater in den kommenden Jahrzehnten beschäftigen werden. Auf der einen Seite ist das der demografische Wandel, also die zunehmende Alterung der Bevölkerung. Er schmälert die volkswirtschaftliche Wertschöpfung und bringt neue Schwierigkeiten für die Finanzplanung mit sich.
Auf der anderen Seite ist es die künstliche Intelligenz (KI). Diese Technologie könnte demografische Defizite ausgleichen und neues Wachstum zu fördern. KI könnte außerdem zu mehr Produktivität führen, die sogar die des Computers und Internets übertrifft.
Doch was bedeuten diese Entwicklungen für Finanzberater? Es ist offensichtlich, dass die Megatrends den Arbeitsalltag der Finanz- und Versicherungsbranche nachhaltig beeinflussen und verändern werden. Sie sind Herausforderung und Chance zugleich.
KI schafft Freiräume für Finanzberater
Generative KI-Tools wie ChatGPT könnten Finanzberater dabei unterstützen, einfache Standardprodukte wie eine private Haftpflichtversicherung zu bearbeiten. Allerdings kann KI die persönliche Beratung nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.
- Für ihre private Altersvorsorge müssen Kunden weitreichende finanzielle Entscheidungen treffen. Hier bleiben das fachliche Wissen und die emotionale Kompetenz eines Beraters unerlässlich.
- Richtig eingesetzt könnten KI-Anwendungen dabei helfen, Routineaufgaben effizienter zu erledigen und dem Berater dadurch mehr Zeit für seine wesentliche Aufgabe – die individuelle und persönliche Betreuung der Kunden – zu verschaffen.
- Diese zusätzliche Zeit ermöglicht es Beratern, sich intensiver auf die Bedürfnisse und Ziele ihrer Kunden zu konzentrieren und dadurch die Qualität der Beratung weiter zu steigern.
Wo genau liegt das Potenzial von KI-Tools für Finanzberater?
Smarte KI-Tools bieten die Möglichkeit, zeitintensive Routineaufgaben deutlich effizienter zu gestalten.
Sie können die folgenden Prozesse übernehmen:
- Faktenchecks durchführen,
- Daten automatisch erfassen,
- detaillierte Kundenprofile erstellen
Mit diesen Aufgaben unterstützt die KI Berater dabei, maßgeschneiderte Angebote und Empfehlungen auszuarbeiten. Innovative Chatbots können Berater zudem in der Kundenbetreuung einsetzen, um Standardfragen schnell und präzise zu beantworten. Dadurch gewinnen Berater nicht nur Zeit. Auch die Qualität und Konsistenz der Betreuung verbessert sich.
Um das volle Potenzial der KI in der Finanzberatung auszuschöpfen, müssen Berater kontinuierlich in das eigene Know-how investieren und Schulungsangebote seitens der Finanzdienstleister wahrnehmen. Auf diese Weise können Berater die persönliche und individuelle Betreuung ihrer Kunden verbessern.
Wie Finanzberater Kunden auch im Alter gut beraten
Mit anderen Herausforderungen sehen sich Berater beim demographischen Wandel konfrontiert. Seit 1980 hat sich der Anteil der Bevölkerung mit einem Alter von mehr als 55 Jahren in Deutschland von 25 Prozent auf 38 Prozent im Jahr 2023 erhöht. Tendenz weiter steigend.
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, dass Menschen ab einem bestimmten Alter keine professionelle Finanzberatung mehr benötigen. Das Gegenteil ist der Fall.
Denn mit fortschreitendem Alter verändern sich die Lebensbedürfnisse und damit auch die Anforderungen an die eigenen Finanzen. Umfragen zeigen, dass ältere Personen ihr Geld meist konservativ anlegen und dabei mitunter Ertragschancen verschenken. Das liegt oft daran, dass sie ihr Kapital als Ruhestandsabsicherung betrachten und daher das Risiko minimieren möchten.
Für den Anlageberater gilt es daher, nicht nur die richtige Balance zwischen Risiko und Rendite zu finden, sondern vor allem den Bedarf einer umfassenden und individuellen Beratung klar zu erkennen. Eine solche Beratung ist auch deshalb entscheidend, weil Kunden mit beginnendem Ruhestand Mittel aus Renten-, Lebens- oder Fondpolicen erhalten, die sie zum Teil wieder anlegen können.
Die junge Generation legt traditionell ihr Geld lieber eigenständig an. Das mag bei kleineren Beträgen noch funktionieren. Doch gerade bei größeren Erbschaften stehen junge Leute vor immensen Herausforderungen. Hier kann ein Finanzberater unterstützen, indem er sich mit den individuellen Bedürfnissen der jüngeren Generation vertraut macht.
Fazit: Finanzberater gehen neue Wege mit KI
Die Megatrends Demografie und KI werden die Finanzbranche verändern. Für Finanzberater wird es entscheidend sein, über den Tellerrand hinauszublicken und neue Wege zu gehen. Dabei wird KI die persönliche Beratung nicht ersetzen, sondern diese unterstützen. KI ermöglicht dem Berater, sich intensiver auf die Bedürfnisse der Kunden zu konzentrieren.
Auch im Zuge des demographischen Wandels wird eine fundierte, persönliche Beratung immer wichtiger. Diese älteren Kunden haben spezifische Bedürfnisse und stehen oft vor bedeutenden finanziellen Entscheidungen, beispielsweise wie sie ihre Altersvorsorge verwalten oder ihr freigesetztes Kapital anlegen wollen. Eine gezielte Beratung kann Kunden helfen, ihr Kapital effizient anzulegen, um ihre finanziellen Ziele auch im Ruhestand zu erreichen.